Kinos zu, Streaming-Programm mau – was tun? Vielleicht ist gerade jetzt die rechte Zeit, den Blick verstärkt auf die guten, alten Disc-Veröffentlichungen – in DVD oder BluRay-Form – zu richten. Denn was das Kino an Output schuldig bleibt, machen die Heimkinoverleihe an Quantität wett, die in Ermangelung anderer Möglichkeiten auch den einen oder anderen fürs Kino geplanten Hochkaräter direct-to-video raushauen, wie das früher hieß. Aus diesem Grund wollen wir diesen Monat auf FilmPlusKritik besonders klassische Heimkino-Starts ins Rampenlicht rücken (etwa „The Vigil – Die Totenwache“ oder „Deliver us from Evil“), für die im Normalbetrieb meist zu wenig Zeit bleibt. „Love Again“, ein romantisches Drama aus den USA von Drake Doremus („Zoe“) ist ein weiterer, der Film erscheint bei uns am 12.2. auf DVD, BluRay und als VOD.

von Christian Klosz

„Love Again“ erzählt von der (vermutlich) Mittdreißigerin Daphne (Shailene Woodley), die sich vom einen Tag auf den anderen von ihrem Freund trennt (obwohl der „einer der Guten“ ist, wie sie meint), ihren Job hinschmeißt und ins Poolhaus ihrer Schwester zieht. „Datingpause“ wird ihr von Freundinnen und selbst verordnet – doch es kommt natürlich anders als geplant: Bei einer großen Poolparty lernt sie sowohl Frank (Sebastian Stan), als auch Jack (Jamie Dornan) kennen, beide grundverschiedene Typen, der erste ein Lebenskünstler mit Bad Boy-Aura, der zweite ein Softie, der Ruhe und Geborgenheit ausstrahlt. Daphne beginnt mit beiden eine Affäre, erfährt aber erst danach, dass die zwei an sich beste Freunde sind: Eine komplizierte Dreiecksbeziehung nimmt ihren Lauf, die für Daphne vor allem eine Suche und eine Reise zu sich selbst ist.

So wenig aufregend, wie das klingt, ist „Love Again“ auch: Ein romantisches Drama nach Schema F, das Orientierungslosigkeit und Lebenskrisen von Mittdreißigern – gerade im Kreativen/Künstler-Umfeld – porträtiert und dabei auf altbekannte und erprobte dramaturgische Wendungen, Plotsequenzen und Sentiments setzt. Ein Softie und ein Bad Boy, beide recht gutaussehend, etwas Alkohol, Drogen, Parties und die ach so bemühte Suche nach dem wahren Ich, dem Sinn des Lebens, der sich nicht so recht erschließen mag – bis er am Ende eben urplötzlich wie aus dem nichts aufploppt, es der Protagonistin wie Schuppen von den Augen fällt: An sich durchschnittliche Massenware, doch einige Qualitäten hat „Love Again“ doch zu bieten, die den Film etwas über das öde Genremittelmaß hebt. Die Inszenierung von Drake Doremus ist stilistisch interessant und kreativ, sehr angenehm und die matten, aber farbenreichen Bilder bieten doch ein gewisses Sehvergnügen. Auch der Soundtrack kann sich hören lassen, die sporadisch platzierten Originalsongs fügen sich gut in das Setting ein (wenngleich das Ganze qualitativ bei weitem nicht an den überragenden Soundtrack anschließen kann, mit dem Dan Romer Doremus‘ vorigen Film „Zoe“ 2018 ausgestattet hatte). Schließlich funktioniert der Film auch als Milieustudie und Porträt einer ziellos herumdriftenden Generation, die an sich alles hat, aber nicht so recht weiß, was sie damit anfangen soll.

Fazit:

Für einen wirklich guten Film fehlt es „Love Again“ aber an Ecken und Kanten, sind vor allem die männlichen Figuren zu passiv und beliebig gestaltet und agiert die Protagonistin etwas zu klischeehaft. So bleibt am Ende ein ganz ansehnliches Werk, das nicht viel falsch macht, aber auch nicht allzu viel richtig, dessen Vorzüge in Milieuzeichnung und Inszenierung zu finden sind und dessen unübersehbare Schwächen sich im Drehbuch und der Figurenzeichnung verstecken – und das man kurz nach dem Sehen wohl bald wieder vergessen hat.

Bewertung:

Bewertung: 6 von 10.

(55/100)

Bilder: (c) capelight pictures