Am Sonntag ging die 10. Auflage des Slash-Filmfestivals, nach der Kür des Wettbewerbssiegers „Dogs don’t wear pants“ und einer ausgiebigen Abschluss-Party, zu Ende. Am Freitag zuvor war die Horror-Komödie „Satanic Panic“ zu sehen, zu der sich auch Regisseurin Chelsea Stardust angemeldet hatte, die aber schlussendlich nicht kommen konnte. Warum dieser Film besonderes Interesse weckt, hat auch mit den Produktionshintergründen zu tun: Als einer der Financiers fungiert Dallas Sonnier, seines Zeichens Entdecker und Förderer von S. Craig Zahler und dessen autorenhaftem Gewaltkino – und Gründer von „Cinestate“, der neben A24 derzeit vermutlich interessantesten US-Produktionsfirma.

von Christian Klosz

Nach einigen finanziellen Erfolgen erwarb Cinestate auch das marode, aber legendäre Fangoria-Magazin und etablierte eine zweite Produktionsschiene selben Namens, deren erster Output nun „Satanic Panic“ ist.

Die Reaktionen auf den Film waren durchaus geteilt: Die einen fühlten sich gut unterhalten, die anderen verspürten hauptsächlich Langeweile und fanden wenig Bemerkenswertes in Stardusts Debütfilm. Ein Meisterwerk ist „Satanic Panic“ natürlich nicht geworden, aber ein durchaus kurzweiliger Horrorspaß mit tollen Hauptdarstellerinnen, einem interessanten stilistischen Zugang und einer ganz eigenen Atmosphäre.

Die Hauptrollen wurden mit der bisher eher unbekannten Hayley Griffith und der aus der Serie „Shameless“ bekannten Ruby Modine besetzt, die ein höchst sympathisches und ansprechendes Girlie-Duo geben. Als böse „Oberhexe“ darf die großartige „Femme Fatale“ Rebecca Romijn glänzen, die offenbar gleich ihren Ehemann Jerry O’Connel mit ans Set nahm, der auch hier den Ehemann gibt. Worum geht es nun in „Satanic Panic“ eigentlich? Die junge Pizzabotin Sam (Griffith) landet mit ihrer Lieferung auf einem Anwesen im noblen Villenviertel. Der unfreundliche Kunde bezahlt zwar die Pizzen, nicht aber das Trinkgeld, das die finanziell klamme Botin für die nächste Benzinfüllung für ihr Moped dringend gebraucht hätte. Sie kommt nicht los mir ihren Gefährt, und begeht folglich den Fehler ihres Lebens: In das Herrenhaus einzudringen, und um ihr Geld zu fragen – denn schwuppdiwupp findet sie sich inmitten eines satanischen Rituals wieder, geleitet von Danica Ross (Romijn), die dafür dringend eine Jungfrau benötigt, die sie in Sam zu finden glaubt. Sam verbündet sich mit Danicas Tochter Judi (Modine), und die beiden versuchen, diese teuflische Nacht irgendwie zu überleben.

Die Vorzüge von „Satanic Panic“ sind weniger in einer sonderlich kreativen Story zu finden, sondern einem kreativen stilistischen Zugang. Geschickt platzierter Humor lockert die ansonsten düstere Stimmung, die durch Blut- und Gedärm-Exzesse verdichtet wird. Dabei ist es aber nie wirklich „zum Fürchten“, der Film wird seinem Label „Horror-Komödie“ durchaus gerecht, und widmet sich eher den komischen Aspekten des Grauens, als sich ihnen intellektuell oder psychologisch anzunähern oder sie durch Jump-Scares zu illustrieren. So entsteht am Ende ein unterhaltsamer, kurzweiliger Ausflug in die Abgründe der Upper Class, der weniger durch Substanz denn durch Stil punkten kann. Als erster Output des „Fangoria“-Labels macht „Satanic Panic“ durchaus Lust auf mehr, und lässt einen gespannt sein, was Film-Entrepreneur und -Visionär Dallas Sonnier als nächstes aus dem Hut zaubert.

Rating:

73/100