Neuer Regisseur, gleicher Ansatz: Sam Raimis „Evil Dead“ Franchise bekommt diesen Sommer einen weiteren Beitrag, diesmal allerdings mit Sébastien Vanicek hinterm Steuer. Genauso wie zuvor Lee Cronin mit „Evil Dead Rise“, versuchen der gebürtige Franzose und sein Co-Autor Florent Bernard dem beliebten Konzept der Reihe einen neuen Anstrich zu verpassen – mit mäßigem Erfolg. Seit 9. Juli im Kino, seit Ende August (Stand 26.8.2026) auch als Stream fürs Heimkino.
Kritik von Natascha Jurácsik
Nachdem ihr Mann William (George Pullar) auf tragische Weise bei einem Autounfall stirbt, verbringt Alice (Souheila Yacoub) nach der Beerdigung etwas Zeit mit seiner Familie im alten Haus seines Großvaters, der seine Kinder verließ, um okkulte Nachforschungen zum diabolischen Necronomicon anzustellen, einem Buch voller dämonischer Kräfte. Doch es stellt sich schnell heraus, dass dies keine Einbildungen eines Wahnsinnigen sind und das Böse die Anwesenden heimsucht.
Auch „Evid Dead Burn“ erinnert an einen besseren Film
Obwohl Sam Raimi als Urheber der Franchise bei Neuverfilmungen oft als Produzent oder zumindest Berater mitwirkt, fällt eines immer wieder auf: Moderne Remakes orientieren sich hauptsächlich an Fede Alvarez‘ Version von 2013 als am Original von 1981. Da Raimis und Alvarez‘ Filme trotz gemeinsamen Konzeptes sehr unterschiedlich sind, ist es nicht weiter verwunderlich, warum auch Raimis Hilfe nicht reicht, um eine wirklich beeindruckende Neufassung auf die Leinwand zu bringen. Vielleicht sollten man sich eher als Alvarez wenden, um die Lücken zu füllen, die Projekte wie „Rise“ und „Burn“ haben.
Das Problem dabei ist, dass man als Zuschauer immer wieder an einen besseren Film erinnert wird. Zwar ist es durchaus ratsam, sich das 2013er Remake in mancherlei Hinsicht als Vorbild zu nehmen, allerdings zeugen die nett gemeinten Verweise auf dieses frühere Werk in Vaniceks Beitrag von einer uninspirierten Unbeholfenheit, was das Umsetzen der eigenen Ideen angeht.
So prahlt „Evil Dead Burn“ zwar mit einer Handvoll wirklich hervorragenden praktischen Effekten, die leider immer wieder von schlechtem CGI unterbrochen werden, versteht aber den Kern der Franchise falsch. Die berüchtigten Deadites – die Untoten Monster, die andere mit ihrem Bösen infizieren – fungieren bei Vanicek wie die Antagonisten in einem herkömmlichen Zombie oder Exorzismus Streifen, statt wie die höchstunterhaltsamen Bösewichte, die sie eigentlich sind. Das Element der brutalen Selbstverstümmelung, für die sie bekannt sind, fällt hier beinah komplett weg und scheint nur ein Hintergedanke zu sein. Stattdessen konzentriert sich ein erheblicher Teil der Gewalt auf Actionfilmartige Kampfszenen, die zwar gelungen choreografiert, aber letztendlich unoriginell sind.
Was Vanicek dafür beherrscht ist das haptische Erlebnis: Mit extremen Nahaufnahmen und einem detailgetreuen Fokus auf die sensorische Welt seiner Settings, schafft er eine unangenehm klaustrophobische Atmosphäre, die sehr gut mit dem Stoff funktioniert. Die Kameraführung ist dynamisch und oft desorientierend, was diesen Effekt noch mehr unterstützt, nur leider wirken die hektischen Schnitte und unübersichtlich herangezoomten Einstellungen spätestens im zweiten Akt etwas monoton. Zusätzlich scheint Vanicek allergisch auf saturierte Farben zu sein, womit der gesamte Film in einen langweiligen Grauton getränkt ist. Richtung Ende ändert die Inszenierung für kurze Zeit ihren Stil und traut sich an Farbe und malerische Kompositionen heran, die allerdings in einem tragischen CGI-Albtraum enden.
Das Drehbuch hat Potenzial, aber keinerlei Finesse. Die Themen von häuslicher Gewalt und Trauma werden nur sehr oberflächlich und tollpatschig in eine Handlung eingebettet, die nur bedingt Sinn ergibt. Statt die Story rund um das Necronomicon und die Deadites zu expandieren, wirft das Drehbuch mehr Fragen als Antworten auf. Tatsächlich scheinen die Autoren das Grundkonzept der dämonischen Infizierung, die das „Evil Dead“ Universum so interessant macht, gar nicht richtig verstanden zu haben. Etwas mehr Achtsamkeit und eine gründliche Überarbeitung hätten dem Skript definitiv gutgetan.
Fazit
Ein weiterer mittelmäßiger Beitrag zur Kult-Franchise – „Evil Dead Burn“ probiert viel Neues aus, kombiniert es mit Altbekanntem und scheitert dabei an der eigenen Vision. Vanicek hat zwar offensichtlich das Zeug, die Brutalität und den Ekel umzusetzen, der besonders bei modernen „Evil Dead“ Filmen gern gesehen ist, hat sich dabei allerdings offensichtlich nicht genügend mit dem Originalstoff auseinandergesetzt. Letztendlich leidet ein fast gelungenes Horror-Projekt unter einem schlampigen Drehbuch und mangelnder Kreativität.
Bewertung
(57/100)
„Evil Dead Burn“: Seit 9.7.2026 im Kino.
Bild: (c) Warner Bros.

Der Film ist gut, besser als der Vorgänger Rise und besser als Teil 3! Und diese Kritik ist in Witz!
Ich habe diese neueren Evil Deads ausgelassen. Nein danke.