Ivan Reitman war und ist integraler Bestandteil der kanadischen Filmszene: Er produzierte David Cronenbergs erste Versuche, den John Belushi-Durchbruch „Animal House“ und arbeitete wiederholt mit US-Comedy-Ikone Harold Ramis („Und täglich grüßt das Murmeltier“) zusammen, inzwischen produziert er die Filme seines Sohns Jason („Up in the Air“, „Tully„). Als Regisseur trug er sich endgültig mit der „Ghostbusters“-Reihe in die Filmannalen ein. Während spätere Werke wie „Twins“ oder „Junior“ eher als gut gemachter, aber harmloser Klamauk durchgehen, ist sein Durchbruchsfilm „Meatballs“ eine politisch unkorrekte Teenie-Komödie mit Schlagkraft, die dennoch großes Herz beweist: Als Leiter eines Jugendferiencamps und Commander of Chaos in Chief gibt hier auch Bill Murray sein Leinwanddebüt im bis damals erfolgreichsten kanadischen Film aller Zeiten. Als Zyniker mit Entwicklungspotential probiert er erstmals seine bekannte Leinwand-Persona, die er später in Variationen so oft wiederholen würde, ist Gravitationspunkt der Handlung, die sich aus anarchistischen Aktionen, adoleszenten Ausbrüchen und banalen Blödeleien zusammensetzt. Campleiter Tripper fordert und fördert erste sexuelle Geh- (und Fall-versuche) seiner Schützlinge und forciert, auf höchst unorthodoxe Art, das teambuilding: Eine Ode an die Gemeinschaft und Freundschaft, weniger frivol als „Eis am Stiel“, aber erwachsener als „American Pie“. Ideal als Wiederentdeckung für laue oder heiße Sommernächte alleine oder in Gesellschaft.

von Christian Klosz

In unserer neuen Reihe „Vor-Bilder“ präsentiert Christian Klosz Film-Klassiker und -Ikonen. Weitere Infos und die bisherige Auswahl kann man HIER nachlesen.