In einer Medienwelt, dominiert von einer Flut voller später Fortsetzungen und Remakes, war es fast nur mehr eine Frage der Zeit: Bud Spencer und Terence Hill für das 21. Jahrhundert. Nostalgisches Potenzial gibt es sicherlich genug abzuschöpfen. Aber kann das denn funktionieren?

von Christoph Brodnjak

Rein formell handelt es sich bei dem italienischen Film von Regisseur „Younuts“ um eine Fortsetzung des 1974 erschienenen Filmklassikers „Zwei wie Pech und Schwefel“. Es handelt sich bei den zwei Hauptdarstellern (Edoardo Pesce, Alessandro Roja) nämlich nicht um die beiden Kinohelden selbst, sondern deren Söhne. Aber auch nur darum, weil man die beiden eben nicht direkt ersetzen wollte – vom Auftreten und rein charakterlich sind sie es aber de facto. Und um mit etwas Positivem zu beginnen: Die beiden geben sich alle Mühe. In einem biographischen Film a la „Stan und Ollie“ könnte man sich die beiden sicherlich gut vorstellen. An das Original herankommen tun sie natürlich nicht. Das war aber allen Beteiligten vermutlich von vornherein klar.

Bevor es um den eigentlichen Film geht: An sich ist es ja irgendwie schade, dass diese Art von Filmen mit der Zeit aus der Mode gekommen ist. Filme über ein Duo, Trio, Quartett usw. – Dick & Doof, die Marx Brothers, oder eben Bud Spencer und Terence Hill – die quasi immer dieselben Charaktere sind, aber in voneinander unabhängigen Filmen in immer neue Rollen und Situationen geworfen werden. Ob das so wie in diesem Remake/Reboot/Fortsetzung aber der richtige Zugang ist, ist fraglich.

Denn auf eigenen Beinen steht „Zwei wie Pech und Schwefel“ keineswegs – oder höchstens sehr wackelig. Der Film ist wie gesagt – eigentlich – eine Fortsetzung. Die beiden originalen Helden kriegen wir nur kurz hinter einer Tür zu hören. Ansonsten bleiben nur einige wenige Referenzen zu den Vätern. Was dem Film durchaus zugute zu halten ist, dass der Strandbuggy oder andere Gegenstände nicht gezwungen nostalgisch hochgehalten oder mit unnötig viel Pathos behandelt werden – man denke dabei zum Beispiel an die neueren „Star Wars“ Filme oder „Ghostbusters: Legacy“. Ansonsten bleint die Handlung des Films relativ nah am Original: ein Rallye-Rennen, ein Würstchen-Wettessen, Gangster, Motorräder, viele fliegende Watschen. Nur dass der Vergnügungspark jetzt ein Zirkus ist. Es stellt sich also die Frage aller Fragen: Warum nicht einfach den alten Film schauen?

Im Grunde wäre dieses Remake ja verzeihlich – wenn auch wenig verständlich – wenn es sich dabei auch gleichzeitig um eine unterhaltsame, lustige und kurzweilige moderne Action-Komödie handelt würde. Womit wir schon beim nächsten Problem wären: Denn leider Gottes ist der Film die meiste Zeit eher fad. Die Höhepunkte des Originals sind hierbei meistens eher halbgar und gefühlt faul umgesetzt oder nur mal eben angerissen. Wirklich viel Neues kommt außer einem kurzen Watschenduell auch nicht hinzu.

Dazu kommt, dass „dem Film Netflix‘ „Zwei wie Pech und Schwefel“ einfach die nötige Energie und Sprunghaftigkeit fehlt und sich zwischen den Schlägereien oftmals etwas zu ernst nimmt. Die Zerstörung des Zirkus und dessen Nachwirkungen samt trauriger Artisten werden zu realistisch dargestellt, als dass man wirklich Spaß daran haben kann, wenn Terence Hill sie in der nächsten Szene im Kartenspielen abzockt. Es entsteht ein komisches Gemisch an Tonalitäten, die ein sehr unebenes Ganzes ergeben, und den Fluss der Handlung und des Gemetzels ins Stocken geraten lassen.

Fazit

Die „Zwei wie Pech und Schwefel“ – Neuauflage hat es sich wahrlich nicht leicht gemacht. Fans von Bud Spencer und Terence Hill werden ihn vermutlich am liebsten abwatschen wollen, und für alle anderen bleibt eine leider nicht sehr lustige oder energiegeladene Action-Komödie, die dann auch noch Referenzen an einen Film enthält, von dem sie keine Ahnung haben. Obwohl kürzer als das Original, fühlt sich der Film um einiges länger an. Es hätte schlimmer kommen können. Aber ist unwahrscheinlich, dass Väter in aller Welt ihn jemals ihren Söhnen zeigen werden wollen. Eher ist er bis morgen wieder vergessen. Seit 24.8. auf Netflix.

Bewertung

Bewertung: 4 von 10.

(40/100)

-> weiterlesen: Die 10 besten Filme von Bud Spencer & Terence Hill (inkl. des originalen „Zwei wie Pech und Schwefel“ 😉 )

Bild: (c) Netflix