Es ist soweit: Die Film plus Kritik-Redaktion präsentiert feierlich ihre Filme des Jahres 2018!

Wir haben uns diesmal darauf verständigt, die jeweiligen Toplisten der (regulären) Autoren in den Mittelpunkt zu stellen, um eine größtmögliche Diversität an Sichtweisen auf das vergangene Filmjahr sicherzustellen. Die jeweiligen TOP15 (bei Daniel Krunz nur TOP10, da er erst seit kurzem dabei ist, und nicht die Möglichkeit hatte, 2018 eine große Anzahl von Neustarts im Kino zu sehen) werden ergänzt durch kurze Anmerkungen und Erläuterungen der jeweiligen Autoren, warum der betreffende Film einer der besten des Jahres ist, und auf der Liste nicht fehlen darf. Wir beziehen uns bei allen Filmen auf die österreichischen (bzw. deutschen) Kinostarts (bzw. in einigen Fällen VOD-Veröffentlichungen) und nicht auf die amerikanischen, weshalb einige neue, bereits Award-prämierte Werke auf unseren Listen fehlen.

Am Ende haben wir alle Listen „addiert“ (Platz 1 = 15 Punkte, Platz 2 = 14 Punkte usw), und daraus ergeben sich die TOP10-Filme der gesamten Redaktion, unsere 10 Filme des Jahres 2018, die wir als die besten und prägendsten erachten. Viel Spaß beim Lesen!


Daniel Krunz (Kritiker & Autor) – TOP10

1. Black Panther
Nicht noch ein Superheldenfilm! – Genau, denn Ryan Cooglers Interpretation der Comicfigur erwies sich als kulturelles Großereignis und identitätsstiftendes Moment für eine diverse Gemeinschaft. Das bisher erwachsenste Machwerk der Marvel-Schmiede verknüpft Popkultur mit Politik und spricht ein Publikum weit über die Grenzen der Comic-Fangemeinde an.

2. BlacKkKlansman
2018 war ein gutes Jahr für das Black Cinema. Die Kultfigur der Bewegung, Spike Lee, besinnt sich auf die Ursprünge seiner Schaffensphase und erzählt die wahre Geschichte einer unterdrückten Minderheit, die zum Generalschlag gegen die Oppressoren ausholt. Noch ein Film, dessen historisches Fundament aktueller den je ist.

3. Styx
Es gibt wohl kaum ein geopolitisches Phänomen, das ähnlich polarisiert wie die aktuelle „Flüchtlingskrise“. Die preisgekrönte deutsch-österreichische Koproduktion beleuchtet die Problematik aus dem Blickfeld des Zielpublikums und zieht Verantwortungsträger zur Verantwortung. Hochrealistisch und frei von Pathos formuliert Wolfgang Fischer nichts geringeres als ein Plädoyer für Menschlichkeit.

4. The Disaster Artist
Er gilt als einer der schlechtesten Filme aller Zeiten: „The Room“ aus dem Jahr 2003. Um den zweifelhaften Kultklassiker ranken sich ebenso viel Legenden wie um dessen Autor, Regisseur und Hauptdarsteller, Tommy Wiseau. James Franco nahm sich des Mythos an und schuf eine herzerwärmende Underdog-Story mit der zeitlosen Botschaft, dass es sich lohnt, für seine Träume zu kämpfen, ganz gleich was andere meinen.

5. Widows
Frauen, die ihr Schicksal in die eigene Hand nehmen, sind keineswegs eine neue Erscheinung, dennoch ein noch immer unterrepräsentiertes Faktum auf der Leinwand. Steve MacQueen stellt sich der Aufgabe und bildet mit seinen Heldinnen den Kampf gegen eine Elite ab, die ihr vermeintlich schwächeres Gegenstück klein halten will.

6. #Female Pleasure
#metoo betrifft nicht nur Prominente und spricht ein globales, uraltes Problem an. Anhand von fünf Einzelschicksalen, die keine sind, illustriert die Dokumentation, wie patriarchale Systeme durch strukturelle Misogynie und Verteufelung weiblicher Sexualität die Leben von Frauen bestimmen. Ein Film, der gewaltsam Augen öffnet, ihnen aber auch einen Hoffnungsschimmer offenbart.

7. Three Billboards Outside Ebbing, Missouri
Es sind vor allem die darstellerischen Leistungen, die diese Gratwanderung zwischen Satire und Drama zu einem packenden Filmerlebnis machen. Frances McDormand beherrscht als rachsüchtige Mutter den Themenkreis von Vergeltung und Vergebung. Zu Recht einer der Abräumer bei den Oscars 2018.

