Mit „Godzilla 2: King of the Monsters“ erhält das sogenannte MonsterVerse, das Film-Franchise von Legendary Pictures und Warner Brothers mit Schwerpunkt auf gigantischen Urzeitviechern, seinen jüngsten Eintrag. Regisseur Michael Dougherty liefert ein düster-spaßiges Monster-Spektakel ab, das die Vorfreude auf weitere Filme im MonsterVerse steigen lässt.

von Paul Kunz

Große Film-Franchises bergen ein grundsätzliches Problem, das sich darin begründet, dass die Filme immer eine Doppelfunktion erfüllen müssen: Nicht nur haben sie als eigenständiges Werk zu funktionieren, sie müssen sich auch in das größere Ganze ihres Filmuniversums einfügen und Spannung für den Nachfolger erzeugen. Es ist eine Gratwanderung, die leicht scheitern kann, doch in „Godzilla 2“ reibungslos gelingt. So finden Verweise auf den Vorgänger, wie auch auf Monster-Kollegen Kong zwar Wege in die Handlung, doch letzten Endes erzählt der Film eine eigenständige Geschichte.

Diese setzt einige Jahre nach den Geschehnissen des ersten Teils ein. Die Welt weiß Bescheid um die Titanen (so der Name der gigantischen Urzeitwesen, die im Erduntergrund schlummern), nun lautet die Frage, ob und wie die Menschheit neben ihnen existieren kann. Wissenschaftlerin Dr. Emma Russell (Vera Farmiga) hat zu diesem Zweck ein Gerät entwickelt, das die Kommunikation mit den Titanen erlaubt. Doch Öko-Terrorist Alan Jonah (Kyle Chandler) hat es auf das Gerät abgesehen, weswegen er Russell und ihre Tochter Madison („Stranger Things“-Star Millie Bobby Brown) entführt. Um die beiden und das Kommunikationsgerät zurückzuholen, schließt sich Emmas Ex-Mann Mark (Kyle Chandler) einem Rettungsteam an.

Die Mutter-Tochter-Beziehung funktioniert als emotionales Zentrum durchaus, dies ist aber weniger dem Drehbuch geschuldet als den starken schauspielerischen Leistungen von Farmiga und Brown. Man ist dankbar für den Einsatz der beiden, denn die Dialoge beschränken sich zumeist auf abgedroschen-pathetische Phrasen. Da wäre weit mehr drin gewesen, vor allem bei einem Film, der es sich leistet, mit Sally Hawkins und Ken Watanabe auch kleinere Rollen mit bekannten Gesichtern zu besetzen. Leider haben die zahlreichen Nebenfiguren kaum etwas zu tun, sie bleiben blass und lenken unnötig von den Stars des Films ab – den menschlichen, wie auch den nicht-menschlichen.

Was die nicht-menschlichen Stars betrifft, so dürfen Monster-Fans aufatmen. Während sich der Vorgänger aus 2014 weniger wie ein Monster-Film anfühlte, sondern wie ein Katastrophen-Drama, an dessen Ende Godzilla einen undankbaren Gastauftritt bekam, so bietet „Godzilla 2“ gleich eine Vielzahl an Giganten, die mehrmals aufeinander losgehen dürfen. Und das hat es in sich: Die Monsterschlachten sind durchwegs spaßig inszeniert und lassen an Bombast nichts zu wünschen übrig. Wenn der pompöse Score von Bear McCreary zu den gewaltigen Schauwerten stößt, dann ist das Spektakel perfekt. Der Film will daher auch unbedingt in einem Saal mit großer Leinwand und gutem Soundsystem gesehen werden.

Dennoch knüpft der Film eher an die grimmige Atmosphäre seines Vorgängers an als an den heiter-trashigen „Kong: Skull Island“. Dafür weiß er diesen Ton weitaus besser in das Monster-Vergnügen einzubinden und erzeugt dadurch auch einige richtige Gänsehaut-Momente. Das sind vor allem jene, die die Monster-Konfrontationen aus der Sicht der Menschen zeigen. Der regelmäßige Rückgriff auf die menschliche Perspektive ist erfreulich, denn wenn gigantische Urzweitwesen einander in abstrakten Rauch- und Nebelschwaden bekämpfen und Wolkenkratzer um Wolkenkratzer zerbröseln, dann geht schon Mal der Bezug verloren, der das Maß der Zerstörung abschätzen lässt.

Fazit

Auch wenn „Godzilla 2“ sich etwas zu ernst nimmt, was besonders aufgrund der stumpfen Dialoge zu gelegentlicher Langeweile führt, überzeugt er umso mehr, wenn die Monster die Leinwand füllen. Die spektakulären Szenen, die der Film bietet, sind einfach spaßig und machen ihn zu einem gewichtigen Argument zugunsten des Kinoerlebnisses. Und somit darf man sich ruhig auf den Nachfolger freuen, der Godzilla und Kong gemeinsam in die Arena schicken wird.

Bewertung

7 von 10 Punkten

Bilder: Warner Pictures

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