Stephen King-Verfilmungen gibt es wie Sand am Strand, und die meisten von ihnen sind dennoch überraschend gut. Herausstechen tut dabei immer noch die erste Leinwand-Adaption des Horror-Königs, jene nämlich seines ersten Romans „Carrie“ (erschienen 1974) von Brian de Palma. Auch für de Palma war „Carrie“ der große Durchbruch und katapultierte ihn ins Auge des New Hollywood-Epizentrums. Der stets ironisch angehauchte und in rotes Schweineblut getränkte Schocker ist ein perfekt konzeptioniertes und komponiertes Kunststück, eine kleine Horror-Oper der Extraklasse, die altert wie guter Whiskey, dessen meisterhafter Einsatz von Kamera, Schnitt, Bildmontage und Musik nicht anders als virtuos zu bezeichnen ist.

De Palma gelingt dabei ganz nebenbei ein treffendes Porträt von fatalem religiösen Fanatismus und von falschen Christen (Carries Mutter, die Wurzel allen Übels), deren moralische Message von nährender Nächstenliebe in geradezu diabolischen Sadismus umschlägt. Die High School-Prom-Tanzszene und die legendäre Bluteimer-Sequenz sind für sich genommen kleine cineastische Perlen, während Schock, Schrecken und Terror gegen Ende aus jeder Aufnahme triefen: Ein zynischer Albtraum, dessen satirischer Unterbau dem Horror seine Ernsthaftigkeit nimmt, während der Schrecken trotzdem körperlich spürbar bleibt, obendrein höllisch unterhaltsam und kurzweilig.

von Christian Klosz

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In unserer neuen Reihe „Vor-Bilder“ präsentiert Christian Klosz Film-Klassiker und -Ikonen. Weitere Infos und die bisherige Auswahl kann man HIER nachlesen.