Nach James Gunns außergewöhnlich runden und positiven Einstand ins neue DCU „Superman“ (haters gonna hate), an dessen Ende Milly Alcock als neues Supergirl Kara Zor-El vorgestellt worden war, waren die Hoffnungen groß, dass auch der zweite Film „Supergirl: Woman of Tomorrow“ in die gleiche Kerbe schlagen würde. Nicht zuletzt, weil der Titel frappiernde Ähnlichkeit mit dem nächsten Superman-Film „Superman: Man of Tomorrow“ (ebenfalls unter der Regie von James Gunn) hat. Regie führte dieses Mal Craig Gillespie („Lars und die Frauen“, „I, Tonya“) und hinter der Kamera stand Rob Hardy („Mission: Impossible – Fallout“, „Civil War“). Seit 25. Juni 2026 ist „Supergirl“ im Kino zu sehen. Kann er die Erwartungen erfüllen?
Kritik von Richard Potrykus
Die Handlung von „Supergirl“ ist schnell erklärt. Die Waise Ruthye (Eve Ridley) sinnt auf Rache, nachdem ihre Familie umgebracht wurde, und stößt dabei auf die Hauptfigur Kara und ihren Hund Krypto. Ruthye bittet Kara um Hilfe bei der Suche nach den Mördern und selbige willigt ein, nachdem Krypto vergiftet wurde und nur die besagten Mörder über das Gegenmittel verfügen.
Es beginnt ein vorhersehbares Abenteuer mit einigen Stationen und Jason Momoa als Lobo. Das alles ist schade, denn der Film hat einen vielversprechenden Anfang und immer wieder Momente, die ihn sehenswert machen und in die Atmosphäre passen, die „Superman“ etabliert hat.
„Supergirl“ ist Guardians Reloaded
Dass dabei Gunn als Produzent hier seine Finger im Spiel hat, ist offensichtlich, angesichts der visuellen und narrativen Parallelen zu den „Guardians of the Galaxy“. Der Film ist bunt, es gibt allerhand außerirdisches Leben und jedes Kapitel ist in sich so abgeschlossen, dass man leicht von einem Planeten zum nächsten springen kann. Das ist ein Konzept, welches sich bewährt hat, und zeugt doch von einer gewissen Faulheit, denn anstelle schlüssig zu erklären und zu zeigen, wie die Figuren von A nach B gelangen, gibt es einen Schnitt, eine computergenerierte Totale und den eingeblendeten Namen des neuen Schauplatzes.
Darüber hinaus ist ein World Building, also ein glaubhaftes Setting, weitgehend abwesend. Nichts passt in „Supergirl“ wirklich zueinander und doch gibt es keine so gravierenden Unterschiede, dass der Eindruck entsteht, die einzelnen Kapitel spielten tatsächlich auf unterschiedlichen Welten. Bis auf einen Faktor, der hier nicht genannt werden soll, gibt es keinerlei Grund, überhaupt in den Weltraum vorzustoßen.
Pro Setting gibt es ein, vielleicht zwei konkrete Locations, viel CGI und allerhand außerirdisches Leben und doch viel Menschlichkeit, denn abseits wilder Schädelformen, die dann doch immer zwei Augen und einen Mund vorweisen, gibt es stets zwei Arme, zwei Beine und ganz konkret Hände mit Fingern, so dass die gesamte Architektur menschlich nutzbar bleibt. Alles in allem hätte „Supergirl: Woman of Tomorrow“ auch ein x-beliebiger „Star Wars“-Film sein können.
Das richtige Supergirl für das DCU
Ein ganz großes Plus hingegen sind die beiden weiblichen Figuren des Films. Kara Zor-El, die Heldin, wird gezeigt, wie man es nach dem Cameo in „Superman“ erwarten würde. Sie ist unausgeglichen, nicht auf den Mund gefallen, je nach Alkoholpegel schambefreit und trotz allen Held*innentums so gar nicht wie ihr Cousin. Sie durchlebt die klassische innere Reise hin zu etwas Bedeutungsvollem und behält doch ihren eigenen Charakter und damit ihre Eigenständigkeit. Sie dominiert den Film auf einen angenehme Art und pendelt gekonnt zwischen einer eigenbrötlerischen Coolness und den obligatorischen Posen einer Heldin.
