Dresden im Jahre 1945: Nach der Bombardierung der Alliierten gleicht die Stadt einem einzigen Trümmerhaufen, in dem der talentierte Maler Kurt Barnert seinen Lebensunterhalt mit einer Arbeit im artverwandten Handwerk bestreitet. Seine prägende Vergangenheit und der Wille sich in der Kunst zu behaupten treiben den jungen Mann zur Kunstakademie, wo er die nicht minder talentierte Elisabeth kennen lernt. Schnell knüpfen die zwei Freischaffenden zarte Bande, denen der Vater der bildschönen Modeschöpferin allerdings kritisch gegenübersteht.

So lautet die Prämisse des deutschen Oscarbeitrags „Werk ohne Autor“ (international als „Never look away“ vermarktet) aus der Feder von Preisträger Florian Henckel von Donnersmarck, der den Zuschauer auf eine dreistündige Reise durch Romantik, Tragik und deutsche Geschichte entführt. Angelehnt an das Leben des Künstlers Gerhard Richter, widmet sich der Regisseur insbesondere der Frage nach dem Sinn der Kunst und ruft damit sehr konträre Bewertungen hervor, die in Amerika stürmischem Beifall gleichen, in Deutschland dagegen überwiegend peinlich berührtes Schweigen entfachen. Zu aufgeblasen sei das Werk, geschichtlich nicht akkurat und laut Aussage von Richter selbst gar „extrem verzerrt“. Letzteres Urteil stützt sich auf der Sichtung des Trailers und entbehrt nicht einer gewissen Oberflächlichkeit. Ein Problem, dass sich Standpunkt und Film teilen.

Von Donnersmarck schreckt einerseits nicht davor zurück die Zerstörung der sächsischen Stadt aufreizend zu inszenieren oder Euthanasieopfer bis in die Gaskammer zu begleiten, lässt aber immer wieder das Gefühl aufkommen, dass seine Geschichte an manchen Punkten nicht konsequent zu Ende gedacht wurde. Was erschreckend beginnt, ergießt sich mit Fortlauf in eine Handlung, die gut und gerne auch in zwei Stunden hätte erzählt werden können. Das Portrait des aufstrebenden Künstlers und seines inneren Zwiespalts werden immer wieder mit der Frage verknüpft, was Kunst bedeutet, erreichen kann und sein darf; bleibt eine Antwort aber schuldig. Dass dabei der moralische Kompass immer wieder in diverse Himmelsrichtungen ausschlägt und vieles unter der Oberfläche zu brodeln scheint wird deutlich, wird aber zu selten präzise benannt, sodass die tugendhafte Stimme in den famosen Klangwelten Max Richters untergeht.

Die Übersetzung des internationalen Titels ist dabei wörtlich zu verstehen: „Werk ohne Autor“ bietet neben Bombenteppichen vor allem viel nackte Haut, die der Story zwar nicht zuträglich ist, immerhin aber nicht überstrapaziert wird und sich somit eine gewisse Natürlichkeit behält. Optisch ist das Ganze generell hochwertig, auch wenn immer wieder die typisch deutsche Inszenierung durchscheint, die sich irgendwo zwischen „Hollywood“ und „Schwarzwaldklinik“ einpendelt. Ist dieser charakteristische Anstrich zwingend schlecht? Mitnichten. Aber verglichen mit seiner Konkurrenz bei den Academy Awards ist der Qualitätsunterschied deutlich sichtbar. Daran kann auch die sehr gute Leistung des Casts nur bedingt etwas ändern, auch wenn Tom Schilling in seiner Rolle brilliert und dabei ausschaut, als hätte sich der junge James McAvoy in die deutsche Produktion verirrt.

Fazit:

Auch wenn Von Donnersmarck in einigen Passagen an der Spannung vorbei erzählt, gelingt es ihm doch über die immense Spielzeit hinweg zu unterhalten und das Abgleiten in die Belanglosigkeit zu vermeiden. Die Gratwanderung zwischen intellektueller Ergründung künstlerischer Läuterung und hochstilisierter Aufführung ist reizvoll, verliert sich aber zu oft in seinen eigenen Ambitionen. Ob dies letztlich dazu ausreicht, um eine weitere goldene Trophäe verliehen zu bekommen, steht in genau den Sternen, nach denen der schillernde Regisseur mit „Werk ohne Autor“ greift, welches beinahe zum Werk ohne Wertung avanciert, da diese nach der Sichtung des Gesamtkunstwerkes immer noch ebenso schwerfällt wie nach Sichtung des zweiminütigen Trailers.

Bewertung:

6 von 10 Punkten

von Cliff Brockerhoff

Bilder: © Walt Disney Germany, Pergamon Film, Wiedemann & Berg Film

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