Mit „A Toxic Love Story“ hat Netflix am 23. Juli 2026 eine neue True-Crime-Dokumentation veröffentlicht, die einen der verstörendsten Kriminalfälle der vergangenen Jahre beleuchtet. Der 88-minütige Film erzählt eine Geschichte über Manipulation, Catfishing und falsche Identitäten mit Wendungen, die selbst erfahrene True-Crime-Fans überraschen dürften. Im Mittelpunkt steht ein vermeintlicher Rachefeldzug gegen ein frisch verheiratetes Paar, der sich nach und nach als komplexes Netz aus Lügen und Täuschungen entpuppt. Die Dokumentation rekonstruiert den Fall anhand von Interviews, Ermittlungsunterlagen und bislang unveröffentlichtem Videomaterial.
Worum geht es in „A Toxic Love Story“?
Die Handlung von „A Toxic Love Story“ beginnt im Jahr 2016: Die frisch verheiratete Angela Connell erhält bedrohliche E-Mails von einem anonymen Absender mit dem Pseudonym „Lilithistruth“. Schon kurz darauf eskaliert die Situation. Neben weiteren Drohungen tauchen verstörende Craigslist-Anzeigen auf, die fremde Männer zu ihrem Wohnhaus locken. Schnell gerät Michelle Hadley, die Ex-Verlobte von Angelas Ehemann Ian Diaz, ins Visier der Ermittler.
Michelle wird verhaftet und verbringt 88 Tage in Untersuchungshaft, obwohl sie ihre Unschuld beteuert. Doch während der Ermittlungen häufen sich Ungereimtheiten: Immer mehr Beweise deuten darauf hin, dass die vermeintliche Täterin selbst Opfer einer ausgeklügelten Intrige geworden sein könnte.
Die überraschenden und unerwarteten Wendungen machen „A Toxic Love Story“ zu einer ungewöhnlich fesselnden True-Crime-Dokumentation, die konsequent mit den Erwartungen der Zuschauer spielt. Regie führte Alexandra Lacey, die den Fall nicht nur chronologisch nachzeichnet, sondern auch die psychologischen Dynamiken zwischen den Beteiligten beleuchtet. In Interviews kommen Michelle Hadley, ehemalige Ermittler, ein Expartner von Angela Connell, der Vater von Michelle und die beste Freundin von Ian Diaz zu Wort.
„Maternal Instict“: Schockierende True Crime-Doku auf Netflix
Achtung, Spoiler!
„A Toxic Love Story“: Die wahren Hintergründe
Der dokumentierte Fall basiert auf den realen Ereignissen rund um Michelle Hadley, Ian Diaz und Angela Connell in Kalifornien. Zunächst schien alles eindeutig: Angela und Ian behaupteten, von Michelle verfolgt zu werden, die ihre Trennung von Ian nicht verkraftet hatte. Tatsächlich hatte sie 2 Mails an Ian geschrieben, die als Drohung verstanden werden konnten. Die Polizei ging daher davon aus, dass Hadley hinter den Droh-E-Mails sowie den sogenannten „Rape Fantasy“-Anzeigen auf Craigslist steckte, durch die fremde Männer zu Angelas Haus gelockt wurden. Michelle wurde daraufhin wegen zahlreicher schwerer Straftaten angeklagt und musste fast drei Monate im Gefängnis verbringen.
Doch die Ermittlungen nahmen eine dramatische Wende: Digitale Spuren, IP-Daten und weitere Beweise zeigten, dass zahlreiche Nachrichten und Anzeigen nicht von Michelle stammten. Stattdessen rückte Angela Connell selbst in den Fokus. Die Ermittler fanden Hinweise darauf, dass sie die Belästigungen inszeniert hatte. Im Laufe der Untersuchungen kam außerdem ans Licht, dass Angela in der Vergangenheit mehrfach Krankheiten und Schwangerschaften vorgetäuscht haben soll, um andere Menschen zu manipulieren.
Auch Ian Diaz, damals Deputy U.S. Marshal, geriet zunehmend unter Verdacht. Bundesermittler warfen ihm vor, seine Position missbraucht und digitale Beweise manipuliert zu haben, um Michelle gezielt zu belasten. Schließlich wurde deutlich, dass die beiden gemeinsam an der Inszenierung beteiligt gewesen sein sollen.
