Al Pacino wird heute bereits unglaubliche 80 Jahre alt. Nach einer kleinen Durststrecke in den vergangenen Jahren feierte er 2019 mit seinen Auftritten in „Once upon a time…in Hollywood“ und vor Allem „Irishman“ ein vielbeachtetes Comeback, derzeit ist er in der Serie „Hunters“ zu sehen.

Wir wollen anhand 3 ausgewählter Filmtipps seine große Karriere Revue passieren lassen, es handelt sich dabei um einen Film vom Karrierebeginn, einen aus der „Hochblüte“ in den 90ern und einem neueren Werk. Alle Filme sind derzeit online verfügbar, 2 davon sogar auf Netflix. Viel Spaß beim Lesen und Schauen!

von Christian Klosz


1. „Scarface“

derzeit zu sehen bei: Netflix

Ein wahrer 80´s – Klassiker: „Scarface“ von Brian de Palma aus dem Jahre 1983, an sich ein Re-Make eines Gangster-Klassikers aus den 30-ern, erlangte der Film inzwischen Kult-Status. Bemerkenswert ist neben der Brutalität und Rohheit des Films vor Allem Al Pacinos Darstellung als Tony Montana, der „Scarface“ beinahe alleine auf seinen Schultern trägt.

Der Film basiert auf einem Drehbuch von Oliver Stone („Wall Street“, „JFK“), der vor seiner Regie-Karriere in diesem Bereich reüssierte. Gedacht war „Scarface“ stets als politischer Film, als Kapitalismuskritik. Wie meist bei Stone wird die Kritik nicht oberflächlich moralisierend vorgetragen, sondern über die Beschreibung dessen, was den Kapitalismus ausmacht, wozu er führt: Tony Montana ist ein Flüchtling aus Kuba, der in den USA eine neue Chance sucht. Schnell kommt er auf den Geschmack der Gier, des „Immer-mehr-Wollen“: Geld, Kokain, Macht – „The World is yours“ wird das neue Motto.

Brian de Palma hält sich mit seiner Regie auffällig zurück, überlässt dem Drehbuch und seinen Akteuren viel Raum, den vor Allem Pacino zu nutzen weiß: Seine Darstellung als überlebensgroßer „Edel-Proll“ gilt inzwischen als geradezu ikonisch. Hervorzuheben ist weiters der tolle Soundtrack von Giorgio Moroder, der die Szenen unverkennbar mit seinem Synthie-Sound unterlegt.

Es gibt bestimmt emotional tiefgründigere Filme, auch solche, die ihre Message mit mehr Finesse vermitteln: Sehenswert ist „Scarface“ aber allemal. Neben der erwähnten, geschickt verpackten Kapitalismus-Kritik besitzt der Film hohen Unterhaltungswert, und besticht durch atemberaubende Bilder und seine Atmosphäre. Ironie der (Film-)Geschichte: „Scarface“ galt mit seiner zur Schau gestellten protzigen Ausstattung lange Zeit als Vorbild für die Hip-Hop-Kultur, die der Idee „from the bottom to the top“ ja nicht unbedingt übermäßig kritisch gegenübersteht.

pngbase64a86e73078648552e.jpg

2. „Im Auftrag des Teufels“

zu leihen bei Cineplex Home, Amazon oder iTunes (ab 2.99€)

Ein Film über den Teufel, der in menschlicher Form auf der Erde sein Unwesen treibt? Es gibt spannendere Ausgangspunkte für einen Film, der überzeugen möchte. Taylor Hackford schafft es mit „Im Auftrag des Teufels“ aus dem jahr 1997 aber dennoch, aus einer simplen Grundidee einen überraschend packenden, fesselnden und pervers unterhaltsamen Okkult-Thriller zu machen, der nicht zuletzt durch einen groß aufspielenden Al Pacino zu überzeugen weiß.

Kevin Lomax (Keanu Reeves) ist auf der Überholspur: Seine Erfolge als Provinzanwalt in Florida haben sich bis nach New York herumgesprochen, weshalb ihm ein lukratives Angebot von „Milton, Chadwick & Waters.“, einer angesehenen Anwaltskanzlei aus der Großstadt, vorgelegt wird. Frau Mary Ann (Charleeze Theron), der die Kleinstadt sowieso immer zuwider war, ist sofort begeistert, und so werden die Sachen gepackt, und es geht auf in den „Big Apple“. Dort winken Geld, eine neue Wohnung in Manhatten, und jede Menge Ruhm und Ehre. Firmenboss Milton (Pacino) ist sofort angetan vom jungen „Kev“, und widmet ihm seine ganze Aufmerksamkeit. Doch langsam stellt sich heraus, dass hier nicht alles ist, wie es scheint…

„Im Auftrag des Teufels“ schafft es, aus einer mäßig kreativen Grundidee und einem nicht mehr als soliden Plot einen höchst unterhaltsamen und klugen Film zu basteln. Während es sicher Filme gibt, die die Frage nach „Gut und Böse“ tiefgründiger und intelligenter beantworten, gibt es nicht viele Filme, die es derart unterhaltsam machen.

Während Keanu Reeves als junger Anwalt Lomax eine glatte Fehlbesetzung ist (sein Schauspiel zeichnet sich durch starre Gesichtsmimik und einen furchtbar antrainierten Südstaaten-Dialekt aus), liefert Al Pacino in der Rolle des „Luzifer“ eine Glanzleistung ab, die sich durchaus mit seiner Darstellung  von Tony Montana in „Scarface“ oder anderen Performances messen kann, und diese teilweise sogar noch übertrifft. Kraftvolles Over-Acting, versehen mit diabolischem Augenzwinkern und versiert vorgetragenen Monologen machen diese Leistung unbedingt sehenswert.

Auch Charlize Theron´s Schauspiel ist zu würdigen, der Film gehört jedoch klar Pacino, der der unumschränkte Gravitationspunkt von „Im Auftrag des Teufels“ ist.

Hervorzuheben ist des weiteren die düstere Atmosphäre, die den Film auszeichnet (das Gefühl einer subversiven Bedrohung, die sich erst im Lauf des Films offenbart, ist permanent spürbar), und ihn so unterhaltsam macht, und die glänzende Ausstattung: Der Film verführt den Zuschauer, wie Al Pacino alias Luzifer den naiven Kevin verführt.

Fazit: „Im Auftrag des Teufels“ bietet keine tiefgründige Auseinandersetzung mit dem Wesen des „Bösen“; vielmehr ist der Film verführerisch gutes und unterhaltsames Popcorn-Kino, das den Kampf zwischen „Gut und Böse“ in ein äußerst schickes Gewand packt. Highly entertaining!

2017969,CAy56Rwu1NrBC7b01Hj51sy_bKkE2K8SKJaTxFPaHy4ukgr0i6X53wH4ohwA3gAOZmSGjIltu8m8+putdBgbSg==

Weiter auf Seite 2 !