Der beste Hitchcock-Film, der nicht von Hitchcock gedreht wurde„, so wurde der Screwball-Suspense-Liebes-Drama-Krimi-Thriller von Stanley Donen mehrfach genannt. Wenngleich visuell unterlegen: Nicht nur die Besetzung mit dem stilvoll ergrauenden Cary Grant verweist auf den Meister, auch der labyrinthische Plot und der sich stetig steigernde Spannungsbogen, der erst gegen Ende gelöst wird. Die Protagonisten spielen alle doppeltes oder dreifaches Spiel, hinter jeder Fassade verbirgt sich eine weitere und Audrey Hepburn verführt als zuckersüßes Zentrum der Geschichte um Geld, Liebe und Täuschung nicht nur Kamera und Grant, sondern auch die Zuschauer: Während sich die Leichen tragisch türmen, hopst sie beschwingt und mit (natürlich nur scheinbarer) Naivität durchs Bild, mehr als ebenbürtige Gegnerin, Partnerin, Gefährtin und Geliebte des Protagonisten. Meisterhaft ist auch der verspielt-treibende Soundtrack von US-Swing-Ikone Henry Mancini, der diesem filmischen Dessert die Kirsche aufsetzt.

von Christian Klosz

„Charade“ ist derzeit auf Amazon Prime zu sehen.


In unserer neuen Reihe „Vor-Bilder“ präsentiert Christian Klosz in kurzen Beiträgen Filmklassiker und -ikonen. Details und die Ideen dahinter lassen sich hier nachlesen.