13 Jahre ist es her, dass 20th Century Fox zum ersten Mal das äußerst beliebte Event aus den Comics namens „Dark Phoenix“ auf die große Leinwand brachte. Dass die damaligen Anstrengungen, abgesehen von vielen anderen kleineren Schwächen, bereits aufgrund der stark veränderten Handlung bei den Fans eher Ablehnung als Zuspruch hervorrief, beweisen zahlreiche Kommentare, Artikel und Videos in denen der Film in der Luft zerrissen wird. Doch nach einem geglückten Reboot der Reihe im Jahr 2011 mit frischem Cast und etwas anderem Zugang, schienen Hoffnungen berechtigt, dass diesmal alles anders werden würde, dass diese Generation von X-Men mit einem epischen Finale rund um die dunkle Bedrohung in Rente geschickt werden könnte – doch dann landete der eigentlich bereits fertige Film an einem Ort, von dem aus es nur selten noch ein Happy End gibt: der Produktionshölle.

von Mara Hollenstein-Tirk

Katastrophale Testvorführungen brachten 20th Century Fox dazu, den Film immer wieder neu schneiden zu lassen, der in der Schwebe befindliche Deal mit Disney sorgte ebenfalls für mehrfache Aufschiebungen des Starttermins in den Kinos, so schwand auch noch der letzte Rest an Zuversicht für das Projekt. Was keiner mehr geglaubt hatte, ist nun aber zur Realität geworden: „Dark Phoenix“ hat seinen Weg in die weltweiten Kinosäle gefunden. Ob der Film zu den wenigen Beispielen der Filmgeschichte zählt, denen eine holprige Produktionsphase nichts anhaben konnte, oder sich in die lange Schlange daran gescheiterter Projekte einreiht, erfahrt ihr in unserer Kritik.

Zugegebenermaßen, es mutet schon etwas eigenwillig an, dass sich 20th Century Fox dazu entschlossen hat, sowohl Regie, als auch Drehbuch in die Hände jenes Mannes zu legen, der bereits bei dem oben erwähnten „The Last Stand“ seine Finger als Autor mit im Spiel hatte. Aber gut, jeder verdient eine zweite Chance um es diesmal besser zu machen, könnte man argumentieren. Immerhin hatte Simon Kinberg einige Jahre Zeit, um in sich zu gehen und sich eine formidable Geschichte auszudenken.

Leider scheint es aber so, als wäre er erneut an der Aufgabe gescheitert, die Comicvorlage für die große Leinwand zu adaptieren. Denn obwohl sich Kinberg diesmal deutlich näher an der Vorlage orientiert, ist es abermals das Drehbuch, welches am wenigsten funktioniert. Zu viele Elemente aus den Comics wurden innerhalb der Filmreihe noch nicht etabliert, sodass Änderungen unvermeidlich waren, diese wirken allerdings weder inspiriert noch schlüssig und hinterlassen so beim Zuschauer nur unzählige Fragezeichen.

Viel zu oft beschleicht einen das Gefühl, dass essentielle Informationen fehlen um die Geschichte, die Charaktere und ihre Motivationen tatsächlich verstehen zu können. So werden Logiklöcher von solchen Ausmaßen erzeugt, dass man von ihnen regelrecht verschluckt wird. Was umso frustrierender ist, da das Gezeigte eigentlich gar nicht einmal so schlecht ausschaut. Denn rein produktionstechnisch kann man dem Film wirklich wenig vorwerfen. Kinberg erledigt seine Aufgabe als Regisseur nämlich deutlich besser, als die des Drehbuchautors. Manche Kampfsequenzen wirken zwar etwas zu hastig geschnitten, aber alles in allem ist das Geschehen schön anzuschauen. Die Effekte setzen zwar keine neuen Maßstäbe, sind aber durchwegs state of the art, die eingefangenen Bilder erzeugen beim Zuschauer eine stimmige Atmosphäre (die dann aber leider allzu oft durch das Drehbuch wieder zerstört wird…) und die Musik von Hans Zimmer sorgt für den benötigten Epik-Faktor. Auch die Schauspieler versuchen, trotz im Vorfeld teils eher schwieriger Vertragsverhandlungen, zumindest zum größten Teil gegen das schwache Drehbuch anzukämpfen, bekommen dabei aber immer wieder deutlich sichtbare Probleme aufgrund der undefinierbaren Anlegung der Charaktere. Dabei ändern Figuren ihre Ansichten, Meinungen und Motivationen scheinbar wie aus dem Nichts, Charakterentwicklungen werden präsentiert, die sich in keiner Weise verdient anfühlen und was es mit den „Bösewichten“ auf sich hat, bleibt eines der großen Mysterien des Films.

Fazit

Alles in allem ist „X-Men: Dark Phoenix“ ein Film geworden, dessen Inszenierung, Soundtrack und Schauspieler wirklich alles dafür geben, um ihn vor einer Bruchlandung zu bewahren, dessen Drehbuch das Projekt aber offensichtlich am liebsten brennen sehen möchte.

Bewertung

5 von 10 Punkten

Bilder: © Twentieth Century Fox

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