8. Avengers: Infinity War
Spätestens der zwanzigste Film aus dem Marvel Cinematic Universe demonstriert eingängig, wie kunstvoll verwoben die Erzählweise seines Geschichtenkomplexes funktioniert. Die Ereignisse der vergangenen Abenteuer kulminieren in einem Szenario mit der Schwere einer antiken Tragödie, das auch neue Zuschauer zu berühren weiß.

9. Angelo
Kriegsgefangener, Hofnarr, Ausstellungsobjekt; Stationen aus dem Leben und Tod eines Menschen, dessen Selbstbestimmung stets verneint wurde. Angelo Soliman war eine Projektionsfläche für koloniale Fantasien, der Markus Schleinzer nun endlich ein würdiges Denkmal setzte. Ein opulentes Filmpoem über einen Paradiesvogel im goldenen Käfig und die Enge der weiten Welt.

10. Das Geheimnis von Neapel
Ein echter Geheimtipp, der die Magie der alten Stadt eindrucksvoll in Szene setzt. Klassisches Suspensekino mit tiefenpsychologischen Ansätzen, das vor allem durch seine visuelle Aussagekraft besticht. Einer von mehreren gelungenen Schritten, um das Filmland Italien wieder auf den internationalen Radar zu zaubern.

avengers-infinity-war-wakanda.jpg
„Black Panther“

Elli Leeb (Kritikerin) – TOP15

1. Climax
Gasper Noé setzt schwindelerregende Kameraführungen, basslastige Soundkulissen, intensive Farbgebungen und SchauspielerInnen ein, die nicht nur fantastisch glaubwürdig spielen, sondern auch noch ausgezeichnet tanzen können. Auf so vielen Ebenen so überzeugend, dass man fast glaubt, selbst Teil des durch Drogenkonsum hervorgerufenen Realitätsverlustes zu sein. Womöglich Noés bester bisheriger Spielfilm.

2. The Killing of a Sacred Deer
Mit „The Killing of a Sacred Deer“ beweist Regisseur Yorgos Lanthimos ein weiteres Mal, dass er sein Handwerk versteht und besonders skurrile Figuren und interessante Narrative schafft. Eine erschreckende Rachegeschichte in einer befremdlichen Atmosphäre und mit großartigem Zusammenspiel des Schauspielstils, der Kameraführung und des Soundtracks.

3. BlacKkKlansman
Regisseur Spike Lee bringt mit „BlacKkKlansman“ einen Film über die Black-Power-Bewegung, den Ku-Klux-Klan und die Anspannnung zwischen diesen beiden Gruppierungen in den 1970er Jahren auf die Bildschirme. Die auf wahren Begebenheiten beruhende Thematik wird zwar auf höchst komödiantische Weise verhandelt, trotzdem verliert sie nie ihre Ernsthaftigkeit. Ein erschütternder Film von höchster Aktualität und von großer Wichtigkeit für unsere Zeit.

4. First Reformed
Ein wunderbarer langsam erzählter und doch gleichzeitig schockierender Film über einen Pastor, der sich zwischen Hoffnung und Verzweiflung befindet. Regisseur Paul Schrader bringt die Rolle von Schauspieler Ethan Hawke in eine düster faszinierende Glaubenskrise, dessen filmisches Ende zum Nachdenken anregt.

5. Keep an Eye Out
Quentin Dupieux schafft auch mit diesem Film eine gewohnt absurd lustige Geschichte, mitsamt sonderbarer Kulisse und Figuren. Ein in Sepia-Brauntönen gehaltenes Kammerspiel, dessen Geschehnisse so surreal sind und somit außerhalb unserer Welt zu spielen scheinen.

6. El Ángel
In einem Vintage-Look gehaltene Bildwelten gepaart mit mitreißender Musik der 1970er Jahre bilden den Rahmen für die Figur, die auf dem damaligen Serienkiller Carlos Robledo Puch vom Buenos Aires der frühen 1970er Jahre beruht. Luis Ortega spart dabei die Analyse der Psyche des bekanntesten Serienmöders Argentiniens aus und erzählt auf frische Weise das fast schon gewöhnlich wirkende Leben des 17-Jährigen.

