Anlässlich der Premiere des Udo Jürgens-Musicals „Ich war noch niemals in New York“ trafen Paul Kunz und Daniel Krunz die beiden Stars Uwe Ochsenknecht und Mat Schuh in Wien zum Interview. Der Film startet heute in unseren Kinos, Kritik und weitere Interviews folgen!

Film plus Kritik: Waren Sie von Anfang an überzeugt von einer Leinwandadaption von „Ich war noch niemals in New York“?

Uwe Ochsenknecht: Also ich habe mich nicht nur gefreut. Ich dachte mir: „Ein Musikfilm? Na, das kann ja was werden!“ Man muss Schauspieler finden, die singen und tanzen können. Die Story muss gut sein und die Umsetzung ist ja auch nochmal eine andere Geschichte. Aber nach den ersten Drehtagen habe ich dann gesehen: „Ah ok, so ist das gemeint. Jetzt wird’s interessant!“

Mat Schuh: Ich kam erst später dazu. Da hat man schon gesehen, in welche Richtung es geht. Man hat gemerkt, es wird eine bunte Inszenierung. Es wird schnell, es wird poppig. Und Philipp Stölzl ist ein genialer Regisseur. Natürlich weiß man nie, was auf einen zukommt. Aber man hat schon während der Dreharbeiten gewusst, dass das nur etwas Gutes werden kann.

Film plus Kritik: Was Gesang betrifft, sind Sie ja beide keine Neulinge. Was hat Sie bei der Arbeit an diesem Musical überrascht?

Mat Schuh: Es ist kein Musical. Musical ist das, was auf der Bühne passiert. Es ist ein Musikfilm! Und da muss man tanzen, spielen, singen und das auf den Punkt genau. Nicht so wie abends auf der Bühne, wo man manchmal ein bisschen mehr links oder ein bisschen mehr rechts ist. Das ist taffe Arbeit, die wir abliefern. Noch dazu mit einem Regisseur, wie Philipp Stölzl, der wirklich ein i-Tüpferl-Reiter ist. Es war eine Challenge!

Uwe Ochsenknecht: Wenn man beim Spiel normalerweise nur spricht, ist das was anderes, als wenn Tanz und Gesang dazukommen. Diese Kombi muss man üben. Wir haben auch Tanzunterricht gehabt. Wir haben die Songs vorher aufgenommen und während dem Dreh als Voll-Playback abgespielt. Das muss auch erstmal alles lippensynchron sein. Da wurde man mal auf andere Art und Weise gefordert und das hat sehr viel Spaß gemacht.

Film plus Kritik: Ist diese Schwierigkeit der Grund, warum deutschsprachige Musicalfilme so selten sind?

Mat Schuh: Eigentlich gibt es sowas ja gar nicht mehr. Das ist seit langem wieder eine Produktion, wo man sagt: „Bist du deppert.“ Der Film war sehr teuer, aber man sieht: wenn du Geld ausgibst, bekommst du auch ein gutes Produkt.

Uwe Ochsenknecht: In den 60er Jahren gab es ja viele Musikfilme, auch in Österreich. Peter Alexander und so weiter. Das war alles seichtes Zeug. Der Film hier ist nicht seicht. Er ist bunt, aber er berührt einen auch. Aber warum so wenig Musikfilme gemacht werden? Naja, sie sind teuer und es ist sehr schwer, so viel Geld aufzutreiben. „Ich war noch niemals in New York“ hat fast 15 Millionen gekostet. Aber jetzt stehen viele in den Startlöchern: Viele Produzenten in Deutschland haben vor, Musikfilme zu produzieren und warten, wie dieser Film jetzt ankommt.

