Bereits zum zweiten Mal heißt es die Schlaghosen hervorholen, die innere Uhr um ein paar Jahrzehnte zurück drehen, und das Stimmungsbarometer auf Discopop stellen, denn mit „Mamma Mia! – Here We Go Again“ erwartet Fans weltweit die Fortsetzung des Kassenschlagers aus dem Jahr 2008. Ob das nächste Kapitel dieser filmisch-musikalischen Reise allerdings genauso zu überzeugen weiß wie sein Vorgänger, erfahrt ihr hier.

von Mara Hollenstein-Tirk

Fünf Jahre sind laut dem Film vergangen, seit Donna endlich ihre einzig wahre Liebe ehelichen konnte und sich Sophie mit ihrem Traummann auf den Weg in ein unbekanntes Abenteuer stürzte. Im der Realität ist es allerdings doppelt so lange her, dass Meryl Streep, Amanda Seyfried und Co. das Publikum verzaubern durften. Was zunächst als banale Kleinigkeit abgetan werden könnte, ruft doch einiges Erstaunen hervor, sieht man den Mimen die verstrichenen Jahre doch deutlich an; ein Umstand, welcher auf zeitlicher Ebene eine spürbare Diskrepanz entstehen lässt, die man ganz leicht hätte vermeiden können.

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Aber gut, man will als Fans ja nicht kleinlich sein und sieht daher über diesen Punkt einfach großzügig hinweg, schließlich geht es bei einem Musikfilm wie „Mamma Mia“ nicht vordergründig um Elemente wie Kontinuität, Glaubwürdigkeit oder sogar Handlung – nein, es geht vor allem um eines: Unterhaltung. Dies zeigte sich bereits deutlich nach Veröffentlichung des ersten Teils, denn während Kritiker allerorts die dünne Story ebenso wie die partiell dünnen Stimmen bemängelten, hielten die Fans ein kaum diskutierbares Argument all den kritischen Stimmen entgegen:„Aber der Film macht einfach Spaß!“ Damit wurde jedes weitere Wort obsolet, manifestierte sich doch anhand dieses kurzen Satzes allzu deutlich, worauf es den Zuschauern in diesem Fall tatsächlich ankam: mitsingen, mitlachen und fröhlich beschwingt den Kinosaal wieder verlassen.


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Daran ist prinzipiell auch nichts Verwerfliches, das Medium Film ist neben einer Kunst- eben auch ein Unterhaltungsform und solange sich Produzenten wie Konsumenten darüber einig sind, welches Produkt den vorhandenen Vorstellungen entspricht, gehen beide Parteien zufrieden nach Hause. Während sich die Macher von „Mamma Mia 1“ augenscheinlich der Tatsache bewusst waren, ein musikalisches Feel-Good-Movie zu produzieren, der die größten Hits der nach wie vor populären ehemaligen Band ABBA auf Kosten der Handlung und Charaktertiefe in den Vordergrund rückt, wurde der Kurs bei „Here We Go Again“ zwar nur marginal geändert, dies allerdings mit verheerenden Folgen. Durch das Fokussieren auf die dünne Handlung sowie forciert wirkende dramatische Elemente und Twists, welche den Figuren diesmal mehr Tiefgang spendieren sollten, fühlt sich dieser zweite Teil über weite Strecken hinweg eher nach einem Drama als einem Wohlfühl-Erlebnis an.

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Um allerdings als ernstzunehmendes Drama überzeugen zu können, mischen sich dann doch eindeutig zu viele magische Musical-Momente in die Handlung und erzeugen ein insgesamt unstimmiges Bild. Diese Unstimmigkeiten werden durch die zwei Zeitebenen des Films nur noch weiter verdeutlicht und verstärkt, scheinen diese doch äußerst konträr angelegt zu sein; während der eine Teil bemüht scheint, gute Laune beim Publikum auszulösen, zieht der andere Part den Zuschauer sofort wieder hinab in die dramatischen Verwicklungen der Gegenwart. In diesem Zusammenhang gilt es außerdem noch eine Sache zu erwähnen, die in keiner Rezension zu einem Film dieser Reihe unerwähnt bleiben darf – die Songs. Sogar hier zeichnet sich das Problem der Inkohärenz ab, bekommt man doch das Gefühl, dass alle fröhlichen Hits der Band bereits in Teil eins verwendet wurde und daher nur Lieder mit tragischeren Textzeilen oder neue bedeutungsschwere Arrangements zur Verfügung standen.

Fazit:

Alles in allem kommt die Fortsetzung des beliebten Musicalfilms überraschend deprimierend daher und zeichnet sich vor allem durch tonale Inkohärenz aus. Fans von ABBA finden zwar nach wie vor genügend Elemente, um einen schönen Abend zu verbringen – besonders einige Cameos dürften für Euphorie sorgen – allerdings versprüht der zweite Teil bei weitem nicht die gleiche Energie und gute Laune wie sein Vorgänger.

Bewertung:

4 von 10 Punkten

Bildrechte: Universal Pictures Austria

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