Basierend auf dem größten Raub in der Geschichte Englands, dem „Hatton Garden Raub“, der im Diamantenviertel Londons von einer Gruppe Rentner begangen wurde, ist das Sujet des Films durchaus ein interessantes. James Marsh („Die Entdeckung der Unendlichkeit“) verfilmt mit „Ein letzter Job“ die Geschichte jedoch geruhsam trocken, wodurch humoristische Elemente eher eine Ausnahme darstellen. Der Film startet am 26.4. in unseren Kinos.

von Elli Leeb

Rentner Brian (Michael Caine) hat soeben seine Frau verloren, möchte aber nicht weiter in dem nun stillen Haus Trübsal blasen, woraufhin er eine Gruppe älterer Herrschaften zusammentrommelt, um den bisher größten Diamantenraub Englands zu begehen.

Das sechsköpfige Team, das bis auf den technikaffinen Basil komplett aus Ex-Gaunern besteht, plant also seinen „letzten Job“. Der Film widmet sich sodann in der ersten Hälfte der Darstellung von Planung und Durchführung des Einbruchs; die restliche Zeit, die immer noch fast die ganze zweite Hälfte des Films in Anspruch nimmt, handelt von den Nachwirkungen des Einbruchs, unter anderem von Unstimmigkeiten, von Verrat und von den polizeilichen Untersuchungen.

Vorangegangene Zeilen mögen wie eine zähe schriftliche Abarbeitung am Narrativ erscheinen, was nicht zuletzt daran liegt, dass der Film genauso eine oberflächliche Abarbeitung der Geschichte darstellt. Nach einem anfänglich vielversprechenden Einstieg wird „Ein letzter Job“ schnell zu einem mehr als gewöhnlichen Heist-Movie, von dem im Film-Marketing angepriesenen Humor fehlt oftmals jede Spur. Dies mag einerseits daran liegen, dass Marsh – abgesehen von dem Raubüberfall – auch den Tod von Brians Frau thematisiert und somit traurige beziehungsweise einsame Passagen in die Planung des Raubs hineingeschnitten werden. Die verlieren sich jedoch sich schnell wieder, wodurch dieser inszenatorische Kniff eher willkürlich wirkt, und sich die Frage nach dem Sinn dahinter stellt. Zum anderen erscheinen die Witze auf Kosten der körperlichen Betagtheit der Figuren eher aufgesetzt.

Auch visuell gibt der Film wenig her: Marsh setzt auf viele entschleunigte Schuss-Gegenschuss-Einstellungen, die in der großen Anzahl der Dialogszenen begründet sind. Diese erscheinen in solch einer enormen Anzahl jedoch einfallslos. Selbst die außerordentlich gute Besetzung durch namhafte Schauspieler, neben dem zweifach oscarprämierten Michael Caine („Hannah and her Sisters“, „The Cider House Rules“) spielen Jim Broadbent („Moulin Rouge!“), Ray Winstone („Sexy Beast“) und Tom Courtenay („45 Years“) die Rollen der Rentner, kann die oben beschriebenen Mängel kaum wett machen. Positiv hervorzuheben wäre einzig Benjamin Wallfishs Score, der oftmals wie ein belustigender Kommentar wirkt und einige Szenen so bis zu einem gewissen Grad rettet.

Fazit:

James Marsh gelingt mit „Ein letzter Job“ ein weder spannendes, noch sonderlich lustiges Heist-Movie. Trotz großartiger Besetzung und einprägsamen Scores schafft es der Film aufgrund ernüchternden Humors und wenig einfallsreichen visuellen Darstellungen nicht, in Erinnerung zu bleiben. Schade, denn vom Macher von „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ hätte man durchaus mehr erwarten können als jenes filmische Narkotikum, das in seiner Machart ebenso betagt wirkt wie seine Protagonisten.

Bewertung:

5 von 10 Punkten

Bilder: © STUDIOCANAL GmbH / Jack English