Mat Schuh: Es ist auch eine Frage des Drehbuchs. Das ist das Schwierigste überhaupt. Wir hatten „Ich war noch niemals in New York“ ja schon auf der Bühne. Die Fassung hätte als Film nicht wahnsinnig gut funktioniert, darum ist das komplett umgeschrieben worden. Jetzt sind die Songs eingebettet und der Dialog geht fließend in das Liedgut über. Und das ist schon große Kunst: es nicht kitschig zu machen und trotzdem Herzschmerz und Emotionen zu transportieren. Und letzten Endes geht man aus dem Film hinaus und denkt sich: „Schön war’s!“

Uwe Ochsenknecht: Gerade in der heutigen Zeit! Bei den beschissenen Nachrichten, die man weltweit hört, finde ich es gut und wichtig, dass es so einen Film gibt. Wo die Leute mal rein können und die ganze Scheiße mal für zwei Stunden vergessen können – bis zu den nächsten Nachrichten. Wir sind ja im besten Sinne Unterhalter. Das ist Entertainment.

Film plus Kritik: Es gibt ja noch einige andere deutschsprachige Musicals, die man verfilmen könnte. Würden Sie gerne zum Genre zurückkehren?

Uwe Ochsenknecht: Ob es möglich ist, sowas in dieser Qualität nochmal herzustellen, bleibt abzuwarten. Da sind schon viele Dinge zusammengekommen, die funktioniert haben. Die Musik von Udo Jürgens ist auch ein wichtiger Aspekt. Aber jetzt haben wir ja gezeigt, dass wir es können und da werden sich schon ein paar Leute melden, zu denen wir sagen müssen: „Sorry. Wir haben leider keine Zeit.“

Film plus Kritik: Aber haben Sie andere Favoriten des Genres, bei denen Sie finden, dass das ähnlich gut funktioniert?

Uwe Ochsenknecht: Im deutschsprachigen Raum fällt mir nichts ein. Natürlich gibt es „La La Land“ und „Mamma Mia!“, aber das ist auch das Schöne an unserem Film: keine Sekunde hatte ich das Gefühl, dass wir so sein wollen wie die Amis. Wir haben unseren Film mit unseren Möglichkeiten gemacht. Er ist authentisch, mit deutscher Musik und man denkt sich nicht „Oh, jetzt wollen die auf ‚La La Land‘ machen“.

Film plus Kritik: Haben Sie durch diesen Film etwas Neues über Udo Jürgens gelernt?

Uwe Ochsenknecht: Auf jeden Fall. Ich bin ja mit Udo Jürgens aufgewachsen. In meiner Jugend waren „Merci Chérie“ und „17 Jahr, blondes Haar“ einfach anwesend. Da hat man gar nicht überlegt, ob man das mag oder nicht. Aber viele sehr schöne Songs kannte ich gar nicht. Wenn man die Songs selbst singt, merkt man auch erst, wie schwierig die zu singen sind. Das sind komplexe Melodien mit sehr guten Texten. Das war mir nicht bewusst, bevor ich mich so mit den Songs befasst habe.

Mat Schuh: Udo Jürgens war ein großer Könner. Ich habe den nie unterschätzt. Er ist einer der wenigen großen Songwriter. Er hat Liedgut abgeliefert, das internationalen Standard hat. Und der Film lebt auch mit dieser Musik.

Uwe Ochsenknecht: Der einzige Nachteil ist, man kriegt die Songs nicht mehr aus dem Ohr. Das ist richtig scheiße. Das zeugt natürlich von Riesen-Hits, aber es ist ein bisschen eine Qual.

Film plus Kritik: Das New York in dem Film steht für einen aufgeschobenen Wunsch. Etwas, das man sich immer vorgenommen hat, aber nie getan hat, weil es an Mut oder Zeit gefehlt hat. Haben sie auch ein New York?

Uwe Ochsenknecht: Es gibt viele Dinge, die ich im Leben noch machen möchte. Ein Leben reicht dazu wahrscheinlich gar nicht aus. Aber man muss Prioritäten setzen und ich habe bisher so gelebt, dass ich nicht das Gefühl habe, dass ich etwas verpasst habe.

Mat Schuh: Wenn heute einer den Stecker ziehen würde, könnt ich nicht sagen, dass ich irgendetwas verabsäumt habe. Ich habe wirklich schon viel gesehen.

Uwe Ochsenknecht: Auch, was du nicht sehen wolltest! (lacht)

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