Wenn ein Studio nach sieben Jahren plötzlich eine Fortsetzung zu einem Überraschungshit in die Kinos bringt, ist zunächst meist ganz zu Recht Skepsis angebracht. Allzu oft entpuppen sich die heiß ersehnten Sequels nämlich nach solch langen Ruhephasen als einfacher Weg, um ohne großen Aufwand an ein wenig Geld zu kommen. Ob „Chaos im Netz“, die Fortsetzung zu „Ralph reichts“ aus dem Jahr 2012, ein weiteres sogenanntes „cashgrab“ darstellt, erfahrt ihr in unserer Kritik.

Sechs Jahre sind vergangen, seit Ralph für ordentlich Furore in der kleinen Arcade-Halle gesorgt hat: Nach seinem großen Abenteuer fand er nicht nur zu sich selbst, sondern auch eine Freundin fürs Leben. So verbringt Ralph seine Tage damit, Häuser zu zerstören, seine Nächte damit, mit Vanellope abzuhängen und könnte dabei kaum glücklicher sein. Vanellope hingegen verspürt immer öfter die Lust auf ein wenig Veränderung, auf neue Erfahrungen. Als eines Tages dann durch neu in der Spielhalle installiertes WIFI der Zugang zum Internet geöffnet wird, begeben sich die beiden Freunde nicht ganz freiwillig in die Tiefen des Webs und eines steht dabei fest: es wird kein Stein auf dem anderen bleiben.

Ebenso wie bereits sein Vorgänger schafft es auch „Chaos im Netz“ mit einem pfiffigen, intelligent geschriebenen Skript, kreativen Einfällen, witzigen Momenten und vor allem viel Liebe zum Detail den Zuschauer zu begeistern. Dass dabei zu Beginn viele Einfälle aus dem ersten Teil erneut aufgegriffen werden, stört weniger, als es vielmehr eine stimmige Brücke schlägt, die das Gespür der einfallsreichen Köpfe hinter diesem Projekt für filmübergreifenden Konnex beweist.

Der erwähnte Ideenreichtum treibt denn auch, ab dem Eintauchen in das im Titel bereits erwähnte Netz, besonders schöne Blüten, werden hier dem Zuschauer doch unzählige Referenzen, „Easter Eggs“ und kleine Albernheiten auf dem Silbertablett serviert. Vom genialen Suchmaschinen-Männchen, das es mit seiner Autofill-Funktion etwas zu gut meint, über plötzlich auftauchende Pop Ups, bis hin zum Sammeln von Geld mit Hilfe von viralen Videos, so ziemlich alles findet seinen Platz in der Geschichte, verkommt dabei aber kaum je zu einem reinen Gimmick. Vielmehr hat man das Gefühl, dass es den Autoren wichtig war, auch die absurden bis beängstigenden Seiten des World Wide Web zumindest anzudeuten und so der Verortung der Handlung abseits von marketingtechnischen Erwägungen eine Bedeutung zu verleihen. Genauso verhält es sich mit den vielen Auftritten von Figuren aus dem Hause Disney, wie einst beim „LEGO Movie“ wirken diese Referenzen selten wie eine bloße Verkaufsmasche, sondern werden homogen in die Geschichte eingefügt.

Neben all diesen kleinen Puzzleteilen weiß auch die Message zu gefallen, die der Film in seiner Gesamtheit vermitteln möchte: die Lehren, die einem die Autoren bezüglich des wichtigen Themas Freundschaft vermitteln wollen, sind universell und sprechen Jung wie Alt gleichermaßen an. So mag es auch nicht verwundern, dass den Verantwortlichen erneut ein Werk gelungen ist, dass man ohne weiteres als idealen Familienfilm bezeichnen kann, der vielleicht nicht ganz die emotionale Tiefe eines „Alles steht Kopf“ erreicht, aber dennoch einen unterhaltsamen Kinobesuch garantiert.

Fazit:

Alles in allem weiß „Chaos im Netz“, dank einer ebenso amüsanten wie geistreichen Geschichte, gelungener Animationen und einem wahren Füllhorn an Anspielungen, zu überzeugen und bietet ein spaßiges Filmerlebnis für Groß und Klein.

Bewertung:

8 von 10 Punkten

von Mara Hollenstein-Tirk

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