Zwei Jahre ist es her, seit Autorin J. K. Rowling das von ihr geschaffene Harry Potter – Universum um eine neue Geschichte erweiterte. Mit dem ersten Teil der auf mehrere Filme ausgelegten Erzählung überzeugte Rowling sowohl Fans als auch Kritiker und bewies damit, dass es in dieses magischen Welt noch einiges an erzählenswertem Stoff zu entdecken gibt. Teil zwei, mit dem verheißungsvollen Titel „Grindelwalds Verbrechen“, führt die Handlung nun nahtlos fort und wirft den Zuschauer ab der ersten Minute mitten ins Geschehen. Ob sich aus dieser Prämisse ein guter Film entspinnen kann, erfahrt ihr in unserer Kritik.

Nachdem Grindelwald am Ende des ersten Teils dank der Hilfe von Newt Scamander und seinen Tierwesen gefangen genommen werden konnte, steht 6 Monate später seine Verlegung nach Europa bevor, wo er sich vor einem Gericht für seine dort begangenen Verbrechen verantworten soll. Doch ihm gelingt die Flucht und er beginnt erneut Anhänger um sich zu versammeln und seine düsteren Botschaften zu verbreiten.
Phantastische Tierwesen 2 fällt dabei einem Problem zum Opfer, das viele mittlere Vertreter eines Mehrteilers aufweisen: er dient lediglich als Vehikel, um eine Geschichte voranzutreiben, die erst in späteren Teilen aufgelöst wird. Potenziert wird dieser Faktor im vorliegenden Fall allerdings durch die storytechnische Eigenheit dieser Reihe, denn während der erste Teil noch dank klar definiertem Setting ein eigenes Abenteuer mit abgeschlossenem Handlungsbogen erzählt, in welchem der rote Faden, die größere Geschichte betreffend, eingebettet ist, verkommt Teil zwei zu einem bloßen Lückenfüller.

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Die eigentliche Handlung wirkt dabei ausgedünnt und dient lediglich dazu, dem Zuschauer Informationen zu vermitteln, die in kommenden Nachfolgern von Bedeutung sein werden. So entsteht der Eindruck als wäre hier kein weiteres Buch, sondern lediglich ein einzelnes Kapitel des Buches verfilmt und auf über zwei Stunden Laufzeit gestreckt worden.

Während die handlungstechnischen Schwächen kaum von der Hand zu weisen sind, rettet ein anderer Umstand den Film dennoch vor der Mittelmäßigkeit: Rowlings Leidenschaft für das Franchise und der damit einhergehende Fanservice. Obwohl dieses Wort in letzter Zeit eher negativ behaftet scheint, ist es in diesem Zusammenhang äußerst positiv hervorzuheben. Denn Fans, vor allem der Harry Potter – Reihe, können hier erneut in ihre geliebte Welt voll von Zauberern und phantastischen Geschöpfen abtauchen, können bereits vertraute Gegenstände und Orte bestaunen, Anspielungen auf noch Kommendes entdecken und Geschichten mitverfolgen, die in den früheren Teilen bloße Mythen waren. Die engere Verknüpfung dieser beiden Reihen und die dadurch bedingte weitere Ausschmückung der kreierte Welt mag für Unkundige und Neueinsteiger wie ein Schlag vor den Kopf wirken, ist aber eine begrüßenswerte Entwicklung, da speziell das Fantasygenre von seinen detailreich ausgebauten Welten lebt.

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Außerdem sei an dieser Stelle noch der im Vorfeld kontroversiell aufgenommene Cast lobend erwähnt. Auch wenn Ezra Millers Figur erneut eine nuancierte Charakterzeichnung vermissen lässt, und viele der im Trailer gezeigten neuen Charaktere zu bloßen Nebenfiguren degradiert werden, weiß ein großer Teil der Schauspieler in ihren Rollen dennoch zu überzeugen. Besonders hervorzuheben ist die Leistung von Jude Law als junger Dumbledore, hier sitzen Mimik, Gestik und grundlegende Wesenszüge so perfekt, dass der Zuschauer keine Probleme damit hat sich vorzustellen, dass aus ihm eines Tages der weise Schulleiter wird, den die Fans so lieben. Ein weiterer Schauspieler, der sich endlich einmal wieder in einer Rolle abseits des trunkenen Piraten beweisen darf, ist Johnny Depp – die wohl am hitzigsten diskutierte Casting-Entscheidung zahlt sich schließlich für die Macher aus, denn Depp mimt den wortgewandten Verführer sehr überzeugend. Und auch Eddie Redmayne scheint sich in der Rolle des Newt Scamander nun vollends zu Hause zu fühlen.

Fazit:

Alles in allem ist „Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen“ ein Film, der auf der Handlungsebene einiges vermissen lässt, der es aber dank seiner engeren Vernetzung mit dem bereits bestehenden Universum, beeindruckender Effekte und engagierter Schauspieler dennoch schafft zu unterhalten.

Bewertung:

7 von 10 Punkten / die Ratings aller Autoren: HIER

von Mara Hollenstein-Tirk

 

Bilder: Warner Pictures

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