Lebens- und Sinnkrise, private Veränderungen, berufliche Ungewissheiten und die Frage, wie das alles weitergehen soll: Menschen in ihren 20ern und 30ern sind heute oft mit diesen Fragen konfrontiert, der Suche nach dem eigenen Lebensweg, der Abkapselung vom Elternhaus, dem Einfügen in eine Gesellschaft, die bestimmte Erwartungen an jeden und jede einzelne stellt. „The Sunlit Night“ von David Wnendt, ein Indiefilm aus dem Jahr 2019, zirkuliert um diese und ähnliche Fragen. Er ist ab 24.9. in unseren Kinos zu sehen.

von Christian Klosz

Alles beginnt damit, dass Frances (Jenny Slate), eine (vermutet) Endzwanzigerin ihren Partner via Trennung verliert. Die geplante gemeinsame Zukunft ist weggefegt, ihre Künstler-Ansprüche und -Versuche, die sie zum Beruf machen will, wollen bisher nicht so recht fruchten. Sie entscheidet sich spontan dazu, ein „Residenz-Stipendium“ im fernen Norwegen anzunehmen, wo ein lokaler Künstler Hilfe bei der Fertigstellung eines Projekts benötigt. Jener Nils (Fridtjov Saheim) stellt sich aber als alles andere denn ein angenehmer Zeitgenosse heraus, in seiner kalten, humorlosen Art macht er Frances schnell klar, dass sie nur hier ist, um für ihn zu arbeiten, und das von früh bis spät. Die angepeilte Sinn- und Selbstsuche muss also auf sich warten lassen. Doch dann merkt Fran, dass sie auch über die harte Arbeit, die Konfrontationen mit Nils und durch die ungewohnte Umgebung, in der es auch nächtens nicht dunkel werden will – also aus ihrem alltäglichen Kontext gerissen – weiterkommt. Umso mehr, als der mysteriöse Yasha auf der Insel im Norden auftaucht, um seinen eben verstorbenen Vater dort bei einem „Wikinger-Begräbnis“ beerdigen zu lassen: Frances spürt sofort eine Verbindung zu dem zurückhaltenden, sensiblen Typen, die auch sie auf der Suche nach sich selbst viele Schritte weiterbringen wird.

„The sunlit night“ ist ein typisches US-Indiedrama (wenn auch von einem deutschen Regisseur, aber mit US-Darstellern realisiert), das sich beizeiten sehr vertraut anfühlt: Missverstandene Seele braucht eine „Auszeit“, eine weite Reise und einen Ortwechsel in „exotische Gefilde“, die Erkenntnisse bringt, sie zu sich selbst finden lässt, bevor „alles gut“ wird – hat man bereits zigmale in gleicher oder ähnlicher Form gesehen, weshalb der Innovationsfaktor des Films gleich null ist. Diese Vorhersehbarkeit ist es auch, die das Drama zwar ganz ansehnlich macht, aber zu keinem Zeitpunkt für Begeisterung sorgt. Sehr solide gemacht ist das alles, aber eben nicht mehr.

Warum „The sunlit night“ dennoch kein kompletter Reinfall ist, liegt an der Schrulligkeit und Verschrobenheit, die der Inzenierung, aber auch den Figuren eigen ist, und die den Film irgendwie sympathisch machen. Das Highlight ist da eindeutig David Paymer als Frances etwas verbitterter Vater, selbst ein verkannter Künstler, der für seine Töchter schlussendlich doch die eine oder andere Lebensweisheit parat hat. Mit etwas mehr Augemerkt auf das Drehbuch, eine etwas ausgefeiltere und unkonventionellere Story hätte „The sunligt night“ durchaus das Potential zum Indie-Überraschungshit gehabt.

Fazit:

So ist es aber am Ende ein sehr durchschnittlicher Film geworden, der zwar seine guten Momente hat und durch seine Herzlichkeit und die liebenswürdig seltsamen Charaktere positiv auffällt, aber es trotzdem nicht schafft, sich über die Masse zu erheben und länger im Gedächtnis zu bleiben: Kann man sich ansehehen, ohne es zu bereuen. Kann man aber auch auslassen, ohne es zu bereuen.

Bewertung:

Bewertung: 5 von 10.

(54/100)

Bilder: (c) W-Film