„Plötzlich Familie“ von Sean Anders, seit 17.1. im Kino zu sehen, wirkt auf den ersten Blick wie das Gegenteil eines kalkulierter Hits: Eine Familien-Komödie über Kinder ohne Eltern, die ein neues Zuhause finden? Klingt nicht gerade nach dem Stoff, aus dem heutige Blockbuster-Träume sind. Wer aber die beiden Vorgänger-Filme des Regisseurs, die unterbewerteten „Daddy’s Home“ 1 & 2 kennt, weiß um das Talent des Filmemachers – der auch hier nicht enttäuscht: „Plötzlich Familie“ ist eine enorm kurzweilige, warmherzige Komödie geworden, die gute Laune macht.

Pete (Mark Wahlberg) und Ellie (Rose Byrne) sind ein erfolgreiches Unternehmer-Ehepaar, das heruntergekommene Häuser renoviert und um gutes Geld weiterverkauft. Kinder oder Familienplanung waren bisher kein Thema, zu viel war man mit Job und Karriere beschäftigt. Als Ellie eines Abends online auf eine Adoptionsagentur stößt, ist es um sie geschehen: Sie kann ihre Gedanken nicht mehr von den traurigen Gesichtern abwenden, mit denen die Agentur Adoptiveltern anwirbt. Widerwillig lässt sich Pete überreden, an einem Adoptions-Vorbereitungskurs mitzumachen – bis auch er überzeugt ist: Das ist machbar, und sei es nur, um es allen zu zeigen, dass man auch mit dieser Herausforderung ohne Probleme klar kommt. Doch anstatt eines Kindes adoptieren die beiden gleich 3 Geschwister unterschiedlichen Alters, und das Unterfangen „Plötzlich Familie“ sollte sich als schwieriger als erhofft herausstellen…

Regisseur Sanders scheint sich auf filmische Darstellungen (konfliktreicher) Familienkonstellationen spezialisiert zu haben. Gegenüber seinen beiden „Daddy’s Home“-Filmen, beide ebenfalls gut gemacht und höchst unterhaltsam, bekommt „Plötzlich Familie“ eine unerwartet ernsthafte Note dazu, ohne die Comedy-Elemente außer Acht zu lassen. Das führt zu einer sympathischen Mischung aus Drama und Komödie, die mit einer Optimismus vermittelnden inszenatorischen Leichtigkeit erzählt wird, die man im US-Kino der letzten Jahre selten fand.

Ein weiteres Asset von „Plötzlich Familie“ ist die tolle Besetzung, die die teils komische, teils tragische Geschichte glaubwürdig und höchst authentisch darstellt. Besonders hervorgehoben muss an dieser Stelle Isabella Moner werden, die das älteste der drei Adoptionskinder verkörpert.

Die Darstellung der im Film zuhauf vorkommenden Emotionen aller Art wirkt niemals banal oder kitschig, sondern immer fundiert recherchiert und mit Wissen über das chaotische und komplexe Innenleben jahrelang vernachlässigter Kinder ausgestattet. Das mag auch damit zu tun haben, dass Regisseur Anders hier auch seine eigene Geschichte erzählt: Auch er hat mit seiner Frau 3 Kinder adoptiert. Der Mann weiß also, wovon er spricht.

Fazit:

„Plötzlich Familie“ ist ein extrem sympathischer Film. Kurzweilig, aber nie banal oder oberflächlich erzählt er davon, wie Menschen an Herausforderungen wachsen, wie verletzte und verletzliche Kinder Vertrauen aufbauen und zum ersten Mal im Leben Liebe erfahren, wie „Heilung“ – trotz aller Schwierigkeiten – möglich ist, und was es bedeutet, „Familie“ zu sein. Toll besetzt und gekonnt erzählt, ein echter Geheimtipp. Jetzt im Kino.

Bewertung:

7 von 10 Punkten

von Christian Klosz

Bilder: Constantinfilm

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