Netflix hat mit „Aileen: Queen of the Serial Killers“ am 30. Oktober 2025 eine neue Dokumentation veröffentlicht, die das Leben der berüchtigten Serienmörderin Aileen Wuornos beleuchtet. Der Film fokussiert sich auf die Täterin und taucht in die Psyche einer Frau ein, die als eine der wenigen weiblichen Serienmörderinnen in die Kriminalgeschichte einging. Wir werfen einen Blick auf die Doku, ihren Inhalt, den realen Hintergrund, und verraten, ob sich eine Sichtung lohnt.

von Christian Klosz

Die Geschichte von Aileen Wuornos: Vom Missbrauch zur Mordserie

„Aileen: Queen of the Serial Killers“ folgt dem Leben von Aileen Wuornos, auch reißerisch genannt „the hooker from hell“, die zwischen 1989 und 1990 sieben Männer in Florida ermordete. Die Regisseurin Emily Turner nutzt Archivmaterial, Gefängnisinterviews und Aussagen von Zeitzeugen, um Wuornos‘ Biografie nachzuzeichnen, die sie – so die implizite Aussage der Doku – zu ihren grausamen Taten brachte.

Geboren in eine dysfunktionale Familie ohne Eltern, erfuhr Wuornos bereits in der Kindheit Missbrauch und Verwahrlosung. Als Jugendliche riss sie aus, schlug sich als obdachlose Sexarbeiterin durch und geriet in einen Kreislauf aus Gewalt und Armut. Wuornos behauptete zunächst, die Morde seien in Notwehr geschehen. Später widerrief sie das und gestand, dass einige Opfer einfach „schlechte Typen“ gewesen seien.

„Aileen“ kritisiert auch, wie das US-Justizsystem und die Medien (vermeintlich) mit weiblichen Tätern umgehen. Regisseurin Turner integriert seltene Aufnahmen, in denen Wuornos selbst zu Wort kommt. Die Doku greift auch immer wieder auf Material von Joan Churchill, die jahrelang im Austausch mit Wuornos stand und bereits an anderen Filmen über sie beteiligt war, und die Korrespondentin Michelle Gillen zurück, die sie mehrfach interviewte.

Im Vergleich zu früheren Werken wie Nick Broomfields „Aileen: Life and Death of a Serial Killer“ (2003) oder dem Spielfilm „Monster“ (2003) mit Charlize Theron, die für ihre Rolle einen Oscar gewann, bietet die Netflix-Produktion auch neue Perspektiven auf den Fall.

Aileen: Queen of the Serial Killers
Aileen Wuornos

Kritik: Was kann „Aileen: Queen of the Serial Killers“?

„Aileen“ verzichtet weitgehend auf oberflächlichen Sensationalismus und konzentriert sich stattdessen auf gesellschaftliche Faktoren, die zu Wuornos‘ Taten beitrugen. Rein filmisch ist die Doku gut gemacht, auch wenn sie des Öfteren zu sehr zwischen den Zeitebenen hin- und herspringt.

Allerdings gibt es inhaltliche Kritik: Einige Zuschauer und auch Kritiker werfen dem Film vor, zu viel Mitleid mit Wuornos zu wecken, ihre Taten rechtfertigen zu wollen und die Opfer zu vernachlässigen. Tatsächlich werden die sieben getöteten Männer nur am Rande thematisiert. Man erfährt nichts über sie oder ihre Geschichten.

„Aileen: Queen of Serial Killers“ überbetont die sozialen Faktoren, teilweise hat man den Eindruck, Wuornos soll selbst als „Opfer“ der Gesellschaft gezeichnet werden, die zu ihren Taten geradezu getrieben wurde. Nun gehören traumatische Erfahrungen in der Kindheit und Jugend oft zur Biografie späterer Täter, ob männlich oder weiblich. Bekanntlich wird aber nur ein Bruchteil jener Menschen, die selbst Gewalt erfuhren, selbst gewalttätig. Schließlich gibt es den „freien Willen“, Umstände haben zweifelsohne Einfluss auf Handlungen, sind aber nicht einziges treibende Faktor.

Schlussendlich ist Aileen Wuornos eine Killerin, die 7 Menschenleben auf dem Gewissen hat, ungeachtet ihrer eigenen, zweifellos traumatischen Geschichte. Dieses Aspekt kommt in der Netflix-Doku etwas zu kurz, die sich sehr auf die Protagonistin fixiert und deren Taten erklären und verständlich machen will. Trotzdem ist „Aileen“ gerade für True Crime-Fans eine Sichtung wert.

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„Aileen: Queen of the Serial Killers“ – Trailer

Bilder: (c) Netflix