Das neue Werk des chinesischen Filmemachers Jia Zhangke lief letztes Jahr im Wettbewerb von Cannen, nun bringt der Stadtkino-Verleih den Film in die österreichischen Kinos. „Asche ist reines Weiß“ erzählt von Liebe und Verlust, gesellschaftlichen Umbrüchen im modernen China, den Triaden – also der organisierten Kriminalität – und dem „Reich der Mitte“ abseits der großen Metropolen. Durchaus sehenswert, wenngleich etwas höhepunktarm.

von Christian Klosz

2001, Beginn des chinesischen Wirtschaftsbooms: Zhao Qiao (Zhao Tao) lebt in dem chinesischen Dörfchen Datong in der Bergwerksprovinz Shanxi mit ihrem Partner Guo Bin (Liao Fan) zusammen, der ein Boss der lokalen Triaden ist. Als Mitglied dieser „ehrenwerten Gesellschaft“ ist man privilegiert, wenngleich sich rundherum erste Umbrüche andeuten: Qiaos Vater verliert seinen Job im Bergwerk, der technische Fortschritt macht auch vor Datong nicht Halt. Als Bin von einer lokalen Jugendgang angegriffen wird, greift die resolute Qiao mit einer Pistole ein; doch illegaler Waffenbesitz wird hart bestraft, und so landet sie für 5 Jahre im Gefängnis. Als sie entlassen wird und sich auf die Suche nach Bin macht, hat sich nicht nur in der Welt „da draußen“ viel verändert, sondern auch Bin, der den Triaden inzwischen abgeschworen hat. Qiao versucht, ihren Platz neben einem veränderten Bin und in einer sich stetig verändernden Gesellschaft wiederzufinden…

„Asche ist pures Weiß“ – ab 26. im Stadtkino Wien

Zhangke gibt in seiner Mischung aus Liebesdrama und Gesellschaftsporträt auch sanfter Gesellschaftskritik Raum: Was passiert mit den Landarbeitern im modernen, kapitalistischen China, jenen, die mit der kommunistischen Revolution aufgewachsen sind und immer noch an deren Ideale glauben? Wie gehen ländliche Regionen abseits des großen Metropolen Shanghai, Bejing oder Nanjing mit den gesellschaftlichen Umbrüchen um, dem Wirtschaftswachstum, dem Aufstieg Chinas zur Weltmacht? Und was bedeutet das alles für die „einfachen Menschen“? Das sind die Fragen, die „Asche ist reines Weiß“ vorsichtig anspricht und darstellt.

Daneben bietet der Film auch ein Beziehungsdrama zwischen den beiden Protagonisten, die sich zwar lieben, deren Liebe aber immer wieder an den Wirren des Lebens scheitert. Bei all dem ist Zhangkes großer Wille zum gnadenlosen filmischen Realismus erkennbar, der Dinge darstellt, wie sie sind, ohne Antworten zu bieten oder sie inszenatorisch zu überspitzen oder zu dramatisieren. Das ist an sich lobenswert, bietet aber gleichzeitig einen Kritikpunkt, da der Film insgesamt etwas arm an „Höhepunkten“ ist. Der Aufbau ist fließend, die drei Teile des Films werden nicht kenntlich voneinander getrennt, wodurch die Nachvollziehbarkeit für den Zuschauer nicht immer gegeben ist.

Am stärksten ist der Film in seinen kurzen, ruhigen Einstellungen, in denen Zhangke seinen Bildern und Darstellern Raum zum Atmen gibt, schöne Einstellungen einfängt, und diese mit betörenden Klängen unterlegt: Dann entstehen kleine, wahrlich bezaubernde cineastische Momente.

Fazit:

Der chinesische Regisseur Jia Zhangke liefert mit „Asche ist reines Weiß“ einen durchaus sehenswerten Film, der die Umbrüche in der chinesischen Gesellschaft der letzten 20 Jahre darstellt. Ins Zentrum stellt er ein Paar, dass sich in einer „neuen Welt“ zurechtfinden muss, einer sich ständig ändernden Umgebung, die alte Gewissheiten infrage stellt. Insofern spricht das Werk auch universale Themen der Gegenwart an, die uns alle betreffen, und gibt dem westlichen Zuschauer einen Einblick in die Probleme des Alltags im China abseits der großen hypermodernen Metropolen. Ab 26.4. im Kino.

Bewertung:

8 von 10 Punkten

Bilder: © Stadtkino Filmverleih