Das Phänomen des namedropping lässt sich wohl nirgends besser beobachten als in der von uns so geschätzten Filmbranche. „Für Fans von“ oder „Vom Produzenten von“ sind nur zwei der gängigsten Methoden um vorab für Interesse zu sorgen, und so simpel dieses Konzept sein mag – in den meisten Fällen funktioniert es. So auch bei „Halloween Haunt“, der offen damit warb, dass sich hinter ihm dieselben Drehbuchautoren wie hinter dem Überraschungserfolg „A quiet place“ verbergen. Und da doppelt bekanntlich immer besser hält, fungiert niemand geringerer als Tausendsassa Eli Roth als einer der Produzenten. Als dann auch noch bekannt wurde, dass der Film eine Altersfreigabe ab 18 Jahren erhält, hatten wohl auch die letzten Skeptiker leise Hoffnung auf einen brutal schönen Ausflug ins favorisierte Horrorgenre.

von Cliff Brockerhoff

Und, ja – einige Szenen sind durchaus deftig. Hier werden Zähne eingeschlagen, Gliedmaßen durchbohrt und Schrotmunition in bereits geschundene Körper gejagt. An den Ekelgrad eines „Hostel“ reicht das Ganze zwar nicht heran, Zartbesaiteten sei an dieser Stelle aber bereits eine Warnung ausgesprochen. Im Epizentrum des blutigen Treibens steht dabei eine Clique Jugendlicher, die am Halloween-Abend nach dem besonderen Kick sucht und dabei auf ein Horrorhaus stößt, bei dem sich schnell herausstellen sollte, dass die Schausteller ihre Attraktion todernst nehmen. Der Spaß der Gruppe schlägt fortan in ein bitterböses Spiel um Leben und Tod um. Das Problem dabei: Auch der Spaß für den Zuschauer erfährt ein jähes Ende.

Das liegt aber keineswegs daran, dass der Film sich zu sehr seiner Gewalt hingäbe, sondern einzig an der Tatsache, dass die Autoren bei all den Kulissen und Kills scheinbar vergessen haben, dem Film auch eine Handlung zu spendieren. Stattdessen hangelt sich „Halloween Haunt“ von einem Klischee ins Nächste. Angefangen bei den typisch naiven Handlungen (Wir müssen uns aufteilen!) über ganze Szenen, die ohne jeden Zweifel nur dazu dienen den Film irgendwie auf eine halbwegs normale Spielzeit zu hieven bis hin zu einer dermaßen laienhaft platzierten Melodramatik; das Werk macht keine Gefangenen und bietet dem halbwegs anspruchsvollen Betrachter eine unerschöpfliche Quelle für Kritik. Natürlich könnte nun angeführt werden, dass der Fokus eines solchen Films nicht auf einer gehaltvollen Story liegt, darauf sollten sich die Filmemacher dann aber auch verständigen. Der Versuch sich mittels Dramaturgie eines Einzelschicksals von vergleichbaren Horrorfilmen zu distanzieren, beziehungsweise sich durch ein Alleinstellungsmerkmal über diese zu erheben, schlägt vollkommen fehl.

Nicht etwa weil die passablen Jungschauspieler nicht in der Lage sind die Vorgaben umzusetzen, es sind vielmehr die durchschaubaren Stationen, die der Film uninspiriert abarbeitet und die knapp 90 Minuten zu einer Qual werden lässt, die jegliches Flehen ignoriert. Selbst das zügige Erzähltempo kann die sich einstellende Langeweile nur kurzzeitig bekämpfen und sorgt im Laufe der Zeit sogar eher dafür, dass der Zuschauer, unisono zu den belanglosen Charakteren innerhalb des Szenarios, komplett die Orientierung verliert und aufkeimende Atmosphäre mit dem Vorschlaghammer zu Brei verarbeitet. Jumpscares lassen sich schon Sekunden vor dem Effekt vorhersagen und laufen somit ebenfalls völlig ins Leere. Und als wäre all das noch nicht genug, versucht sich das Drehbuch am Ende noch an einem Twist, dem die pure Verzweiflung ins Gesicht geschrieben steht.

Fazit:

Süßes oder Saures? In „Halloween Haunt“ schmeckt höchstens der Abspann nach süßer Erlösung. Alles davor Dargebotene lässt erfahrene Horrorfans sauer aufstoßen, kann der Film doch nicht einmal ansatzweise mit den Werken mithalten, die er pausenlos imitiert. Lediglich einige Kostüme und die Leistung der Schauspieler umschiffen den Super-GAU, von der Kreativität eines „A quiet place“ ist der Film dennoch meilenweit entfernt, sodass es am Ende schwerfällt überhaupt irgendjemandem den Kinogang zu empfehlen.

Bewertung:

3 von 10

Bilder: ©Splendid Film GmbH

Werbeanzeigen