K.I. – zwei Buchstaben, welche die Filmlandschaft nun bereits seit Jahrzehnten nicht mehr loslassen. Kein Wunder, immerhin lässt sich das Spiel mit der künstlichen Intelligenz mannigfach ein- und umsetzen. Sei es ein Militärcomputer, der plötzlich anfängt sein eigenes Ding durchzuziehen, ein Roboter, der als Kinderersatz dienen soll, oder lediglich eine Stimme, die einem von dem technischen Gerät seiner Wahl entgegenschallt. Letzteres Konzept gipfelte bereits in dem wunderbaren Film „Her“ mit Joaquin Phoenix in der Hauptrolle und Scarlett Johansson als verführerischer Computerstimme (da können sich Siri, Alexa und Co. noch was abschauen!).

von Mara Hollenstein-Tirk

Doch während „Her“ als waschechtes Liebesdrama angelegt ist, wählt die neue Amazon Produktion „Jexi“ lieber einen komödiantischen Ansatz. Das wird alleine schon in der Ausformung der K.I. mehr als deutlich. Denn Jexi ist, wenn man es mit ihren Worten ausdrücken würde, eine ziemliche Bitch. Ja, ihr lest richtig. Das Vokabular der virtuellen Dame ist nicht von schlechten Eltern. Hier wird geflucht, mit Kraftausdrücken nur so um sich geworfen und beleidigt was das Zeug hält. Natürlich nur zum Besten des Nutzers Phil (gespielt von Adam DeVine). Dieser ist nämlich ein schier hoffnungsloser Fall, der seine Abende lieber alleine Zuhause vor dem TV verbringt und sich das immer selbe Essen beim immer selben Chinesen bestellt, anstatt etwas mit seinen Kollegen zu unternehmen. Doch als Jexis Bemühungen beginnen zu fruchten, sieht sich die K.I. plötzlich mit einem neuen Gefühl konfrontiert, welches für ordentlichen Wirbel sorgt: Eifersucht.

Und tatsächlich ließe sich aus der Prämisse „Was wäre, wenn dein Handy sich plötzlich wie eine eifersüchtige Furie benehmen würde?“ einiges machen. Immerhin gibt es heutzutage viele Menschen, die quasi ihr ganzes Leben auf dem kleinen Gerät in ihrer Tasche haben. Kalender, Mail, Social Media, Bankgeschäfte, alles kann bequem per App verwaltet werden – und dadurch theoretisch von einer eifersüchtigen K.I. zu Rachezwecken genutzt werden. Kreativen Köpfen fallen wohl schon nach kurzer Zeit dutzende Möglichkeiten ein, was man mit dieser Ausgangslage alles Lustiges anstellen könnte. Und selbst weniger kreativen fallen wahrscheinlich zumindest ein paar Dinge ein. Und genau hier liegt der Hund von „Jexi“ begraben: Denn offensichtlich sind auch den Drehbuchautoren zunächst einmal die offensichtlichsten Gags eingefallen, doch anstatt noch tiefer zu graben, haben sie einfach diese erstbesten Witzchen in den Film gepackt.

Das bedeutet nun nicht, dass diese Szenen nicht für Erheiterung sorgen würden, aber sie schaffen es kaum, wirklich zu überraschen. Eigentlich ist nichts an den 84 Minuten Laufzeit wirklich überraschend. Außer vielleicht die Tatsache, dass der Rom-Anteil dieser RomCom doch größer ist, als der Trailer vermuten lässt. Vielleicht zünden deswegen auch nur wenige Gags in Verbindung mit der titelgebenden K.I. wirklich gut, weil diese ziemlich schnell ins Abseits gedrängt wird, um einer realen Frau (Alexandra Shipp) Platz zu machen – sowohl storytechnisch, als auch inszenatorisch. Doch leider bietet auch dieser zwischenmenschliche Part nicht mehr, als altbekannte, genretypische Checkpoints und Klischees. Wie bei so vielen anderen Vertretern dieses Genres sind es daher die sympathischen Charaktere, die den Zuschauer bei der Stange halten und mitfiebern lassen. Und hier kann eigentlich wirklich nicht viel meckern. DeVine und Shipp funktionieren als flirtende Fremde einwandfrei und versprühen zusammen genügend Charme, dass man ihnen wünscht, sie mögen am Ende ihr gemeinsames Glück finden.

Fazit:

Somit bietet „Jexi“, die neueste romantische Komödie aus dem Hause Amazon, nichts wirklich Aufregendes oder Neues, sondern plätschert lieber in vorhersehbaren, klischeebeladenen, seichten Gewässern. Dies allerdings mit so viel Charme und solider Mittelmäßigkeit, dass man am Ende zwar keine großartige, aber doch eine angenehme Zeit hat und die Sichtung nicht bereut.

Bewertung:

Bewertung: 6 von 10.

(56/100)

Bilder: Amazon Prime