Dystopien und Science Fiction: Das passt einfach. Wobei meist einem der beiden Elemente der Löwenanteil eingeräumt wird. Sei es ein Raumschiff, dessen Mission die letzte Hoffnung der Menschheit ist, wie in „Sunshine“ aus dem Jahr 2007, oder eine so weit in der Zukunft liegende Gesellschaft, dass futuristisches Ambiente trotz Endzeitstimmung vorherrscht, wie in „Oblivion“ von 2013. Eine ausgewogene Mischung aus Weltraumabenteuer auf der einen Seite und Überlebenskampf auf der anderen ist eine Herausforderung, an die sich Lily Brooks-Dalton probierte, Autorin der literarischen Vorlage von „The Midnight Sky“, und nun eben auch George Clooney, welcher bei dieser neuen Netflix-Produktion, die seit wenigen Tagen online zu sehen ist, als Produzent, Regisseur und Hauptdarsteller in Erscheinung tritt.

von Mara Hollenstein

Wie Clooney selbst zugab, stellte die Adaption dabei einen Balanceakt dar, immerhin mussten zwei sehr unterschiedliche Handlungsstränge miteinander verwoben werden, um am Ende ein stimmiges Ganzes zu ergeben: Eine Crew, die von einer mehrjährigen Expedition von einem der Jupitermonde zurückkehrt, ohne ahnen zu können, dass es keine Heimat mehr gibt, zu der sie zurückkehren könnte, und ein einsamer Wissenschaftler (Clooney) in einer Arktisstation, der alles daran setzt, die Besatzung rechtzeitig zu warnen – diese beiden Geschichten galt es zu verbinden. Eine Aufgabe, die vor allem im Hinblick auf das verbindende Element leider nicht wirklich als gemeistert betrachtet werden kann. Was einen beinahe etwas wehmütig während der Sichtung stimmt, denn losgelöst voneinander kann man die beiden Teile tatsächlich als ziemlich gelungen bezeichnen. Auch wenn hier wie dort nicht mit genretypischen Klischees gegeizt wird – was wäre das nur für ein Film, in dem während eines Weltraum-„Spaziergangs“ nichts Katastrophales geschieht oder sich ein durch die Kälte Wandernder nicht mit wilden Tieren herumschlagen müsste – so kann man den Verantwortlich zugute halten, dass diese alten Bekannten wenigstens gekonnt inszeniert wurden.

Auf der Erde ebenso wie tief im All fiebert man mit den Figuren in „The Midnight Sky“ mit, hofft am Ende gar auf ein Happy End, welches es natürlich niemals geben kann. Das liegt auch daran, dass es der Film sehr gut versteht, dem Zuschauer seine Figuren näher zu bringen, sodass sich sehr schnell Sympathien einstellen, die sich zwar nie zu einer echten emotionalen Investition ausweiten, das Interesse am Geschehen aber dennoch hoch halten. Es hapert also nicht an den einzelnen Bausteinen, sondern an deren Zusammensetzung. Nicht immer ist ersichtlich, wieso von einer zur anderen Ebene gewechselt wird, manchmal wirkt der Zeitpunkt sogar relativ unpassend, da die Musik eigentlich gerade hier drüben spielen würde, wie man so schön sagt. Außerdem beschleicht einen immer wieder das Gefühl, dass der Weltraumpart der deutlich gehaltvollere wäre, während der Part auf der Erde auch als Nebenhandlung ganz gut funktioniert hätte. Obwohl man durchaus sagen muss, dass Clooneys Darstellung des gebrochenen alten Herren, der versucht, der Menschheit einen letzten Funken Hoffnung zu schenken, mit zu den Glanzpunkten von „The Midnight Sky“ zählt.

Fazit:

„The Midnight Sky“ final zu bewerten fällt schwer, in diesem Fall gehört ein altbekanntes Sprichwort adaptiert, da hier das Ganze eben nicht mehr als die Summe der Teile ist, sondern die Teile sich grundsätzlich nie zu einem homogenen Ganzen zusammenfügen wollen. So als wollte man dem geneigten Zuschauer sowohl Fisch als auch Fleisch kredenzen, nur dass der Versuch der Verschmelzung dieser beiden Zutaten am Ende bei weitem nicht so schmackhaft geworden ist wie ein echter „Surf & Turf“-Burger.

Bewertung:

Bewertung: 7 von 10.

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Bild: (c) Netflix