Bereits seit vielen Jahren erfreuen sie sich auch in den hiesigen Lichtspielhäusern immer größerer Beliebtheit: Französische Komödien. Gespickt mit einer Prise Gesellschaftskritik, einem feinen Sinn für Humor und zumeist mit hervorragenden Schauspielern besetzt, bieten die meisten dieser Filme kurzweilige Abendunterhaltung, fernab von plumpen Sprüchen und Fäkalhumor. Und auch der neue Streich von Regisseur Jean-Paul Salomé, welcher dieses Wochenende in unseren Kinos startet, weiß zu gefallen – wenn auch nicht zu überraschen.

von Mara Hollenstein-Tirk

Eine kurze Inhaltsangabe gibt bereits einen deutlichen Hinweis bezüglich des fehlenden Überraschungsmoments: Patience (Isabelle Huppert) arbeitet als Dolmetscherin für Arabisch bei der Drogen-Taskforce der französischen Polizei, doch so wirklich erfüllend findet sie ihre Tätigkeit nicht. Als eines Tages das Pflegeheim ihre Mutter vor die Tür setzen will, weil Patience mit den Zahlungen im Rückstand ist, wird schnell klar: Geld muss her. Da trifft es sich gut, dass gerade eine gewaltige Ladung Haschisch ins Land geschmuggelt werden soll, welches sich Patience dank ihres Insiderwissens kurzerhand unter den Nagel reißt. Doch während zunächst alles hervorragend zu laufen scheint, sind ihr nicht nur ihre Kollegen bei der Polizei, sondern auch die betrogenen Verbrecher immer dichter auf den Fersen.

Für wen sich das alles seltsam vertraut anhört, der hat vielleicht „Grasgeflüster“, eine britische Komödie aus dem Jahr 2000, gesehen, in der ebenfalls eine in Nöten geratene Frau den Handel mit Marihuana als letzte Rettung in Angriff nimmt. Oder die Serie „Weeds“, in der eine Vorstadtmom, ebenfalls wegen Geldsorgen, anfängt, ihre Nachbarschaft mit Gras zu versorgen. Man sieht also, die Idee der bürgerlichen Frau, die, bedingt durch die Umstände, zur Dealerin wird, ist nichts wirklich Neues. Was eigentlich auch nur halb so schlimm wäre – immerhin gibt es heutzutage kaum mehr wirklich originelle Geschichten zu erzählen – wenn „Eine Frau mit berauschenden Talenten“ dafür an anderer Stelle vollends überzeugen würde.

Bei Komödien sind zündende Gags und gut platzierte Lacher zum Beispiel weitaus wichtiger als eine kreative Prämisse. Leider schwächelt der Film aber ausgerechnet in dieser so wichtigen Disziplin. Das liegt einerseits daran, dass er sich zu Beginn wirklich sehr viel Zeit lässt, um seine Figuren einzuführen, was zwar der Charakterentwicklung zuträglich ist, in der ersten halben Stunde aber doch zu sehr an ein waschechtes Drama erinnert, da die Mundwinkel hier nicht ein einziges Mal auch nur ansatzweise nach oben gehen. Sobald die Drogen dann aber im Spiel sind, nimmt die Sache endlich Fahrt auf, bleibt aber trotzdem hinter den Möglichkeiten zurück. Zu vorhersehbar und routiniert wird das Geschehen hier abgespult, als dass jemals so etwas wie Spannung oder echte Überraschung beim Zuschauer aufkommen könnte.

So bleiben die echten Lacher rar gesät und die milden Schmunzler überwiegen. Doch auch, wenn sich das alles jetzt ziemlich negativ anhört, gibt es einen Punkt, der eindeutig für eine Sichtung spricht und den Film ein klein wenig über das komplette Mittelmaß hinaushebt: Isabelle Huppert. Die Grande Dame des französischen Kinos beweist hier einmal mehr auf eindrucksvolle Weise, wieso sie zu den ganzen Großen zählt. Mit einem Blick verleiht sie ihrer Patience mehr Tiefe als so manche Dialogzeile es je könnte. Und auch ihr Timing ist auf den Punkt, was natürlich etwas bitter ist, da man so schnell erkennt, was für ein Potenzial in diesem Film gesteckt hätte, wenn nur die Pointen etwas knackiger geschrieben worden wären.

Schließlich noch eine Anmerkung bezüglich des deutschen Titels: Im Original heißt der Film nämlich „La daronne“, was übersetzt so viel bedeutet wie „Die Alte“, ein Titel der seinen Ursprung im Film selbst hat, da dies der Deckname unserer Protagonistin in der französischen Unterwelt ist. Wieso der deutsche Verleih also meinte, dass ein schlechtes Wortspiel, welches durchaus auch Assoziationen an ein eher pikantes Filmgenre zulässt, ein passenderer Titel für den deutschsprachigen Markt sei, ist wirklich schleierhaft – reiht sich dafür aber in eine lange Tradition verhunzter, eingedeutscher Filmtitel ein.

Fazit:

Wer gerne einmal wieder eine kurzweilige Komödie mit einer hervorragend aufspielenden Isabelle Huppert sehen möchte, der könnte es durchaus schlechter erwischen als mit „Eine Frau mit berauschenden Talenten“, einen potenten Angriff auf die Lachmuskeln sollte man sich aber lieber nicht erwarten.

Bewertung:

Bewertung: 7 von 10.

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Bilder: (c) Neue Visionen Filmverleih