Ein Film über einen College Professor, der zu viel trinkt, noch an seiner Exfrau hängt, sich mit seiner eigenen Mortalität konfrontiert sieht und darüber auch noch seine Memoiren verfassen will. Als gäbe es davon nicht schon genug auf dieser Welt. Doch Regisseur Matthew Bissonnette und dessen Star Gabriel Byrne beweisen hier, wie man noch aus jeder noch so abgedroschen wirkenden Handlung einen charmanten und emotional wirksamen Film drehen kann.Und das ist nicht nur den lyrischen Werken von Leonard Cohen geschuldet. Hallelujah!

von unserem neuen Kritiker Christoph Brodnjak

Natürlich sind Leonard Cohens Lieder und Einflüsse in jeder Faser von „Death of a Ladie`s Man“ zu finden, ist doch selbst der Titel eine direkte Referenz zu dem gleichnamigen Album Cohens aus dem Jahre 1977. Hardcore Fans können sich vermutlich über eine Vielzahl an Anknüpfungspunkten zum Leben und Schaffen des Musikers freuen. Für die anderen bleiben immer noch ein überdimensionales Graffiti-Portrait und zahlreiche Musikeinlagen. Musikeinlagen wie „Bird on a Wire“, der inoffiziellen Hymne Kanadas, begleitet von einer wundervollen Tanzeinlage des lokalen Eishockey-Teams.

Leonard Cohen als kanadische Hymne? Tanzende Eishockeyspieler? Und dabei wurden die Tiger-Kellnerin oder der saufende Frankenstein (Frankensteins Monster, jo eh) noch gar nicht erwähnt. Samuel O’Shea (wunderbar gespielt von Gabriel Byrne) ist nämlich nicht bloß ein ewiger Trinker, er leidet dazu auch noch an Halluzinationen, hervorgerufen durch einen beachtlichen Gehirntumor. Das ist kein Spoiler, er, und das Publikum mit ihm, erfährt das sehr früh im Film.Was uns gnädigerweise einen abgedroschenen Plottwist erspart, dass das soeben Erlebte doch nur im Kopf des Protagonisten geschah. Gemeinsam mit dem Geist seines Vaters –„Wie Hamlet“, der Mann ist schließlich College Professor – macht er sich auf die Suche nach dem Sinn des, oder zumindest seines, Lebens. Das Ganze muss natürlich memoirisch festgehalten werden. Stolpersteine nebst dem wartenden Sensenmann sind eine weitere Scheidung, die fragile Beziehung zu seiner Exfrau und allfälliger Liebeskummer seiner beiden – viel zu schnell erwachsen gewordenen – Kinder.

Auf den ersten Blick mag die Handlung an sich vielleicht banal und wenig originell klingen. Doch der Film präsentiert sich mit einem gewissen Zwinkern in den Augen, sein Ton und Präsentation sind verspielt. Das Bild ist belebt von kleinen Nuancen und visuellen Gags, die alles ein bisschen makaber und dennoch melancholisch wirken lassen. Sei es eine Gesangseinlage der College Studenten (abermals Cohen), tanzende AA-Mitglieder, rieselnder Schnee wo keiner sein sollte oder der Sensenmann persönlich. David Byrne reagiert auf alles mit einer Prise trockenem Humor, den man nur am Weg zum Galgen aufbringen kann.

Fazit

Trotz seiner visuellen Verspieltheit ist „Death of a Ladies‘ Man“ keineswegs ein Film, den man als besonders „Arthouse“ klassifizieren (oder abstempeln) würde. Die Handlung ist klassisch präsentiert, mit Mitte, Ende und Anfang, und auch wenig mehrdeutig. Das mag vielleicht wie ein Diss klingen, ist es aber keineswegs. Es ist durchaus schön zu sehen, dass visuelle Tricks und Spielerein nicht nur Nischenfilmen vorbehalten sind, sondern auch in zugänglichen und leicht verträglichen (wenn auch kleineren) Mainstream-Filmen zu finden sind. Mag sein, dass es diesem Film dadurch im Vergleich zu anderen manchmal an Tiefe fehlt. Aber nur weil es um den Tod geht, heißt das noch lange nicht, dass man sofort depressiv werden muss.

Bewertung

Bewertung: 8 von 10.

(75/100)

Bilder: © 2020 DOALM Ontario Inc., Films DOALM Quebec Inc. and Port Pictures Ltd