Damit bildet sie eine facettenreiche Ergänzung zum Strahlemann Clark und sorgt für Volumen im noch jungen DCU. Wo Freundlichkeit als der neue Punkrock zählt, erinnert sie die Welt daran, nicht in stumpfe Hyperharmonie zu verfallen.
Ihr zur Seite steht Ruthye. Sie bildet die treibende Kraft, wirkt eingangs noch wie ein unbeholfener mittelmäßiger Running Gag und entwickelt sich dann zu einer eigenständigen Figur und gleichermaßen Referenz an Mattie Ross, die schon in den 60er Jahren in „True Grit“ amtlich ihre Auffassung von ungestümer Rechtschaffenheit präsentierte, wodurch die Film-Ruthye der Comicvorlage durchaus gerecht wird. Es ist ihre Gegenwart, die die Wandlung von Kara maßgeblich vorantreibt und sie zu der Heldin macht, die in zukünftigen Filmen zahlreiche Welten retten könnte.
Dem gegenüber steht Momoas Interpretation des Kopfgeldjägers Lobo. Es ist eine leicht affektierte Coolness, die Momoa hier vor sich her trägt und damit verhindert, dass Lobo das macht, wofür er eigentlich bekannt ist. Fairerweise sei erwähnt, dass die Brutalität, die die Figur in den Comics ausleben darf, auch nicht mit der Altersfreigabe des vorliegenden Films übereinstimmt. Von daher sei hier Gnade vor Recht gegeben und die Hoffnung auf eigenständige Projekte, die ähnlich wie Marvels „Punisher“ mal in Szene gesetzt werden. Als Teaser und grundsätzliche Einführung der Figur taugt seine Performance allemal.

Formfehler verhindern einen guten Film
Insgesamt ist „Supergirl: Woman of Tomorrow“ eher Mittelmaß. Zwar gibt es die eine oder andere Sequenz, die Spaß macht, doch da diese Momente stets gleich aussehen und sich auf Dauer abnutzen, ist in Sachen Action nicht viel zu holen. Auch dass der Film, wenn er einmal in Fahrt kommt, abrupt abbricht, wodurch sämtliche Dynamik zum Erliegen kommt, hilft da wenig.
Gillespie lässt einfach die Raffinesse eines „Superman“ vermissen. Das Drehbuch mag keine Überraschungen hergeben, doch das entschuldigt weder die Bildgestaltung, noch das Pacing. Mit Hardy hatte der Regisseur einen fähigen Kameramann an seiner Seite, der bereits bewiesen hat, Action einfangen zu können. Gleiches gilt für die Personen im Schnitt, Tatiana S. Riegel und Fred Raskin, die beide schon für Gunn tätig und an den „Guardians“ beteiligt waren. Gerade Raskin, der zudem auch „Carry-On“ geschnitten hatte, hätte hier als sichere Bank gelten müssen.
Fazit
„Supergirl: Woman of Tomorrow“ ist ein Wimmelbild von einem Film, nicht weil es so viel zu entdecken gibt, sondern weil der Film aus Versatzstücken besteht, die nicht zueinander passen. Die Handlung ist leider lahm und die Bilder lieblos. Alcock macht ihre Arbeit gut. Sie präsentiert sich in einer angenehmen Chemie mit Clark und wird sicherlich auch in Zukunft eine passable Heldin abgeben. Momoas Gastauftritt zeigt Lobo von einer sehr zahmen Seite, lässt aber ein gewaltvolles Potential vermuten, was zukünftige eigenständige Produktionen angeht.
Bewertung
(65/100)
„Supergirl“ ist seit 25.6.2026 im Kino zu sehen.
Bilder: (c) Warner Bros.
