In Österreich, mit seinen paar Fernsehsendern, die allesamt um halbwegs gute Quoten ringen, kann man sich die Situation in den USA vielleicht nur schwer vorstellen, denn dort zählen die großen Nachrichtensender mit zu den einflussreichsten Institutionen überhaupt: Nirgends wird der Kampf zwischen Republikanern und Demokraten medienwirksamer ausgetragen, und so avancieren die Moderatoren der beliebten Primetime-Shows schon mal zu regelrechten Berühmtheiten. 2016 erschütterte dann ein Skandal einen dieser Big Player – der CEO des Senders „FOX“, Roger Ailes, wurde von der ehemaligen Moderatorin Gretchen Carlson der sexuellen Belästigung beschuldigt. Und während zunächst noch alles zu Gunsten Ailes zu laufen schien, wurde sein Schicksal schließlich durch weitere Frauen, die sich den Vorwürfen anschlossen – allen voran auch die bekannte Moderatorin Megyn Kelly – besiegelt.

von Mara Hollenstein-Tirk

Ein brisantes Thema also, welches sich Regisseur Jay Roach, der zuletzt beim Film „Trumbo“ Regie führte, da zur Brust nimmt. Ihm zur Seite stehen bei dieser schweren Aufgabe, neben vielen anderen, drei der gefragtesten Darstellerinnen Hollywoods: Nicole Kidman als Gretchen Carlson, Charlize Theron als Megyn Kelly und Margot Robbie als Kayla Pospisil. Daneben glänzt John Lithgow in der Rolle des eigenwilligen Roger Ailes, der gar nicht zu realisieren scheint, wie ihm geschieht. Auf der schauspielerischen Ebene ist dank dieser Virtuosen alles im grünen Bereich, denn absolut jede/r liefert hier auf den Punkt ab. Sei es Kidman, dank der der Zuschauer deutlich zu spüren bekommt, wie tief die Verletzungen hinter der kühlen, aufgesetzten Fassade eigentlich gehen, Theron, die die innere Zerrissenheit und Zweifel ihrer Figur auch noch in den kleinsten Gesten zum Ausdruck bringt, oder Robbie, welche für zwei der stärksten Szenen überhaupt verantwortlich zeichnet.

Und auch der erst vor kurzem gewonnen Oscar für das beste Make Up ist mehr als verdient, gerade Theron schaut der echten Kelly zum Verwechseln ähnlich und Lithgow erkennt man dank imposantem Fettsuite kaum wieder.

Leider gibt es aber auch einige Schwächen, die den Film davon abhalten, sein volles Potential zu entfalten. Dabei bildet das größte Manko das Pacing und in Verbindung damit auch der Schnitt. Gerade am Anfang braucht es doch recht lange, bis das Geschehen richtig Fahrt aufnimmt, und sobald es dann zur Sache geht, wirkt alles etwas sprunghaft. Das liegt natürlich auch daran, dass sich der Drehbuchautor offensichtlich nicht festlegen konnte/wollte, aus welchem Blickwinkel er die Geschichte nun final erzählen will, weshalb es zwei Protagonistinnen gibt, die immer nur häppchenweise ihre Sicht der Dinge darlegen.

Aufgrund dieses ambitionierten Vorhabens, mehrere gleichwertige Hauptfiguren zu etablieren, etwas das in der Filmgeschichte bisher nur selten überzeugend geglückt ist, fällt auch die Charakterisierung der einzelnen Figuren etwas zu flach aus, ein Mangel, über den man allerdings etwas leichter hinwegsehen kann, beruhen die Charaktere doch immerhin auf realen Vorbildern.

Fazit

Trotz der eben genannten, offensichtlichen Probleme ist „Bombshell“ ein Film, der geschaut werden sollte, der geschaut werden muss, weil er einen ärgerlich und angewidert im Kinositz zurücklässt, weil er einem auf erschreckende Weise vor Augen führt, wie wenig solche Skandale, trotz größtmöglicher Publicity, doch die alteingesessenen Systeme ins Wanken bringen können. Und weil er einem deutlich vor Augen führt, wieso die in letzter Zeit oft so zahn- und substanzlos wirkende MeToo-Bewegung an sich so wichtig ist.

Bewertung

8 von 10 Punkten

Bilder: © Wild Bunch Germany