Stephanie ist eine wahre Vorzeige-Hausfrau, die ihr Leben nach dem Tod ihres Mannes komplett ihren mütterlichen Pflichten widmet. Überengagiert und notorisch unsicher wird die Hobby-Bloggerin von anderen Müttern belächelt und ausgegrenzt. Dies ändert sich, als Stephanie die extravagante Emily kennenlernt, die das genaue Gegenteil von ihr verkörpert. Die beiden freunden sich schnell an, doch eines Tages verschwindet Emily spurlos. Schnell scheint die Sachlage klar, doch Stephanie beschleicht ein ungutes Gefühl, stellt eigene Nachforschungen an und muss erkennen, dass Emily ihr möglicherweise doch gar nicht so unähnlich ist.

„Nur ein kleiner Gefallen“ (Originaltitel: A simple favor) ist der neue Spielfilm von Paul Feig, der zuletzt die Regie bei der Neuverfilmung von „Ghostbusters“ übernahm. Mit seinem neuen Werk bewegt er sich weg vom komödiantischen Terrain hin zu einem verwinkelten Thriller, der allerdings auch den einen oder anderen Lacher bereithält. Seit dem 9. November ist die Romanverfilmung landesweit in den Lichtspielhäusern zu begutachten.

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In den USA mit einem R-Rating versehen, wirkt der Thriller anfangs noch wie ein typisch überdrehter Genrevertreter und lässt vorerst nicht erahnen, in welche Richtung sich die Chose entwickeln würde. Es wird geflucht, gelästert und getrunken. Die beiden Hauptdarstellerinnen Anna Kendrick und Blake Lively könnten dabei unterschiedlicher nicht sein. Während die eine sich nach jeder Unachtsamkeit mehrfach entschuldigt, gießt die Andere schallend lachend den nächsten Martini ins vorgekühlte Glas. Insbesondere Kendrick überzeugt dabei als nervöse Übermutter, die aufgrund ihrer angenehm anzusehenden Mimik und Gestik nie anstrengend, sondern eher charmant rüberkommt. Lively überzeugt mit ihrer Darbietung als männerverzehrender Workaholic, der dem eigenen Reichtum nichts mehr abgewinnen kann und von allem und jedem genervt zu sein scheint.

Schauspielerisch bewegt sich der Spielfilm also durchweg auf hohem Niveau, und auch storytechnisch hält Feig einige Überraschungen bereit. Zahlreiche Andeutungen und Wendungen animieren den Zuschauer zur aktiven Teilnahme am Katz- und Mausspiel, das lange undurchdringbar scheint und sich erst am Ende in Gänze aufklärt. Zwischenzeitlich gerät sogar die sonst so unbescholtene Stephanie in Verdacht und das Urteilsvermögen des Betrachters wird gehörig auf die Probe gestellt. Unglücklicherweise werden die Twists ab einem bestimmten Zeitpunkt aber zu inflationär dazu benutzt, die Spannung aufrecht zu erhalten, sodass vieles zu austauschbar wirkt und das vorher angestrebte Level nicht bis zum Ende gewahrt werden kann. Hier wäre der Film mit einem wohldosierten Einsatz von Richtungswechseln besser gefahren.

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Technisch fährt der Film die typische Hollywood-Hochglanzoptik auf. Gestochen scharfe Bilder, freizügige Outfits und treibende Rhythmen säumen den Weg und ordnen sich adäquat in das Gesamtkonstrukt ein. Die wenigen Effekte sind handwerklich gut umgesetzt, Musik und Klangkulisse werden unterstützend eingesetzt und sind nie zu dominant.

Fazit:

„Nur ein kleiner Gefallen“ ist ein lange Zeit reizvoller und erfrischender Thriller mit starken femininen Charakteren, der sich tendenziell eher für Genreeinsteiger, als für das erfahrene Publikum eignet. Wem der Sinn nach einem unbedarften Kinobesuch ohne großen Mehrwert steht, kann sich die US-Produktion bedenkenlos zu Gemüte führen. Anspruchsvolle Cineasten, die nach einer Sichtung einen Diskurs über das Erlebte anstreben, tun sich mit dem Werk keinen Gefallen.

Bewertung:

7 von 10

von Cliff Brockerhoff

Bildrechte: Constantinfilm

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