Zwei Männer, über hundert Filme, Millionen Lacher. Das Comedy-Duo Laurel and Hardy strapazierte die Lach- und Herzmuskeln ganzer Generationen. Fast siebzig Jahre nach ihrem letzten gemeinsamen Film erobern die zwei Hollywoodlegenden nun die Leinwand zurück. Nachdem Unternehmungen in diese Richtung jahrzehntelang im Sand verliefen, setzt Regisseur John S. Baird dem Gespann mit dem heißersehnten Biopic „Stan & Ollie“ endlich ein filmisches Denkmal. Die Ehrerbietung kommt keinen Deut zu früh, doch es gilt der Grundsatz „besser spät, als nie“, denn die Fangemeinde des Duos ist lebendig wie eh und je und belegt, dass der Humor des Dream-Teams eine zeitlose, universelle Sprache spricht. Unbeirrbare Optimisten, die an der Komplexität der modernen Welt scheitern, sind scheinbar immer noch potentielle Sympathieträger.

von Daniel Krunz

In ebendiese Ausgangslage versetzt die Filmbiografie die Menschen hinter den Kunstfiguren. 1953: Die Zeit ist nicht spurlos an Laurel and Hardy vorbeigezogen; die größten Erfolge liegen lange zurück und um das Comeback zu schaffen, begeben sie sich auf eine Bühnentournee durch Stan Laurels Heimat Großbritannien.

Der kreative Kopf hinter dem Duo arbeitet indes unermüdlich an seinem Herzensprojekt, einer komödiantischen Adaption von „Robin Hood“, für das er mithilfe der Öffentlichkeitsarbeit einen lukrativen Deal an Lande ziehen will. „Well, here`s another nice mess you`ve gotten me into.“, wirft Ollie seinem Freund Stan in den Filmen gerne vor und in diesem Fall bewahrheitet sich der Ausspruch auch hinter den Kulissen. Es ist einiges, das Laurel seinem Partner hier zumutet, der neben den anfangs bescheidenen Besucherzahlen mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hat.

Anstatt die Hochzeit der Comedy-Asse erstrahlen zu lassen, bildet die Story das Ende ihrer Karrieren ab, das als bittersüßer Schwanengesang erklingt. Die goldene Hollywood-Ära ist noch als matter Abglanz sichtbar und während sich die Welt um sie rasant weiterentwickelt hat, scheinen die zwei Gentlemen in der Vergangenheit zu leben. Reflexionen vergangener Tage bestimmen das letzte Kapitel von Laurel and Hardy; in ihnen liegen die schönsten, doch auch die schmerzvollsten Erinnerungen verborgen. Zwischen den Männern blieb einiges unausgesprochen und nun, da sie einander näher sind als je zuvor, können sie sich nicht mehr aus dem Weg gehen.

Weitab des Glitzers der Traumfabrik entfaltet sich eine sehr persönliche, intime Erzählung um Freunde, die sich auseinandergelebt haben und neu kennenlernen. Letzteres gilt vielleicht auch für einen Teil des Publikums, belesene Laurel and Hardy-Fans sind aber womöglich auch mit den Personen abseits der Kamera vertraut und erleben eine Kondensierung ihrer grundlegendsten Charakterzüge. Der perfektionistische Workaholic Laurel und der gemütliche Lebemann Hardy werden virtuos verkörpert von den beiden oscarnominierten Darstellen Steve Coogan und John C. Reilly, die nicht nur mit ihrer optischen Verwandlung verblüffen, sondern auch ihr volles komödiantisches und dramatisches Können unter Beweis stellen. Coogan besinnt sich auf seine Ursprünge als Stimmimitator und liefert die wohl beste Stan Laurel – Imitation ab, die sich Fans wünschen können. Denkbar gewichtige Konkurrenz für Reilly, der den charmanten Südstaatler „Babe“ Hardy aber auch mit größtmöglicher Einfühlsamkeit mimt.

Wie einst bei Stan & Ollie blüht zwischen den Akteuren eine natürliche Harmonie, die ihr Zusammenspiel so ansprechend macht. Mit akribischer Hingabe lassen Coogan und Reilly die klassischen Sketche wiederauferstehen und schaffen es dabei tatsächlich einen Funken der Magie von Laurel and Hardy zu entzünden.

Die liebenswerten Marotten der Leinwandfiguren fließen auch in die Darstellung der Männer unter den Bowler – Hüten ein, was für einige herzerwärmende Momente und potentielle Tearjerker sorgt. Ist auch das Setting dieses Biopics vielleicht nicht die typische Wahl, wählt die Umsetzung hingegen einen durchaus konventionellen Weg und wartet für die meisten Zuseher womöglich nicht mit großen Überraschungen auf.

Unter Bairds Regie entsteht ein recht authentisches Charakterprofil zweier gegensätzlicher Menschen, die trotzdem viel miteinander verbindet. Tatsächlich wurde die ausgewählte Episode zum definierenden Moment für die persönliche Beziehung zwischen Laurel und Hardy, die am Ende ihrer gemeinsamen Schaffensphase von Partnern zu Freunden wuchsen. Die warmherzige Geschichte ist dabei mit allen obligaten Höhen und Tiefen versehen und in ruhige, schöne Bilder mit nostalgischem Retro-Charme verpackt.

Fazit:

Fans des Duos bekommen endlich den lange ausständigen Tribut und erleben ihre Helden so hautnah wie noch nie. Die Charaktere werden mit ihren menschlichen Schwächen gezeichnet, doch ist ein überaus behutsamer Umgang mit den historischen Figuren spürbar, der jegliches Zu-Nahe-Treten tunlichst vermeiden will. „Stan & Ollie“ bewegt sich somit auf der sicheren Seite und formuliert eine respektvolle Liebeserklärung an die Leinwandhelden. Kennt man bereits den Ausgang der Geschichte, schwingt allerdings stets ein melancholischer Grundton mit, der von Vergänglichkeit zeugt. Doch auch gegen Herzschmerz ist Lachen die beste Medizin, so kommt freilich auch der Humor nicht zu kurz, bestätigt Laurel and Hardy-Liebhaber in ihrer Wertschätzung und lädt Neulinge dringlich dazu ein, einen kostbaren Schatz der Filmgeschichte zu entdecken.

Bewertung:

8 von 10 Punkten

Bilder: © SquareOne

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