Als der ziellose Tagträumer Sam beim täglichen Ausspionieren der Nachbarschaft die schöne Sarah im Pool seiner Wohnanlage erspäht, ist es schnell um ihn geschehen: Die beiden verbringen einen Abend zusammen, doch ebenso schnell wie Sarah in sein Leben trat, verschwindet sie auch wieder. Angetrieben durch seine Obsession und von „geheimen Botschaften“ begibt sich Sam auf die Suche nach der hübschen Blondine, und verliert sich dabei in den mysteriösen Geheimnissen der „Stadt der Engel“.

„Under the Silver Lake“ ist der neue Spielfilm von David Robert Mitchell, der anno 2014 mit dem erfrischenden „It follows“ bereits einige Bekanntheit erlangte. Sein neues Werk hat eine Laufzeit von 139 Minuten und feierte seine Premiere bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes. Aktuell wird der Film der breiteren Masse im Rahmen diverser Filmfestivals vorgestellt. Der offizielle Kinostart ist der 6. Dezember.

Anders als Mitchells Überraschungserfolg aus dem Jahre 2014, der als eine Wiederauferstehung des Horrorkinos der 80‘s gefeiert wurde, widmet sich der US-Amerikaner mit „Under the silver lake“ einer gänzlich anderen Stilrichtung. Eine exakte Einordung fällt schwer, am ehesten lässt sich die Geschichte um Sams Odyssee aber als Symbiose aus schwarzer Komödie und Thriller kategorisieren. Was beim ersten Lesen seltsam anmuten mag, wird dem Zuschauer aber in einer solch leichtfüßigen Art und Weise präsentiert, wie es nur selten der Fall ist. Nackte Körper, irrwitzige Dialoge, bellende Frauen; drei Komponenten, die alleine in den ersten 20 Minuten des Films auftauchen und in etwa andeuten, in welche Sphären sich Mitchell im Verlaufe der Spielzeit schwingen wird.

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Die dargebotene Story rund um Sams verzweifelte Suche ist dabei gespickt mit Anspielungen und Querverweisen auf Klassiker der Film- und Musikgeschichte. Ähnlich wie bei „Ready Player One“ entwickelt sich eine Hommage an vorangegangene Zeiten und bietet so, neben seiner eigentlichen Haupthandlung, immer wieder gekonnt eingeflochtene Bilder, Locations, Songs oder auch Metaphern, die gerade beim erfahreneren Kinopublikum für Pluspunkte sorgen sollten und die Möglichkeiten der Deutung erweitern. Dabei verliert der Film glücklicherweise niemals den Fokus und findet ein gesundes Mittelmaß zwischen Nostalgie und Fortschritt. Verschiedenste Zugänge werden in Hochglanzoptik verpackt und wissen durch die Bank zu überzeugen. Egal ob Komik, Tragik, Spannung oder Grusel; das schillernde Potpourri der Stilrichtungen funktioniert und weckt in seinen stärksten Momenten Erinnerungen an die Ästhetik eines Terrence Malick, gepaart mit dem Suspense eines Alfred Hitchcock.

Im Mittelpunkt steht dabei vor allem Andrew Garfields Darbietung als Sam, die über die gesamte Spielzeit hinweg auf den Punkt ist. Garfield, der bisher nicht zwingend durch seine Wandelbarkeit in Erscheinung getreten war, beweist in „Under the Silver Lake“, welche Bandbreite an Facetten er abzurufen im Stande ist und kann vom Start weg die Sympathien der Zuschauer für sich gewinnen. Unterstützt wird er dabei unter anderem von Riley Keough, Topher Grace und Jimmi Simpson, wobei alle ihr Potenzial abrufen um ihren verschrobenen Charakteren Leben einhauchen, sich aber klar im Schatten Garfields bewegen.

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Die visuelle Komponente wird dabei mit einer Mischung aus dramatischer Musik und beschwingten Popsongs untermalt. Insbesondere eine Szene sticht dabei durch ihre Skurrilität und Wendung derart hervor, dass sie auch noch Stunden nach der Sichtung nachwirkt. Wo andere Filme den Soundtrack dazu benutzen, eine Spannung zu erzeugen, die die Story nicht vermitteln kann, ergänzen sich beide Komponenten in diesem Falle und lassen die knapp zweieinhalb Stunden im Flug vergehen.

Fazit:

„Under the Silver Lake“ ist ein ambitioniertes und prachtvoll inszeniertes Werk, welches spannender ist als so manch großer Hollywood-Thriller und dabei gleichzeitig nie den Unterhaltungswert außer Acht lässt. Vielseitig, teilweise komplex, aber nie überfordernd kann der Film vollends überzeugen und schreit geradezu nach einer erneuten Sichtung, um weitere Details zu entdecken und das Rätsel um die Geschehnisse in Silver Lake endgültig zu entschlüsseln.

Bewertung:

9 von 10 Punkten

von Cliff Brockerhoff

Gesehen wurde der Film auf dem Fantasy Filmfest, das seit Jahren fester Bestandteil der gepflegten Filmkultur ist und zu den bedeutendsten Genre-Filmfestivals der Welt zählt. Auch in diesem Jahr macht das Festival in diversen deutschen Großstädten, unter anderem in Hamburg, Berlin, München oder Köln Station und begeistert Fans mit seinem abwechslungsreichen Festivalprogramm.

Bilder: ©A24

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