Jetzt im Kino: „Toy Story 5“ – Kritik

Angela Connell und Ian Diaz landeten im Gefängnis
Angela Connell wurde am 6. Januar 2017 festgenommen. Am 26. Oktober 2017 bekannte sie sich im Rahmen eines Deals in zehn Anklagepunkten schuldig, darunter falsche Verdächtigung, Meineid, Urkundenfälschung und Betrug. Das Gericht verurteilte sie zu fünf Jahren Gefängnis. Sie trat ihre Haft Anfang Januar 2018 an, wobei ihr bereits verbrachte Untersuchungshaft angerechnet wurde.
Ian wurde 2021 nach weiteren Ermittlungen und Befragungen Michelles festgenommen und 2023 wegen Verschwörung, Cyberstalking, Meineids und Behinderung der Justiz zu 10 Jahren und einem Monat Haft verurteilt. Am Anfang waren die Behörden davon ausgegangen, dass Angela alleinige Urheberin war. Ian Diaz verbüßt seine Strafe in einem Bundesgefängnis in Texas; seine geplante Entlassung ist 2031.
Michelle Hadley wurde vollständig entlastet und später rehabilitiert. Sie verklagte die zuständigen Behörden wegen ihrer ungerechtfertigten Inhaftierung und erhielt eine Entschädigung.
Was macht Angela Connell (Diaz) heute?
Während ihr Ex weiter im Gefängnis sitzt, ist Angela heute auf freiem Fuß. Sie wurde sie am 19. Juli 2020 aus dem Gefängnis entlassen und bis zum 19. Juli 2021 auf Bewährung gestellt. Sie ließ sich von Ian Diaz scheiden und heißt seitdem Angela Connell. Angela lehnte es ab, an der Netflix-Dokumentation mitzuwirken.
Sie lebt heute als „Angi“ in Arizona. Laut ihrem privaten Instagram-Profil beschreibt sie sich in ihrer Biografie als „ehemals inhaftiert“ und als „Überlebende von Machtmissbrauch durch Bundesbeamte“. Sie arbeitet als Therapeutin und ist Direktorin eines Unternehmens namens Peer Counselling Services. Dort ist Angela insbesondere für Exhale Pro-Voice tätig – eine gemeinnützige Organisation, die Menschen in den USA, Puerto Rico und Kanada nach einer Abtreibung mit wertungsfreier Beratung unterstützt.
Auf der Website heißt es: „Nach ihrer Zeit im Gefängnis absolvierte Angi einen Masterabschluss in Psychologie und Justice Studies (Studien zu Recht und Gerechtigkeit) und vertiefte damit ihr Engagement für transformative Gerechtigkeit. Im Jahr 2021 kehrte sie zu Exhale zurück, zunächst als Beraterin für die Text-Hotline. Heute ist sie Direktorin des Bereichs Peer Counselling.“
„A Toxic Love Story“ – Kritik
Von der Machart hebt sich die neue Netflix-Doku, die seit Tagen unter den Top 3 der Charts rangiert, kaum von anderen derartigen Formaten ab. Die Häufung nahezu unglaublicher Twists, die Komplexität des Falls und seiner Entwirrung machen „A Toxic Love Story“ aber zum sehenswerten Tipp für alle True Crime-Freunde.
„A Toxic Love Story“ zeichnet Ian Diaz als den eigentlichen Täter, wobei diese Festlegung wohl unzulässig ist: Sowohl er, als auch seine frühere Partnerin Angela scheinen an dieser unglaublichen, doppelten Catfishing-Operation beteiligt gewesen zu sein, immerhin gestand sie ihre Taten vor Gericht.
Es bleiben auch Fragen offen: Was war das Motiv dahinter? Was wollten Ian und Angela erreichen? Heckten sie den Plan gemeinsam aus oder ging er auf ihre oder seine Initiative zurück? Angesichts dessen hätte es sich dieser packende Stoff verdient, als Doku-Serie noch genauer beleuchtet zu werden. Doch auch in der vorliegenden Form ist er sehenswert.
Bewertung
(78/100)
„A Toxic Love Story“: Seit 23.7.2026 auf Netflix.
(red/Christian Klosz)
Weitere True Crime-Texte von der filmpluskritik-Redaktion
Bilder: (c) Netflix
