Jason Reitman (Sohn von Ivan Reitman) schuf mit „Juno“ und „Up in the air“ zwei der besten Mainstream-Komödien der letzten Jahre. Mit „Tully“ kann er nahtlos daran anknüpfen: Mit der wunderbaren Charlize Theron in der Hauptrolle präsentiert Reitman eine unterhaltsame, sehenswerte und geerdete Komödie. Ab heute in den österreichischen Kinos.

von Christian Klosz

Marlo (Theron) wird gerade zum dritten Mal Mutter: Ihre Ehe mit mit Drew (Ron Livingston) ist intakt, der Zauber der Liebe ist nach zwei Kindern und einer Menge Alltag aber etwas aus der Beziehung entschwunden. Beide leben ein solides Vorstadt-Leben, Drew arbeitet viel, und Marlo kümmert sich um die Kinder. Mit dem dritten Kind steigt die Belastung: Als Marlo immer mehr an und über ihre Grenzen gehen muss, bietet ihr reicher Bruder Craig an, eine „Night Nanny“ für sie zu engagieren. Zuerst sträubt sich Marlo gegen die „karitative Intervention“, schlussendlich gibt sie nach. Tully (Mackenzie Davis) entpuppt sich als wahres „Geschenk des Himmels“, sie findet sofort eine Beziehung zum Baby, und freundet sich auch mit Marlo an. Eine ungewöhnliche Freundschaft nimmt ihren Lauf.

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Mackenzie Davis

Reitman macht das, was er am besten kann: Warmherzige, unterhaltsame und im Grunde „positive“ Geschichten zu erzählen. In „Tully“ gelingt ihm das über weite Strecken ausgezeichnet. Er kann sich erneut auf ein wirklich gutes Drehbuch von Diablo Cody verlassen, mit der er schon mehrmals zusammengearbeitet hatte, unter anderem bei „Juno“.

Eine weitere Meisterleistung liefert Charlize Theron ab: Wie schon in „Monster“ beweist sie „Mut zur Hässlichkeit“. An die zwanzig Kilo soll sie für ihre Rolle zugenommen haben. Sie verkörpert die überforderte Mutter Marlo stets glaubwürdig, sympathisch und authentisch. Mackenzie Davis steht ihr dabei um nichts nach. Als alternativ angehauchte, lebensfrohe Tully gibt sie gewissermaßen eine „junge Marlo“ voller Idealismus und hochtrabenden Plänen, bevor die Realitäten von Mutterschaft und Ehe zu Kompromissen zwangen (daraus speist sich im Übrigen der Story-Twist am Ende). Sie macht ihre Sache ausgezeichnet, und das Duo Davis-Theron harmoniert ausgezeichnet.

Im Kern geht es bei „Tully“ um ein ernstes Thema: Postnatale Depression. Der Film wirkt aber nie hoffnungslos oder pessimistisch, er unterfüttert das an sich tragische Sujet stets mit gut getimetem Humor. Der erwähnte Twist am Ende, in den letzten 10 Minuten, war nicht unbedingt notwendig, schadet dem Film aber auch nicht wirklich. Die Lauflänge von gut 1,5 Stunden erweist sich auch als ideal.

Fazit:

Alles in allem ist Reitman mit „Tully“ eine weitere, ausgezeichnete Komödie gelungen, die kurzweilig unterhält, auf tolle Schauspielleistungen bauen kann, und klassisches Genre-Kino im besten Sinne bietet – etwas, das man im heutigen Hollywood-Kino oft schmerzhaft vermisst. Sehenswert.

Bewertung:

8 von 10 Punkten

 

Bilder: Thimfilm

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