Die Handlung von Sebastian Brauneis „Zauberer” zu beschreiben fällt schwer: Denn es gibt keine wirkliche Handlung, sondern nur verschiedene Episoden, die auf den ersten Blick kein gemeinsames Thema, keinen roten Faden aufweisen. Im Laufe des Films lichtet sich das Dunkel, man findet heraus, was die Protagonisten verbindet – nämlich ihre tiefe Einsamkeit und die Suche nach einem Durchbrechen der täglichen Routinen ihres Lebens.

Es gibt vier Geschichten, die aufeinander treffen: eine Schulärztin entführt einen ihrer Patienten; ein Psychiater, der seiner blinden Ehefrau die Welt beschreibt; ein Junge gibt vor, jemand zu sein, der er nicht ist; und eine Mutter, die sich um ihren Sohn kümmert, der in Wachkoma liegt, während sie versucht, jemanden zum Sex in Anwesenheit ihres Sohnes zu überreden.

Alles wird unheimlich roh erzählt: der Film ist voller Brutalität, Gewalt, irrer Phantasien. In tiefschwarzem Humor präsentiert „Zauberer“ die unterschiedlichen Wege der Protoagonisten, endlich aus ihrer Einsamkeit zu finden. Diese Art des story-telling erinnert stark an Ulrich Seidls Stil.

Stil beweist der Film auch in der Kameraarbeit: ein Spiel mit ungewöhnlichen Perspektiven, spannenden Schärfen und Unschärfen, detailreich durchgestaltete Sets und sehr unnatürliche Zooms, die mitunter an Yorgos Lanthimos Filme („The Lobster„) erinnern.

Das Sounddesign spielt für die Geschichte auch eine ganz grundlegende Rolle. Die Musik ist immer ein Teil der Erzählung und ist sehr oft im Vordergrund: wenn die Figuren beispielweise über Kopfhörer Musik hören, und auch der Zuschauer diese Musik mithört, signalisiert das die Entfremdung der Protagonisten von der sie umgebenden Welt.

Bemerkenswert an „Zauberer“ ist die großartige Rollenarbeit – alles im Film entwickelt sich zunächst aus den Charakteren, und erst danach steht der Rest der Geschichte. Aber genau dieser „Rest“ zerstört einiges, das davor „gut gebaut“ wurde: Der Film wurde während nur 4 Wochen gedreht, was Regisseur Brauneis im Interview als problematisch bezeichnete. Und wenn man es mit einer derart komplexen Geschichten zu tun hat, erwartet man mitunter mehr davon. Die einzelnen Geschichten wirken unvollendet, und das verloren gegangene Potenzial des Films tut wirklich weh. Am Ende des Tages bleiben in erster Linie die Gewaltszenen und geschmacklose Witze im Gedächtnis haften. Nichtsdestotrotz ist „Zauberer“ ein interessanter Film, der den Zuschauer fordert, und definitiv nichts „für schwache Nerven“ ist“.

von Szymon Pietrzak und Christian Klosz


„Zauberer“ ist seit dem 20.4. in den österreichischen Kinos zu sehen. Das Drehbuch wurde von Sebastian Brauneis, Nicholas Ofczarek und Clemens J. Setz verfasst, die dafür mit dem Drehbuch-Preis bei der Diagonale prämiert wurden. Wir durften am FR, den 25.5., bei einem Special-Screening des Films in Anwesenheit des Regisseurs dabei sein.

 

Bild: Thimfilm

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