Welche gesellschaftliche Bedeutung und Verantwortung kommt einem Filmkritiker zu, welche Rolle kann oder soll Filmjournalismus spielen? Ist das „Schreiben über Filme“ eine zwar freudvolle, aber am Ende irrelevante Beschäftigung für Schöngeister, die es selbst mangels Talent nicht zu Filmemachern gebracht haben? Alles Fragen, die Rob Garvers Doku „What she said: The art of Pauline Kael“ behandelt, und die sich anhand der Biographie einer der interessantesten Persönlichkeiten der Kritiker-Zunft, nämliche Pauline Kael, exzellent abarbeiten lassen. Der Film war in der Reihe „Panorama Dokumente“ auf der Berlinale 2019 zu sehen.

Die Begeisterung für Filmkunst packte Pauline Kael schon früh. Dass sie die Möglichkeit bekam, darüber zu schreiben, hatte sie einem Zufall zu verdanken: In einem Lokal ließ sie sich wortreich über einen eben gesehenen Film aus, während am Nebentisch der Herausgeber einer Zeitschrift saß, der sie prompt engagierte. Es war der Beginn einer ungewöhnlichen Karriere, das erste Ertönen einer der wichtigsten, interessantesten und auch kontroversiellsten Stimmen den US-amerikanischen Filmpublizistik.

links: Pauline Kael

Kael verstand sich stets als Kämpferin für das Kino, das gute Kino, die Filmkunst, die ihre Aufgabe auch darin sah, ihre publizistische Macht dafür zu nutzen, Lichter auf bisher unbekannte oder vernachlässigte Werke zu werfen. So war sie eine der ersten, die Martin Scorseses frühes Meisterwerk „Mean Streets“ entdeckte und feierte, die ihr Faible für Brian de Palma offen zur Schau stellte. Sie entwickelte eine nie vorhersehbare eigenständige Stimme, empfahl ihren Lesern Filme, die andere verrissen, und legte sich im Gegenzug mit Filmikonen an, die bisher als „unantastbar“ galten.

Rob Garvers Doku, filmisch solide und stilistisch wenig Neues oder Aufregendes bietend, ist vor Allem inhaltlich interessant: Für jene, die bisher mit der Person Pauline Kael wenig anfangen konnten, gibt er einen guten und kompakten Überblick über ihr Leben und ihre Karriere, einen Einblick in die Anfangszeit des modernen Filmjournalismus – und ist deshalb für all jene relevant, die über Film schreiben. „The Art of Pauline Kael“ lässt auch Weggefährten, Bekannte, Familienmitglieder und Verehrer der Kritikerin (u.a. Quentin Tarantino, Paul Schrader u.a.) zu Wort kommen und erzählen, wie sie deren Leben und Arbeit geprägt hatte. Ein ordentlicher und durchaus interessanter Film, der für alle angehenden und aktiven Filmkritiker „Pflichtlektüre“ sein sollte.

Rating:

69/100

von Christian Klosz

Bilder: © 29Pictures

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