Wer schon zumindest ein oder zweimal japanisch oder vietnamesisch essen war, weiß, welche simple, aber manifeste Faszination von asiatischen Nudelsuppen ausgeht. Wie der sehenswerte Film „Kirschblüten und rote Bohnen“ von Naomi Kawase vor einigen Jahren die Zubereitung von Teigtäschchen mit Bohnenfüllung in den Mittelpunkt stellte, und das ganze mit einer mit Lebensweisheiten gespickten melancholischen Geschichte verknüpfte, macht „Ramen Shop“ dasselbe, nur mit der Zubereitung von japanischer Ramen-Suppe. Rundherum baut Regisseur Eric Khoo eine nicht unbedingt innovative, aber berührende Familiengeschichte, bei der es um die Bedeutung familiären Erbes, um Tradition, Respekt, Liebe und Zusammenhalt geht.

Die Kraft der Ramen-Suppe

von Christian Klosz

Masato (Takumi Saito) hat, so wie seine bereits verstorbene Mutter und sein Vater, nur eine Leidenschaft: Die Zubereitung schmackhafter Ramen-Suppen in immer neuen Geschmackskreationen. Als plötzlich auch sein Vater, Besitzer einer erfolgreichen japanischen Suppenküche, verstirbt, steht Madato alleine da. Er entschließt sich zu einem ausgiebigen Trip nach Singapur, der Heimat seiner Mutter, um dort deren Familie (seinen Onkel und seine Großmutter) zu besuchen und sich auf die Suche nach Familiengeheimnissen und geheimen Ramen-Rezepten seiner Mutter zu machen, die sich in Form von Geschmacks-Erinnerungen aus der Kindheit in seinem Gedächtnis festgesetzt haben. Der ersten Faszination in dieser fremden Metropole folgt schnell die Ernüchterung, denn nicht alle hier sind glücklich, den nun erwachsenen Masato zu sehen: Während er von Onkel Wee (Mark Lee) und dessen Familie mit offenen Armen empfangen wird, will seine Großmutter, die im Unfrieden mit seiner Mutter auseinander gegangen war, nicht einmal mit Masato sprechen. Es bedarf nun der geheimnisvollen Kraft der Ramen-Suppe, um alte Wunden zu kitten, und die Familie wieder zusammen zu führen…

„Ramen Shop“ bietet den Zuschauern zweierlei: Zum einen wunderbare Bilder von schmackhaften asiatischen Nudelsuppen und deren Zubereitung, die an hardcore-foodporn grenzen, und damit etwa an „Kiss the Cook“ von Jon Favreau erinnern; zum anderen ein ausgewogenes Familienporträt und ein solide erzähle Drama, in dessen Mittelpunkt universelle Konflikte stehen: Die Großmutter aus Singapur, die die grausame japanische Besetzung ihrer Heimat noch miterlebt hatte, kann und konnte nicht verstehen und akzeptieren, dass sich ihre Tochter ausgerechnet in einen Japaner verlieben musste. Die folgt ihrem Herzen, verlässt ihre alte Heimat und ihre Familie, heiratet ihren Geliebten – und kommt durch ihren frühen Tod aber nicht mehr dazu, sich mit ihrer Mutter auszusöhnen. Diese Aufgabe obliegt nun auch ihrem Sohn Masato, der sich, nun als Waise, auf die Suche nach seinen Wurzeln macht, und so in Singapur landet.

„Ramen Shop“ überlagert dabei geschickt die verschiedenen Zeitebenen und erzählt in Rückblenden die Vorgeschichte(n) von Masatos Eltern, um das Geschehen und die Konflikte der Gegenwart verständlich zu machen. Trotz des an sich nicht einfachen Themas zeichnet den Film und den Erzählstil eine gewisse Leichtigkeit aus, die ihn trotz heftiger Emotionen bekömmlich macht. Möchte man ein Haar in der Ramen-Suppe finden, ist es der etwas schablonenartige Handlungsverlauf, den man so oder ähnlich schon oft gesehen hat, und dessen Ende wenig überraschend und etwas gar vorhersehbar daherkommt.

Fazit:

Abgesehen von kleinen dramaturgischen Schwächen bietet „Ramen Shop“ aber gute Unterhaltung, schöne Bilder, eine bewegende Story und Einblicke in fremde (kulinarische) Welten, die Lust auf einen Trip in den fernen Osten – oder zumindest in das nächste Ramenlokal – machen. Ab 28.6. im Kino.

Bewertung:

8 von 10 Punkten

Bilder: © Filmladen Filmverleih

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