Bei der Berlinale war „Malmkrog“, das neue Werk des rumänischen Regisseurs Cristi Puiu, einer der Filme, der für das größte Aufsehen sorgte: Als Eröffnungsfilm der neu geschaffenen „Encounters“-Sektion, die neue und/oder eigenständige Stimmen des Weltkino ausstellen möchte, sorgte das 200-Minuten-Mammutwerk für großteils positives Echo bei der Kritik, und Puiu wurde, zurecht, als bester Regisseur der Encounters-Filme prämiert.

„Malmkrog“ spielt um 1900 in einem russischen Herrenhaus, wo sich die Aristokratie zum Dinieren und Parlieren trifft. Die ausschweifenden, philosophischen Gespräche, die den Inhalt des Films darstellen, drehen sich um Gott und die Welt, Krieg und Frieden, aber auch „Europa“ und seine kulturelle, politische und ideologische Bedeutung. Verblüffend ist, wie es Puiu schafft, den auf die damaligen Verhältnisse bezogenen Äußerungen Aktualität zu verleihen, und so zu zeigen, dass intellektuelle Diskurse in zeitlichen Zyklen verlaufen, und die Themen heute keine komplett anderen sind.

Besonders gelungen ist Puius Kniff, die schwadronierenden Gespräche bewundernd in die Auslage zu stellen, und sie zugleich als gehobenes Geschwätz zu entarnen, das nur bedingt etwas über die realen gesellschaftlichen Verhältnisse und das Leben der Menschen „da draußen“ aussagt. Darin zeigt sich Puius wunderbar subtile, weil verdeckte, aber dadurch umso schärfere Zeitgeist-Kritik. Man kann nur hoffen, dass auch ein Verleih bei uns den Mut aufbringt, dieses elegante Monster von einem Film im Kino zu zeigen. (Christian Klosz)

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Bild: (c) Mandragora