Ende Juni (29.6.) kommt die US-amerikanische Doku „The King – Mit Elvis durch Amerika“ (Original: „Promised Land“) in die österreichischen Kinos, bei uns gibt es schon heute die Kritik zum Film.

Die von Eugene Jarecki gedrehte Doku verwendet den Aufstieg und Fall eines der größten amerikanischen Idole, Elvis Presley, als Metpher für den (Aufstieg und) Niedergang der USA: Das ehemalige „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“, in dem jeder Tellerwäscher, so der „American Dream“, zum Millionär werden konnte, steht heute am Null- und Wendepunkt; eine übersättigte Nation ohne Vision, die von einem egomanischen Präsidenten geführt wird, sieht einer ungewissen (und wenig rosigen) Zukunft entgegen.

von Christian Klosz

Jarecki verbindet in seinem Film Roadmovie mit historischen TV-Aufnahmen, in seinem filmischen Mosaik treffen (glorreiche?) Vergangenheit und (triste) Gegenwart unvermittelt aufeinander: Parallel zur Geschichte Elvis‘, dem amerikanischsten aller US-Superstars, erzählt er die Geschichte der „United States of America“, einem Land, das stets durch Gewalt und Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen geprägt war, es über lange Zeit dennoch schaffte, durch eine gemeinsame Identität „vereint“ zu bleiben.

Ashton Kutcher_by DAVID KUHN

Dieses Ideal, die Vorstellung und Überzeugung, „the greatest country in the world“ zu sein, ist brüchig. Der Aufstieg Trumps kennzeichnet ebenso den Niedergang der USA als führende Weltmacht, da er die unter der Oberfläche liegenden Konflikte der Nation mit einem Schlag sichtbar machte: Egoistische Kapitalisten, urbane liberale Eliten, ländliche „Hinterwäldler“, Schwarze, Weiße…all diese Gruppen scheinen sich plötzlich nicht mehr „unter einen Hut“ bringen zu lassen. Jarecki interviewt Stars, Wegbegleiter Elvis‘ ebenso wie „einfache“ US-Bürger, die sich an Elvis erinnern, an eine glorreiche Vergangenheit, und über die triste Gegenwart sinnieren; und darüber, wie es „so weit“ kommen konnte.

Elvis Presleys Aufstieg zum globalen Superstar in den 1950-ern markierte einen der großen Höhepunkte der US-Kultur: Eine strahlende, charismatische Verkörperung des „American Dream“ – aufgewachsen in ärmlichen Verhältnissen im Süden, hinaus in die weite Welt und zu internationalem Ruhm. Elvis, dem „schwärzesten“ aller weißen Sänger, lag die Welt zu Füßen; als personifizierter Beweis für die Gültigkeit des amerikanischen Traums deckte er innere (Rassismus) und äußere Konflikte (Kriege) zu.

Im harten Kontrast dazu: Die USA von heute. Eher ein amerikanischer Alptraum, in dem gesellschaftliche Konflikte unvermittelt hervorbrechen. Die Wahl Trumps zum ersten Mann im Staate: der ultimative nightmare. Ein Rüpel ohne Manieren, berühmt geworden durch TV und Medien, verspricht den desillusionierten urbanen und ländlichen Unterschichten „to make America great again“ – um in der Praxis den Gegenbeweis anzutreten.

All Seeing Trump_by DAVID KUHN

Fazit:

Jareckis Film ist weniger pessimistisch als realistisch: Elvis, gegen Ende seiner Karriere fett und schwach geworden, übersättigt von Ruhm und Ehre, ausgelaugt von der Zeit im Rampenlicht, eine traurige Karikatur seiner selbst – auch das soll eine Metapher sein für die USA anno 2018. Jarecki beklagt weder wehleidig den Stand der Dinge, noch verklärt er sentimental die Vergangenheit: er schafft eine präzise und punktgenaue Momentaufnahme einer Nation am Wendepunkt, ein mosaikartiges, ergreifendes und teils erschütterndes Porträt, das stets „hinter den Vorhang“ von Hurra-Patriotismus und glitzerndem Showbiz blickt. Großes Kino, ein sehenswerter Dokumentarfilm, und eine der Entdeckungen des Filmjahres.

Bewertung:

9 von 10 Punkten

 

Bilder: Polyfilm Verleih

Advertisements