In der neuen „Special“-Schiene präsentiert die Berlinale erneut einen ultrabrutalen Action-Schocker aus Asien: Nach „Time to hunt“ im Jahr 2020 ist dieses Jahr der Hongkong-Copthriller „Limbo“ von Regisseur Soi Cheang zu sehen, der in trister Monochrom-Ästhetik von einer düsteren (Halb-)Welt erzählt, in der die Gewalt regiert und in der jegliche Hoffnung verloren ist.

von Christian Klosz

Der Jungpolizist Will Ren und sein erfahrener Partner Cham Lau sind einem brutalen Frauenmörder auf der Spur, der seinen Opfern die Hände abhackt. Um den Täter zu ködern, wird die kriminelle Wong To benutzt, die ihre Schuld am Unfall von Chams Familie wiedergutmachen soll. Sie soll das Cop-Duo im drogenversuchten Slum-Milieu auf die Fährte des Killers bringen, der sich dort irgendwo versteckt. Was folgt, ist eine abartige Tour de force, deren Härte jegliche Emotion im Keim erstickt und eine Welt offenbart, der alles Menschliche abhandeln gekommen ist.

Cheang setzt seine bestechende schwarz-weiß-Ästhetik, die meistens hoffnungslos grau schimmert, ganz bewusst dazu ein, eine Tristesse zu illustrieren, die mit Farbbildern kaum einzufangen oder abzubilden wäre: Jegliche menschliche Regung ist erstickt, nicht einmal Wut oder Hoffnung bekommen einen (farblichen) Ausdruck und sogar rotes Blut fließt in „Limbo“ nur pechschwarz. Es ist das Porträt einer Welt, in der animalische Instinkte dominieren, in der es stets um Überleben und nicht um Leben geht und in der Humanes höchstens in Andeutungen oder kleinen Gesten Platz hat. Das ist schwer erträglich, in der stilistischen Ausführung bemerkenswert, aber am Ende doch etwas zu artifiziell, um einen als Zuschauer (auch emotional) abzuholen.

Positiv hervorzuheben ist neben der Mise en Scène auch das Schauspiel und die Choreografie der zuhauf vorhandenen Action- und Gewaltszenen. Der schale Beigeschmack bleibt aber, dass es sich bei „Limbo“ vor allem um ein stilistisches Exempel, um einen ästhetische Exkurs, um eine Form-Übung handelt, dessen unbedingter Stilwille inhaltliche und dramaturgische Möglichkeiten erstickt.

Limbo 2021 Berlinale

Fazit:

Stilistisch bemerkenswert, schauspielerisch solide, inhaltlich mangelhaft: Soi Cheang legt mit „Limbo“ ein ultrabrutales Genrestück vor, das in seiner kalten Hoffnungslosigkeit die Grenzen des Erträglichen auslotet. Die Fixierung auf Form und Ästhetik schadet dem Werk aber mehr, als es ihm hilft, und lässt einen als Zuschauer trotz aller Gewalt am Ende etwas teilnahmslos und unberührt zurück.

Bewertung:

Bewertung: 7 von 10.

(69/100)

Bilder: © 2021 Sun Entertainment Culture Limited