„Heat“, Michael Manns kühl komponiertes opus magnum von fast 3 Stunden, ist ein minimalistisches Gesamtkunstwerk, in dem die für Mann so typische Poesie der Bilder aus jeder Aufnahme spricht. Reduziert, zurückhaltend, distanziert nähert er sich 2 auf dem Papier ungleichen Leben, die in Praxis einander gleichen wie ein Ei dem anderen: Der eine, obsessiv-kompulsiver Gangster mit präziser Professionalität (De Niro) wird vom anderen, erratisch-impusiver Cop (typisch: Pacino), gejagt. Was beide verbindet: Einsamkeit, Hingabe an ihren Beruf – und ein komplett kaputtes Privatleben, das keinen Raum für Liebe oder Familie (zu)lässt. Der ebenfalls zurückgenommene Soundtrack, großteils elektronische Instrumentalklänge, leitet das (un)gleiche Duo durch eine in Blautönen eingefangene tour de force, deren emotionale Überhitzung sich nur kondensiert in kontrollierter Kälte darstellen lässt. Eine melancholische Männerphantasie, deren Machismo mehrfach gebrochen wird, gleichzeitig ein Porträt, ein Psychogramm, ein Drama, das Kriminelle und deren Widersacher als lediglich zwei Seiten der selben Medaille erscheinen lässt, die einander ursprünglich bedingen.

von Christian Klosz

„Heat“ ist derzeit auf Amazon Prime zu sehen.

In unserer neuen Reihe „Vor-Bilder“ präsentiert Christian Klosz Film-Klassiker und -Ikonen. Weitere Infos und die bisherige Auswahl kann man HIER nachlesen.