True-Crime-Fans aufgepasst: Der neue Netflix-Film „Mein Vater, der BTK-Killer“ taucht in die dunkle Welt eines der berüchtigtsten Serienkiller der USA ein. Basierend auf der wahren Geschichte von Dennis Rader, dem BTK-Killer, erzählt diese Dokumentation aus der Perspektive seiner Tochter Kerri Rawson und beleuchtet das Doppelleben eines Mannes, der als liebender Familienvater und Pfadfinderleiter die perfekte Tarnung für seine grausamen Morde fand. Seit 10.10.2025 auf Netflix.
Worum geht es in „Mein Vater, der BTK-Killer“? – Die Handlung der Netflix-Doku
In „Mein Vater, der BTK-Killer“ steht die Tochter des berüchtigten Serienmörders Dennis Rader im Mittelpunkt. Kerri Rawson schildert ihr Leben mit der Gewissheit, dass ihr geliebter Vater, der als Scout-Leiter und Kirchenmitglied ein nach außen normales Leben führte, in Wahrheit der BTK-Killer war (BTK = „Bind, Torture, Kill“) und zwischen 1974 und 1991 mindestens zehn Menschen in Wichita, Kansas, ermordete.
Die Dokumentation rekonstruiert Raders Doppelleben: Tagsüber war er ein vorbildlicher Ehemann und Vater, nachts ein sadistischer Killer, der seine Opfer stalkte, fesselte und strangulierte. Rawson teilt intime Erinnerungen an ihre „normale“ Kindheit, bis 2005 die Wahrheit ans Licht kam.
„Mein Vater, der BTK-Killer“ wechselt zwischen emotionalen Interviews mit Rawson, ehemaligen Ermitteln, Archivaufnahmen von Tatorten und Briefen, die Rader an die Polizei schickte, um Aufmerksamkeit zu erregen. Die Doku beleuchtet nicht nur die Grausamkeiten der Morde, sondern auch die psychologischen Auswirkungen auf die Familie: Rawson kämpft bis heute mit PTBS, Schuldgefühlen, Wut.
Gedreht wurde der Film von Skye Borgman, einer erfahrenen True-Crime-Regisseurin („Abducted in Plain Sight“). Borgman betont in Interviews zu „Mein Vater, der BTK-Killer“, dass sie den Fokus auf die familiären Auswirkungen legen wollte. Produziert wurde die Doku von Netflix in Kooperation mit Untold Productions.
Wer war der echte BTK-Killer?
Dennis Lynn Rader, geboren am 9. März 1945 in Pittsburg, Kansas, wuchs als Ältester von vier Brüdern in einer streng lutherischen Familie auf. Seine Eltern, Dorothea Mae und William Elvin Rader, arbeiteten die meiste Zeit und kümmerten sich kaum um ihre Kinder.
Schon in der Kindheit entwickelte Rader sadistische Fantasien: Er quälte Tiere und spionierte Frauen aus. Nach der High School diente er von 1966 bis 1970 in der US-Luftwaffe. Zurück in Wichita studierte er kurzfristig Elektronik und Justizverwaltung, heiratete 1971 Paula Dietz und bekam zwei Kinder, Kerri und Brian. Er arbeitete bei ADT Security, installierte Alarmanlagen – ironischerweise für Menschen, die vor Einbrechern wie ihm Schutz suchten. Später war er Compliance-Officer in Park City, wo er bekannt für seine Pedanterie war.

Hinter dieser harmlosen Fassade lauerte der BTK-Killer („Bind, Torture, Kill“, den Namen gab sich Rader selbst). Von 1974 bis 1991 tötete Rader mindestens zehn Menschen in Wichita und Umgebung, getrieben von seinem sexuellen Sadismus. Seine Morde waren methodisch: Er stalkte Opfer, schnitt Telefonleitungen durch, fesselte sie mit Haushaltsgegenständen und strangulierte sie langsam.
Das erste Massaker ereignete sich am 15. Januar 1974 bei der Otero-Familie: Joseph (38), Julie (33), Joseph Jr. (9) und Josephine (11) wurden gebunden und erstickt; Rader masturbierte am Tatort. Weitere Opfer waren Kathryn Bright (21, 1974, erstochen nach Kampf), Shirley Vian Relford (24, 1977, stranguliert vor ihren Kindern), Nancy Jo Fox (25, 1977), Marine Hedge (53, 1985, posiert in einer Kirche fotografiert), Vicki Wegerle (28, 1986, getarnt als Handwerker) und Dolores Davis (62, 1991, mit Strumpfhosen erdrosselt). Rader behielt Trophäen wie Unterwäsche und fotografierte Leichen.
Um Aufmerksamkeit zu erregen, schickte er ab 1974 Briefe an Medien und Polizei, in denen er Details prahlte. Nach einer Pause ab 1979 tauchte er 2004 wieder auf, sandte Fotos und eine Floppy-Disk. Diese enthielt Metadaten, die zu seiner Kirche und seinem Namen führten. DNA aus einem Abstrich seiner Tochter passte zu Tatortspuren. Am 25. Februar 2005 wurde Rader verhaftet und gestand detailliert.
Vor Gericht plädierte er schuldig und erhielt am 18. August 2005 zehn lebenslange Haftstrafen (mindestens 175 Jahre), da Kansas damals keine Todesstrafe hatte. Reue zeihte er bei der von Kameras festgehaltenen Verhandlung nicht.
„Mein Vater der, BTK-Killer“ – Kritik
Absurderweise sind die spannendsten Passagen in „Mein Vater, der BTK-Killer“ jene, in denen seine Tochter Kerri Rawson nicht auftritt: Die Rekonstruktion aus Archivmaterial, Interviews mit Journalisten und ehemaligen Ermittlern. In überdurchschnittlicher Qualität vermitteln sie dem Publikum den Fall, der gerade in unseren Breiten bisher weniger bekannt sein dürfte. Besonders schockierend ist dabei, wie es Dennis Rader so lange gelang, ein Doppelleben zu führen: Auf der einen Seite fleißiger Arbeiter, Kirchen-Mitglied, liebevoller Vater, auf der anderen sadistischer, grausamer, völlig empathieloser Psychopath.
Die Sequenzen mit Rawson gibt es vor allem am Anfang und am Ende. Sie schildert ihre Geschichte, ihren Kampf mit ihrer Vergangenheit und ihre Versuche, sich selbst zu erklären, was hier passiert war. Einerseits ist das natürlich psychologisch erhellend. Anderseits verstört es etwas, dass Rawson immer noch von „meinem Vater“ spricht, den sie liebe. Erst gegen Ende – nach ihrem letzten Austausch mit ihrem Vater 2023 – kam es offenbar zum Bruch.
Insgesamt ist „Mein Vater, der BTK-Killer“ aber ein durchaus sehenswertes True Crime-Format, das dem Publikum eine schier unglaubliche Geschichte näher bringt. Es wäre aber von Vorteil gewesen, wenn man dieser etwas mehr Raum gegeben hätte, anstatt sie in gut 90 Minuten herunterzuerzählen.
(Christian Klosz)
Bewertung
(74/100)
„Mein Vater der, BTK-Killer“ – seit 10.10.2025 auf Netflix.
„Mein Vater der, BTK-Killer“ – Trailer
Bilder: (c) Netflix
