von Elli Leeb

Passend zum heutigen zweiten Sonntag im Mai – an dem bekanntlich im deutschsprachigen Raum und in vielen anderen Ländern der Muttertag gefeiert wird – zelebrieren wir hier Harald Sicheritz‘ Spielfilm „Muttertag – Die härtere Komödie“.  Der Film zählt zu den bekanntesten österreichischen „Kabarettfilmen“ der frühen 1990er Jahre und hat hierzulande Kultstatus. Jedes Jahr aufs Neue wird der Film am Muttertag im Fernsehen ausgestrahlt, so auch heute um 20.15 Uhr auf ORF 1.

In „Muttertag“ erhalten wir 48 Stunden lang Einblick in das turbulente Leben der kleinbürgerlichen Familie Neugebauer. Jedes Familienmitglied hat sein kleines Geheimnis, das es versucht zu vertuschen: Sei es der Seitensprung des Vaters, die Kleptomanie der Mutter, der senile Großvater, der aus Angst, ins Heim zu kommen, das gesamte Vermögen aller Sparbücher der Familie spendet oder der Sohn, der seiner Mutter ein elektrisches Fleischmesser so präparieren will, dass sie daran zugrunde gehen soll. Als „sozialer Brennpunkt“ fungiert die Wohnhausanlage „Am Schöpfwerk“ im 12. Wiener Gemeindebezirk, in der es auch am Tag des Muttertags zu einem grotesken Showdown kommt.

Das Besondere an diesem schwarzhumorigen Kabarettfilm ist, dass der Film vorwiegend von fünf Schauspielern und Schauspielerinnen getragen wird, die gleich mehrere Figuren verkörpern. Allen voran Alfred Düringer, der gleich acht verschiedene Protagonisten mimt, unter anderem die Rolle des Opas Neugebauer, der immer wieder den ikonischen Satz „I sogs glei, I wors ned!“ von sich gibt. Dieses und auch noch viele weitere Zitate sind mittlerweile fixer Bestandteil von Österreichs Kulturgut und haben auch mehr oder minder ihren Weg in den allgemeinen Sprachgebrauch gefunden.

Das Drehbuch zum Film stammt aus der Feder der beiden Kabarettisten Roland Düringer und Alfred Dorfer, die zum damaligen Zeitpunkt gemeinsam mit Andrea Händler, Rainhard Nowak sowie Eva Billisich Teil der Kabarettgruppe „Schlabarett“ waren, und die allesamt aus diesem Grunde insgesamt 24 Rollen in „Muttertag“ spielen. Auch abgesehen von den fünf sind so ziemlich alle bekannten Schauspieler/innen und Kabarettist/innen der damaligen Zeit in dem Film zu sehen.

„Muttertag“ – auch heute am 10.5.2020 um 20:15 auf ORF 1 zu sehen.

Zusammen mit dem Film „Indien“, den wir hier zuletzt besprochen haben, bildete „Muttertag“ eine inzwischen typisch gewordene Stilrichtung des österreichischen kabarettistischen Spielfilms heraus. Auf satirische und durchwegs sarkastische Weise werden hier charakteristische Eigenarten der Wiener Durchschnittsbevölkerung karikiert. Der Humor fällt allerdings – wie der Beiname des Films „Die härtere Komödie“ schon anzudeuten versucht – in die Kategorie deftig beziehungsweise pechschwarz, worauf man sich schon erstmal einlassen muss, um den Film genießen zu können. Somit ist der Film sicherlich nicht für jeden geeignet. Nichtsdestotrotz ist er Teil der österreichischen Gegenwartskultur und wurde unter anderem im Jahr 2012 in einer Umfrage eines Radiosenders zum besten österreichischen Film aller Zeiten ernannt.

Fazit

99 Minuten lang punktet Harald Sicheritz‘ Komödie „Muttertag“ mit skurrilen Einfällen und dem so typisch „österreichischen“ Humor. Herzlich überzogene Sketches und Szenarien, die allesamt von namhaften heimischen Kabarettist/innen gespielt werden, haben dem Film zu seinem Kultstatus verholfen. Ein Film, den man im deutschen Sprachraum auf jeden Fall einmal gesehen haben muss – wenn nicht sogar öfters.

„Muttertag“ ist heute, am 10.5.2020 um 20:15 auf ORF 1 zu sehen.


Elli Leeb präsentiert, zumindest solange die Kinos geschlossen haben, immer Sonntags „Klassiker des österreichischen Films“. Damit möchten wir der österreichischen Filmwirtschaft und dem österreichischen Film allgemein den Respekt zollen, den es derzeit vonseiten der Politik nur in unzureichendem Ausmaß gibt. Sofern die Filme auf österreichischen Streaming-Anbietern (z.B. Kino VOD Club) verfügbar sind, kann der Erwerb auch eine kleine Unterstützung für die österreichischen Verleiher und Programmkinos sein. Die weiteren, bereits vorgestellten Film-Klassiker lassen sich HIER nachlesen.

Bilder: © Stadtkino Filmverleih