Prostatauntersuchungen durchgeführt von einem humanoiden Roboter, Selbstversuche mit (hoffentlich) schusssicheren Westen und explodierende Dixi-Klos – zum angeblich letzten Mal können sich Fans in „Jackass 5“ den neuesten Wahnsinn ansehen, den sich die Crew um Johnny Knoxville ausgedacht hat. Diesmal allerdings in Kombination mit alten Stunts aus vergangenen Jahren, die den Abschied etwas versüßen sollen. Seit 25. Juni 2026 kann man im Kino Abschied nehmen.

Kritik von Natascha Jurácsik

„Jackass 5“ öffnet mit dem allersten Stunt, den Johnny Knoxville vor der Kamera durchzog und als Ursprung des Konzeptes gilt, das erst eine Serie auf MTV und schließlich fünf Kinofilme hervorbrachte: Knoxville grinst Ende der 1990er frech in die Kamera seines Freundes und erklärt, dass er sich als zusätzlichen Schutz Pornoheftchen unter eine billige, kugelsichere Weste stopft, um sich anschließend mit einem Smith & Wesson Revolver selbst in die Brust zu schießen.

Mit jedem leeren Klicken der Waffe – es steckt nur eine Kugel im Lauf – verliert Knoxville seine jungenhafte Begeisterung für die Performance und reist den Zuschauer sind einer steigenden Nervosität mit, bis der Schuss endlich fällt. Es folgt eine perplexe Stille, ein Ausruf der Fassungslosigkeit, ein schneller Abgang – und schließlich entfesseltes Gelächter. Ein perfektes Opening für einen Film, der das Prinzip der Kultserie in wenigen Minuten umfasst.

„Jackass 5“: Klassenclowns in der Tradition der Commedia dell’Arte

Aber was genau macht einen „Jackass“ Film aus? Manche würden sagen Rektalspielchen, wild herumklatschende Penisse und physischer Schmerz. Und auch, wenn das durchaus eine angemessene Zusammenfassung ist, fehlt doch die Essenz der Franchise, nämlich eine absolute Verpflichtung gegenüber der spielerisch sinnlosen Komik. Es ist eine Art Klassenclown-Mentalität, die es erwachsenen Männern – und manchmal Frauen – erlaubt, den eigenen Körper zum Objekt der Lächerlichkeit zu machen, abseits jeglichen Bedürfnisses nach Schönheit, Kraft oder sogar Hygiene; im Grunde entstammt die Jackass-Gruppe einer historischen Tradition im Sinne der Commedia dell’Arte, ein Zweig des mittelalterlichen italienischen Volkstheaters.

Diese Beobachtung soll aber nicht forcieren, dass „Jackass 5“ Anspruch auf den Status als ‚hohe Kunst‘ hat. Den braucht der Film auch gar nicht. Statt in die Nostalgiefalle der kulturellen Anerkennung zu tappen, indem versucht wird, rückwirkend Argumente für einen historisch ‚ikonischen‘ Platz innerhalb der Kultur zu finden, rechtfertigen Knoxville & Co. sich in diesem finalen Projekt nicht, sondern zentralisieren das, was sie all die Jahre ausgemacht hat: eine Freundesgruppe, die im Namen des Lachens willens ist, sämtliche Grenzen des Anstands zurückzulassen.

Ein letztes Mal (B)analität vom Feinsten

Dabei wechseln sich neue Gags mit alten Klassikern und bislang unveröffentlichten Aufnahmen ab. Novizen bekommen somit einen recht gelungenen Überblick, was die Entwicklung der Franchise angeht, allerdings wirkt dieses Format auf Fans schnell wie eine zusammengebastelte Clipshow. Trotz verrückter Stunts – sowohl alt als auch neu – fehlt hier die frische und Kreativität von „Jackass: Forever“.

Das liegt auch daran, dass die neuen Gesichter des vorherigen Filmes hier eindeutig in den Hintergrund treten. Rachel Wolfson beispielsweise hat im Grunde gar nichts zu tun und erfüllt eher die Rolle der Quotenfrau für Poster, obwohl sie ihren Humor und ihre Fähigkeit sich der Gruppendynamik von Jackass anzupassen bereits bewiesen hat. Es ist zwar nachvollziehbar, dass der letzte Film die Originalmitglieder ins Zentrum stellt, aber eine aktivere Einbindung der neuen Talente, die sich eigentlich gut gemacht haben, hätte „Jackass 5: Einer geht noch“ interessanter und dynamischer gemacht.

Jackass 5

Jackass-Sphere als Gegenentwurf zur toxischen Manosphere

Doch zusätzlich liefert das Wiederaufleben der 2000er Popkultur, zu dem man auch diesen Film zählen kann, eine interessante Erkenntnis über gängige Bilder von Männlichkeit. Jackass ist zwar immer noch ein Jungenklub, aber die Maskulinität, die hier gelebt wird, steht im direkten Kontrast zum kontemporären Phänomen der sogenannten ‚Manosphere‘. Befreit von jeglicher Angst als ‚schwul‘ betitelt zu werden, stecken sich die Jackass-Männer seit Jahren allerlei Sachen in den Hintern, tragen glitzernde Tangas und konfrontieren sich gegenseitig mit ihren zahlreichen Körperflüssigkeiten. Auch Genitalien werden zum Werkzeug der Komik: Schlaff und ohne verschönernde Inszenierung sind Penisse im Jackass-Universum kein Symbol heteronormativer, maskuliner Macht und Dominanz, sondern erfüllen einen ähnlichen Zweck wie eine Clownsnase; sie sehen einfach komisch aus.

Für junge Menschen, die täglich mit dem hyper-ernsten Männlichkeitsbild von Andrew Tate und Konsorten konfrontiert werden, bei dem es ausschließlich um Aggression, Einschüchterung und Eroberung geht, dürfte Jackass befremdlich wirken. Hier lachen Männer miteinander und übereinander – die einzige Rolle, die erfüllt werden muss, ist die Rolle des Komikers. In diesem Sinne kann der unbedrohliche, befreite Umgang der Crew in „Jackass 5“ miteinander als Gegenmittel zur isolierenden, verstörenden Hierarchie der ‚Manosphere‘ fungieren.

Fazit

(B)analität vom Feinsten – „Jackass 5: Einer geht noch“ ist zwar nicht der beste und hoffentlich nicht der letzte Film der Jackass-Franchise, bietet aber trotz mangelnder Kreativität und Frische einen faszinierenden Einblick in die Kultur des ungezwungenen Humors. Statt auf den Einfluss der Gruppe auf einen Teil der heutigen Popkultur zu beharren – der übrigens durchaus beachtlich ist – feiern Knoxville und seine Freunde eine Karriere, die der radikalen Sinnlosigkeit und der Universalität der Körperkomik gewidmet ist.

Bewertung

Bewertung: 7 von 10.

(69/100)

„Jackass 5: Einer geht noch“ – seit 25.6.2026 im Kino.

Bilder: (c) Paramount Pictures