Der Streamingdienst Netflix hat gestern die Übernahme eines traditionellen, von der Schließung bedrohten Kinos im New Yorker Stadtteil Manhattan bekanntgegeben. „We’re beyond thrilled to announce that the doors to New York’s iconic Paris Theatre will remain open!“ , teilte Netflix via Twitter mit. Die im Vorjahr angekündigte Schließung des Kinos ist somit vom Tisch.

Medienberichten zufolge will Netflix im rund 500 Sitzplätze umfassenden Paris Theatre künftig Eigenproduktionen zeigen und für „spezielle Events“ nutzen. Bereits im November feierte Netflix die Premiere von Noah Baumbachs „Marriage Story“ in dem 1948 eröffneten Programmkino.

Der Schritt kommt doch überraschend, da Netflix sich bisher ja vor allem dadurch auszeichnete, nicht auf das Kino bzw. den klassischen Kinobetrieb angewiesen zu sein, und sich durchaus als „Gegenprogramm“ zur gewohnten Distributionsstruktur sah: Die Produktion, Bewerbung und Verbreitung der Filme übernahm man selbst, und war dadurch von großen Filmstudios unabhängig.

Doch bereits seit einer Weile lässt sich eine Veränderung feststellen: Auch bei uns werden neue Netflix-Filme, wie etwa der „Irishman“ oder „Marriage Story“, in Kinos – wenn auch meist nur für limitierte Zeit – gezeigt, bis vor 2 Jahren undenkbar. Es mag auch sein, dass die Zusammenarbeit mit Regisseuren wie Scorsese, Cuaron oder Baumbach, allesamt Verfechter des „klassischen Kinos“, zu einem Umdenken beigetragen hat. Diese Entwicklung ist jedenfalls zu begrüßen. (ck)

-> Essay zur Frage: „Was ist Kino?“

Bild: Netflix / Twitter Screenshot