Mit „Lo Gomera“ kommt am 14.2. ein Film ins Kino, der laut Berichten schon in Cannes für Furore sorgte, und auch auf der Viennale 19 zu sehen war: Ein rumänischer Mafia-Thriller, der von Korruption erzählt und von Protagonisten, die sich stets selbst die Nächsten sind. Leider kann der Film die Erwartungen nur bedingt erfüllen – ein teils extrem verworrener Plot mit losen Enden ohne Ende und wenig funktionierendem Spannungsaufbau beraubt „La Gomera“ seines durchaus vorhandenen Potentials.

von Christian Klosz

Oberflächlich erzählt der Film von Regisseur Cornelio Porumboiu vom Polizisten Cristi, der sich mit der Mafia einlässt und entdeckt wird. Verdeckte Ermittler folgem ihm auf Schritt und Tritt und überwachen jede seiner Bewegungen. Von seiner Bekannten Gilda bekommt er den Rat, auf die spanische Insel Lo Gomera zu reisen, wo er die geheime Pfeifsprache der Bewohner lernen soll, um so weiterhin – trotz Überwachung – mit den Mafiosi kommunizieren zu können, und zu vereinbaren, was mit dem versteckten Geld vom letzten Coup geschehen soll. Bei genauerem Hinsehen erzählt „La Gomera“ von einer von Korruption zerfressenen, rumänischen Gesellschaft, wo selbst die Polizeibürokratie nicht anders läuft als die Mafia, und jeder ein doppeltes Spiel spielt. Regisseur Poromboiu legt das Ganze als zitatreicher, aber leider auch verwirrender Neo-Noir an, bei dem der Funke nie so wirklich überspringen will.

Positiv hervorzuheben sind die soliden Darstellerleistungen und der wirklich exquisite Soundtrack: Von Iggy Pop über Meckie Messer bis hin zu Offenbachs „Barcarolle“, die quasi als Grundmotiv eingesetzt wird, ist alles dabei. Das Problem: Die Filmmusik bietet so etwas wie den einzigen roten Faden, an dem sich der Zuschauer festhalten kann, während der Plot erratisch zwischen Schauplätzen und Zeitebenen hin- und herspringt und so zunehmend für Konfusion sorgt. Das führt leider auch dazu, dass der Zuschauer nie wirklich in den Film „hineinfindet“. Das Drehbuch muss man als großes Manko von „La Gomera“ bezeichnen, hier wäre etwas weniger wohl mehr gewesen.

Einen dann doch noch versöhnlichen Abschluss bietet das Ende bzw. der Abspann, das als kleines Kunstwerk für sich stehen könnte und für einiges davor entschädigt: Cristi, inzwischen zwar seiner misslichen Lage entronnen, aber aufgrund eines körperlichen Angriffs auf ihn stumm geworden, kommuniziert seiner Partnerin in crime Gilda per Pfeifsprache aus dem Krankenhaus, dass man sich in Singapur treffen könne. Dort, bei einer irrwitzigen Sound & Light-Show im Hotel Gardens By The Bay, unterlegt von Klassikern klassischer Musik von Tschaikowsky bis Strauss, lässt der Regisseur seinen etwas seltsamen Film ausklingen. Man hätte sich schon davor etwas mehr Konsequenz in den inszenatorischen Entscheidungen gewünscht.

Fazit

Verworren, verwirrend, publikumsfeindlich, spannungsarm: Das wären die negativen Attribute, die man „La Gomera“ attestieren kann. Solides Schauspiel, ein exquisiter Soundtrack und ein grandioses Finale kann man dem auf der Haben-Seite entgegenhalten; alles in allem: ein durchschnittlicher Film, bei dem sich Vorzüge und Schwächen die Waage halten.

Bewertung

5 von 10 Punkten

Bilder: (c) Alamode Film