7. Lady Bird
Schauspielerin Greta Gerwigs erstes Regiewerk erzählt eine universelle Geschichte vom Erwachsenwerden mit all seinen Problemen und Konflikten. Saoirse Ronan mimt eine willensstarke, kalifornische Teenagerin, die von Größerem träumt. Einer der schönsten Filme des ansonsten überstrapazierten Coming-Of-Age-Genres.

screen-shot-2017-10-17-at-12-12-10-pm.png
Saoirse Ronan als „Lady Bird“

8. Leto
Ein Film über einen Sommer voller Musik, Liebe und das Rebellieren in einem Staat, der von Unterdrückung geprägt ist. Regisseur ‎Kirill Serebrennikow sagt nie explizit, was er sagen will, und trotzdem ist der Film so eindeutig in seiner Bildsprache. Eine wunderbar melancholische Stimmung, die nicht nur die politische Lage Leningrads der 1980er Jahre und deren Auswirkungen auf die Musik zeigt, sondern wohl auch auf die des heutigen Russlands übertragen werden kann.

9. Der Trafikant
Nikolaus Leytners Adaption des gleichnamigen Romans „Der Trafikant“ von Robert Seethaler vereint gekonnt die Probleme eines kleinen Individuums, das sich aufgrund des Umbruchs in der Welt 1938 zur Zeit der Machtübernahme von Hitlers Truppen in Wien auch mit größeren Problemen auseinandersetzen muss. Auch gerade in der heutigen Zeit sicher ein interessantes Thema. Eindrucksvolle Bildwelten und Begegnungen mit dem Psychoanalytiker Sigmund Freud inklusive.

10. The House that Jack built
Skandalregisseur Lars von Triers neuer Film ist gewohnt radikal und verstörend, und ein Werk, das sein Publikum herausfordert. Von Trier bringt in seinen Filmen oftmals seine eigenen Neurosen zum Ausdruck beziehungsweise verarbeitet diese in seinen Bildern, wodurch die Figur des Jack nochmals interessanter wird. In fünf Kapiteln plus Epilog wird nicht nur die Geschichte des Frauenmörders erzählt, sondern auch immer wieder enzyklopädisch erscheinende Abschweifungen eingeworfen.

11. Bohemian Rhapsody
Das Biopic der britischen Kultband „Queen“ ist eine gelungene Hommage an die vier Bandmitglieder, die vor allem das Leben des Frontsängers Freddie Mercury in den Fokus stellt. Rami Malek schafft es, Mercurys markanten Bewegungsstil sowie dessen typische Posen überzeugend nachzuahmen und sieht ihm dabei zum Verwechseln ähnlich.

12. I, Tonya
Der auf dem Leben der berühmten US-amerikanischen Eiskunstläuferin Tonya Harding basierende Spielfilm überzeugt vor allem durch die schauspielerische Besetzung. Margot Robbie verkörpert Tonya sensationell temperamentvoll und auch Allison Janney, die Tonya Hardings strenge und hartherzige Mutter gibt und für diese Rolle auch den Oscar erhielt, spielt mehr als überzeugend.

13. Call Me by Your Name
Ein stimmungsvolles Liebesdrama, im sommerlichen Italien der 1980er Jahre verortet, zwischen dem 17-jährigen Elio und dem um einiges älteren gleichgeschlechtlichen Oliver. Die vielfach ausgezeichnete Verfilmung André Acimans Romans ist in ihrer Erotik selten explizit, jedoch wird die verbotene Liebe zwischen den beiden mit all seinen Höhen und Tiefen thematisiert. Ein sehr atmosphärischer Film mit einem wundervollen Soundtrack.

14. Bad Times at the El Royale
Im Hotel „El Royale“ kommen die unterschiedlichsten Charaktere unter, die allesamt ein Geheimnis zu verbergen haben. Regisseur Drew Goddard schafft durch das Setting, die vielen Plottwists und durch die mit namhaften Schauspielern wie Jeff Bridges, Chris Hemsworth sowie Dakota Johnson besetzten Figuren spannendes und durchaus sehr amüsantes Hollywood-Kino.

15. The Guilty
Ein dänischer Konzept-Thriller und zugleich Spielfilmdebüt des Regisseurs und Drehbuchautors Gustav Möller. Möller beschränkt sich auf der Bildebene auf nur einen einzelnen Handlungsraum, die restlichen Bildwelten außerhalb der Polizeistation sind der Phantasie des Betrachters überlassen. Gerade das macht den Film aber so sehenswert.

lead_720_405.jpg
„The Killing of a Sacred Deer“

weiter geht’s HIER!