Es sollte eines der Film-Comebacks des Jahres werden: Ben Affleck nach privaten Abstürzen endlich wieder vor der Kamera, und das in einer Rolle, die gewisse Parallelen zu seinem realen Leben erkennen lässt. Dann kam Corona, „Out of play“ (OT „The way back“) startete nur in wenigen Kinos deutschlandweit und in Österreich gar nicht, und das Comeback fiel ins Wasser. Nun ist das berührende Drama – in diesem Fall wirklich zum Glück – endlich auch online zu sehen, und zwar auf fast allen gängigen Anbietern als VOD (Amazon, Sky etc., meist zwischen 4 und 5 € zu leihen)

von Christian Klosz

Jack Cunningham (Ben Affleck) hat schon bessere Tage gesehen: Er hat ein paar Kilo zu viel auf den Rippen, die Tage verbringt er am Bau, die Nächte in seiner Stammkneipe und / oder zuhause auf der Couch in Gesellschaft von Bierdosen. Die Trennung von seiner hübschen Frau Angela (Janina Gavankar) setzt Jack zu, noch mehr der Tod ihres gemeinsamen Sohnes Michael, der an Krebs gestorben war. Da kommt der Anruf von Pater Devine von der örtlichen High School Bishop Hayes gerade recht, auf die auch Jack gegangen war, und wo er erfolgreich Basketball gespielt hatte: Devine bietet Jack den Job als Headcoach des Basketballs-Teams der Highschool an, da der alte Coach einen Herzinfarkt hatte, und das nicht gerade erfolgreiche Team dringend Unterstützung braucht.

Jack will zuerst davon nichts wissen und überlegt, wie er dem Vater am besten absagen könnte, ringt sich dann aber doch dazu durch, beim ersten gemeinsamen Training aufzutauchen. Und siehe da: Er findet Gefallen daran, diesen jungen, ungestümen Haufen durch die Saison zu führen, plötzlich klappt es auch mit den Siegen, und die Play Offs sind in Reichweite. Und am wichtigsten: Jack kann sich vom Alkohol losreißen und findet wieder Freude am Leben – bis ein emotionales Erlebnis alte Gefühle triggert, und Jack nächtens in seiner Stammbar landet…

Der Plot klingt zugegeben schlimm schablonenhaft und generisch, und es gibt wahrlich genügend bessere und schlechtere Säufer-Dramen aus Hollywood, was die Frage aufwirft, ob und warum dieses Werk wirklich notwendig war bzw. warum man sich das ansehen sollte. Die Antwort in 3 Punkten: 1. Ebenjene einfache Story, die viel Raum für hervorragendes Schauspiel und subtile Emotion gibt; 2. Die angenehm zurückgenommen Inszenierung, die dieses Schauspiel leitet; 3. Ben Affleck, der mit seiner nuancierten Darstellung für das großartige Schauspiel und viele berührende Momente verantwortlich ist, ohne ins Melodramatische zu kippen.


Die Story, basierend auf dem Drehbuch von Brad Ingelsby, hört sich zwar wenig einfallsreich an, während dem Schauen fällt das aber nicht negativ auf. Vielmehr bietet es das Gerüst, auf dem ein ausgezeichnet funktionierender und in sich stimmiger Film gebaut wird. Auch die Dialoge sind gut geschrieben, und insbesondere die Figuren sind äußerst sympathisch und lebensnah gestaltet, sodass „Out of Play“ zu keinem Zeitpunkt wie eine „Kopie“ oder ein unnötiger Abklatsch wirkt. Regisseur Gavin O’Connor macht insofern einen guten Job, als er den Protagonisten (=seinen Darstellern) viel Raum zur Entfaltung gibt und sich meist nobel zurückhält. Auch der Score erfüllt seinen Zweck, die Szenerie zu verstärken: Insgesamt erinnert das Ganze nicht nur einmal an die Arbeit von Regie-Ikone Clint Eastwood, die sich auch meist durch eine charakterfokussierte und minimalistische Erzählweise auszeichnet.

„Weniger ist mehr“ gilt auch für das überragende, in der Qualität durchaus überraschende und dabei äußerst subtile Schauspiel von Ben Affleck, der hier wahrlich „den Weg zurück“ findet: In diesem Corona-bedingt dünnen Filmjahr sollte eine Oscar-Nominierung winken, man würde es ihm wünschen. Man nimmt ihm seine Darstellung des von Dämonen geplagten, aber herzensguten Jack in jedem Moment ab, was wohl auch damit zu tun hat, dass er sich in gewisser Weise selbst spielt: Schon mehrfach war über Alkoholprobleme des Hollywood-Mimen berichtet worden und der letzte „Absturz“ erfolgte knapp vor den Dreharbeiten zu „Out of Play“, inklusive folgender (und offenbar erfolgreich absolvierter) rehab.

Fazit:

Ein Film, der sich aufs Wesentliche konzentriert: Einfache, aber bewegende Story, zurückgenommene Inszenierung, großartiges Schauspiel – zumindest als Schauspieler hat Ben Affleck mit „Out of Play“ den Weg zurück in die A-Liga Hollywoods geschafft. Sehenswert!

Bewertung:

Bewertung: 9 von 10.

(89/100)

Bilder: © Warner Bros.