Dieter „Didi“ Hallervorden ist wieder politisch unterwegs – und diesmal zieht es ihn ausgerechnet in den sachsen-anhaltischen Landtagswahlkampf. In mehreren aktuellen TikTok-Videos wirbt der 90-jährige Schauspieler und Kabarettist dafür, die AfD nicht zu wählen.
In einem der Clips sagt Hallervorden: „Leute, ich bin ja sehr erfolgreich in der Schädlingsbekämpfung. Wie ich das mache? Ja, ich wähle einfach nicht AfD. Ja, versucht’s auch mal. Das hilft.“ Das Video wurde Mitte August 2026 auf seinem offiziellen TikTok-Account veröffentlicht und verbreitete sich anschließend auch über andere soziale Netzwerke.
„Schädlingsbekämpfung“ a la Hallervorden: Nicht AfD wählen!
Es bleibt nicht bei diesem einen Spruch. In einem weiteren Video erklärt Hallervorden: „Ob in Sachsen-Anhalt oder an der Spree, Vernunft wählt niemals AfD.“ Außerdem empfiehlt er Menschen, die „manchmal ihren Denkapparat benutzen“, die „rechte AfD mal links liegen“ zu lassen. Der Gewinner sei dann Deutschland. In einem anderen Clip vergleicht er die AfD für die Demokratie mit einem „Feuersturm“.
Der aktuelle Auftritt kommt zudem nicht aus dem Nichts. Hallervorden hat sich in den vergangenen Jahren zunehmend politisch geäußert und dabei wiederholt für Kontroversen gesorgt.
Besonders deutlich wurde das 2024 mit seinem gemeinsam mit Diether Dehm veröffentlichten „Gaza“-Gedicht. Hallervorden kritisierte darin die israelische Regierung und sprach von einem „Genozid“. Die Aussagen lösten heftige Kritik und auch Antisemitismusvorwürfe aus. Hallervorden selbst wies diese zurück und erklärte, sein Anliegen sei ein Aufruf zum Frieden gewesen.
Hallervorden und die politische Provokation
Noch problematischer wurde es im April 2025. Hallervorden ließ sich bei der Dresdner „Friedensprozession“ per Video zuschalten – einer Veranstaltung, bei der neben Querdenkern auch Rechtsextreme auftraten. Hallervorden sprach über die deutsche „Kriegstüchtigkeit“, warnte vor einem Dritten Weltkrieg und zog einen Vergleich zur NS-Propaganda. Auffällig war dabei vor allem, dass der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine in seiner Argumentation kaum eine Rolle spielte. Genau diese Auslassung wurde ihm anschließend als einseitig beziehungsweise als Nähe zu russischen Narrativen vorgeworfen.
Hinzu kamen weitere Kontroversen: 2025 sorgte Hallervorden unter anderem mit einer Neuauflage seines „Palim, Palim!“-Sketches für Kritik, weil darin rassistisch beziehungsweise diskriminierend empfundene Begriffe verwendet wurden.
Vom Friedensaktivisten zum AfD-Gegner
Auf den ersten Blick wirkt Hallervordens aktueller Kurs wie eine politische Kehrtwende. Tatsächlich ist das Bild komplizierter. Hallervorden war auch während seiner kontroversen Friedensauftritte keineswegs als AfD-Unterstützer aufgetreten. Im Gegenteil: Er betonte bereits 2025, Gegner der AfD zu sein.
Neu ist deshalb weniger, dass Hallervorden gegen die AfD Stellung bezieht. Neu ist die Schärfe seiner Sprache – und der direkte Einsatz dieser Prominenz im Wahlkampf. In Sachsen-Anhalt unterstützt Hallervorden inzwischen öffentlich CDU-Ministerpräsident Sven Schulze. Beide traten gemeinsam im Wahlkampf auf. Hallervorden versucht damit erklärtermaßen, eine AfD-Regierung nach der Landtagswahl am 6. September zu verhindern. (Red, ck)
Bild: (c) Dr. Frank Gaeth
