Es kommt zum unerwarteten Familien-Clash im italienischen Sommeridyll, als der intellektuelle Kunsthändler und Familienvater Toni (Fabrizio Bentivoglio) seinen Verwandten offenbart, dass er das Gästehaus seiner Strandvilla an die ärmliche Arbeiterfamilie rund um Fischhändler Carlo (Alessandro Gassmann) vermietet hat. Nur wenig später stellt sich heraus, dass der wahre Grund für das Zusammentreffen der denkbar unterschiedlichen Familien ein gänzlich anderer ist: Denn tatsächlich führen Toni und Carlo schon seit geraumer Zeit eine geheime Beziehung und wollen einander im Sommer heiraten. Während manche Familienmitglieder die Überraschung schnell verkraften, haben manche ein deutlich größeres Problem mit der Partnerwahl der beiden hetero-geglaubten älteren Herren. Also bringt Tonis unzufriedene Tochter Penelope (Jasmine Trinca) Carlos homophoben Sohn Sandro (Filippo Scicchitano) dazu, sie bei einem perfiden Vorhaben zu unterstützen: Sie möchte die Beziehung der beiden sabotieren und so die Hochzeit verhindern.

von Paul Kunz

Wer nach dem Lesen dieser Zusammenfassung meint, bereits abschätzen zu können, wie sich der Handlungsverlauf des Films vollzieht, der behält vermutlich recht. Die Geschichte nutzt die Schablone zahlreicher Familienkomödien und ist dementsprechend zu jeder Zeit vorhersehbar – eine beinahe entspannende Qualität. Am überraschendsten ist noch der Umstand, dass der Film sich weniger mit der Sexualität der beiden Männer, und dafür mehr mit den Klassenkonflikten zwischen den beiden Familien auseinandersetzt. Enttäuschend ist allerdings, dass der Film sich dabei über einen Großteil der Laufzeit auf mittelmäßig zündende Situationskomik und ermüdende Klischees verlässt.

Zwar gibt es aufrichtige Momente der Herzlichkeit zwischen den Figuren, etwa, wenn ein Streit am Esstisch deeskaliert wird, indem die ganze Familie gemeinsam auf der Terrasse zu tanzen beginnt oder wenn der Enkelsohn sich völlig unbeeindruckt von der Tatsache zeigt, dass sein Opa jetzt einen Mann heiraten möchte. Aber zumeist kratzt das Drehbuch nur an der Oberfläche des emotionalen Potenzials seiner Prämisse. Erst wenn der Film gegen Ende doch noch etwas tiefer in die Gefühlswelt seiner Figuren eintaucht, erhascht man einen Blick auf die Möglichkeiten, die hier verschenkt wurden.

Amore al dente film

Hier darf „Amore Al Dente“ seinem charmanten Ensemble-Cast danken, der es vermag einige der Schwächen im Drehbuch zu überdecken. Besondere Freude bereitet der Leading Man Alessandro Gassmann. Er muss als bodenständiger Carlo nicht nur das turbulente Familienchaos, sondern auch den ungeahnt extravaganten Lebensstil seines künftigen Gatten verarbeiten. Gassmann spielt die resultierende Überforderung mit komödiantischem Talent, aber auch mit herzerwärmender Nahbarkeit und kreiert somit die rundeste Figur im Film. Schade nur, dass er und Filmpartner Fabrizio Bentivoglio keine echte Chemie entwickeln und auch das Drehbuch nie glaubhaft vermittelt, dass die beiden trotz ihrer unzähligen Unterschiede unsterblich ineinander verliebt sind. Viel lebhafter und interessanter sind die Beziehung zwischen Carlo und seinem homophoben Sohn Sandro, sowie seiner intrigierenden Schwiegertochter Penelope.

Fazit

Regisseur Simone Godano präsentiert mit „Amore Al Dente“ eine höchst konventionelle Familienkomödie, die das Potenzial ihrer Prämisse über einen Großteil der Laufzeit verschenkt und erst gegen Ende etwas tiefer geht. Dankenswerterweise sorgt ein talentierter und charmanter Cast dafür, dass auch davor keine Langeweile aufkommt. Insofern ist „Amore Al Dente“ zwar kein großes filmisches Ereignis, aber dennoch eine herzerwärmende Angelegenheit, die all jenen empfohlen sei, die in Sommertagen mit eingeschränkten Reisemöglichkeiten einen leichten Feelgood-Film mit italienischem Flair herbeisehnen. „Amore al dente“ ist ab 17.7. im Kino zu sehen.

Bewertung

Bewertung: 6 von 10.

Bilder: © Filmladen Filmverleih