Als der „romantischste Film des Festivals“ wurde „Zoe“ (Regie: Drake Doremus) angekündigt, als er im Rahmen des /Slash-Filmfestivals in Wien seine Premiere feierte. Die Amazon-Produktion (auch Ridley Scott hatte seine Finger im Spiel) kann tatsächlich vor allem auf der „Gefühlsebene“ überzeugen, bietet aber auch einen interessanten und für dieses Genre (Science Fiction) ungewohnt optimistischen Blick in eine mögliche Zukunft, in der Mensch und Maschine friedlich ko-existieren. Bisher DIE Entdeckung des Festivals.

„Zoe“ spinnt bereits aus anderen Filmen bekannte Ideen und Gedanken bezüglich künstlicher Intelligenz und der Beziehung zwischen Mensch und Maschine weiter: Auch Alex Garlands Überraschungshit „Ex Machina“ deutet bereits die Möglichkeiten von Romantik und Liebe zwischen beiden „Lebensformen“ an, bevor der Film in eine andere Richtung abbiegt. Und Kubricks Über-Film „2001“ stellt explizit die Frage, was die Maschine vom Menschen unterscheidet, und was passiert, wenn Maschine Mensch (Gott) spielen will. Entgegen Garlands ernüchternder und Kubricks dystopischer Vision wählt „Zoe“ einen anderen, viele positiveren und geradezu optimistischen Zugang, der besonders in diesem Genre selten ist. Alleine das ist dem Film hoch anzurechnen.

Die bestimmende Frage im Hintergrund bleibt stets: Was unterscheidet die Maschine vom Menschen? Und kann eine Maschine auch fühlen, kann sie jemals „echt“ und real sein, ein Eigenleben entwickeln, und sich von ihrem Schöpfer (Mensch) und dessen Programmierung lösen? Wie der Film die Frage beantwortet, ist nicht nur höchst kreativ, sondern auch bewegend und schön.

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Hervorzuheben ist des weiteren der wunderbare Soundtrack, der zu den besten dieses Jahres gehört: Neben dem von Dan Romer eigens komponierten Score fügen sich auch die gut ausgewählten Popsongs ausgezeichnet in den Film ein, und schaffen eine eigene, stets leicht melancholische Atmosphäre. Die Leistung der beiden Hauptdarsteller soll auch nicht unerwähnt bleiben, denn Ewan McGregor als Forscher Cole und Lea Seydoux als Zoe machen ihre Sache sehr gut, und entwickeln eine spürbare Chemie als ungewöhnliches Leinwandpaar.

Fazit:

Alles in allem ist „Zoe“ ein sehr überzeugender Film, der interessante intellektuelle Gedankenspiele weiterführt, emotionale und bewegende Szenen kreiert, die dem Film Tiefe verleihen, und von einer stets melancholischen, aber doch positiven Grundstimmung getragen wird, die das Kinoerlebnis auch Tage später noch im Gedächtnis verharren lässt. Hut ab.

Wertung:

9 von 10 Punkten

von Christian Klosz

 

Titelbild: Slash Filmfestival

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