Wir schreiben das Jahr 1851: eine Zeit, in der sich die Goldsucher Amerikas im ganzen Land auf die Jagd nach dem großen Reichtum begeben, um ihrem tristen Dasein neuen Glanz zu verleihen. Einer von ihnen ist Hermann Kermit Warm, ein verschlagener und durchaus bewanderter junger Mann, der mit Hilfe seiner Kenntnisse eine Formel entwickelt hat, die die Goldgewinnung vereinfachen soll. Sein Vorhaben bleibt nicht lange unbemerkt, und so begibt es sich, dass sich die berühmt-berüchtigten „Sisters Brothers“ an seine Fersen heften. Was weder Warm noch die Auftragskiller wissen: auch der Detektiv John Morris hat die Verfolgung aufgenommen.

Joaquin Phoenix in „Sisters Brothers“, ab 15.3. im Kino

Das Hauptaugenmerk des Films, der auf dem gleichnamigen Roman von Patrick deWitt basiert, liegt dabei auf Charlie (Joaqhin Phoenix) und Eli Sisters (John C. Reilly), einem Brüderpaar, das ungleicher kaum sein könnte. Während Charlie ein schießwütiger Frauenheld und Trunkenbold ist, der seine Arbeit gegen nichts auf der Welt eintauschen würde, ist Eli ein besonnener und eher zurückhaltender Zeitgenosse, der davon träumt sesshaft zu werden und seinem blutigen Handwerk zu entkommen. Durch zahllose Gespräche der beiden erfährt der Zuschauer allerlei Hintergründe, sodass die erste Hälfte des Werkes eher einer Charakterstudie als einem actiongeladenen Western gleicht. Die zeitliche Einordnung in das Genre fällt in diesem Fall besonders schwer. Setting und Kostüme erinnern stark an klassische Wildwest-Filme, die Redseligkeit der Herrschaften und die satirisch staubtrockene Erzählweise sind dafür aber atypisch und erinnern viel mehr an jüngere Genrewerke.

Generell fällt auf, dass das Tempo zu weiten Teilen gemäßigt ist und der Film sich tendenziell eher gemütlich trabend als wirklich wild galoppierend über die Leinwand bewegt. Die ruhigen Passagen laben sich an wunderschönen Bildern der Landschaft, dessen Idylle durch vereinzelte Schusswechsel nur selten einen blutroten Anstrich erfährt. Immer wiederkehrende Nahaufnahmen der Charaktere verhelfen dem Zuschauer dazu, das Minenspiel und die Entwicklung sämtlicher Protagonisten genau studieren zu können, auch wenn dies gar nicht zwingend notwendig ist, da alle Beteiligten schon früh erkennen lassen, welcher Teufel sie geritten hat; oder eben auch nicht.

Und genau hier liegt die Krux des Westerndramas: Durch eine blitzsaubere, wenn auch leicht unterkühlte Darbietung des namhaften Casts rund um Joaquin Phoenix und Jake Gyllenhaal wird der Story zwar Leben eingehaucht, große Spannung mag aber nicht aufkommen. Zu schleppend ist der Beginn, zu absehbar der Fortlauf. Seine stärksten Momente hat „The Sisters Brothers“ immer dann, wenn die Chemie zwischen den einzelnen Personen zum Tragen kommt; beispielsweise wenn sich Jake Gyllenhaal und Riz Ahmed schweißgeladene Wortgefechte liefern und dabei Erinnerungen an den grandiosen „Nightcrawler“ aufkommen lassen.

Joaquin Phoenix kann sowieso fast alles spielen, und auch John C. Reilly überzeugt als nachdenklicher Cowboy, der nicht nur mit seinem versoffenen Bruder, sondern vor allem mit seiner eigenen Vergangenheit zu kämpfen hat. All das kann emotional berühren, schafft es jedoch, abgesehen vom Ende, nur selten seine Betrachter wirklich aus dem Sattel zu werfen.

Fazit:

Es ist nicht alles Gold was glänzt. Jacques Audiards Verfilmung des mehrfach prämierten Romans wartet mit einem starbesetzten Cast auf, lässt aber zu oft die Zügel schleifen und plätschert in seinen 121 Minuten über weite Strecken vor sich hin. Die strikte Orientierung an der Vorlage mag Sinn ergeben, und doch ist sie im konkreten Fall wie das zu eng geschnürte Korsett einer wollüstigen Bardame, das nur darauf wartet, von einem wilden Cowboy wie Charlie Sisters gelöst zu werden. Anstelle von spannungsgeladenen Standoffs präsentiert „The Sisters Brothers“ ein dialoglastiges Familiendrama in whiskeygetränktem Gewand, das sich, gemessen an seinem Potenzial, doch die Feststellung gefallen lassen muss, sich selbst ins Bein geschossen zu haben. ab 15.3. in Ö im Kino

Bewertung:

6 von 10 Punkten

von Cliff Brockerhoff

Bilder: ©Wild Bunch

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